CSU-Politiker im Porträt

Söder kein Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl 2021: Zieht es ihn trotzdem noch nach Berlin?

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder.
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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder.

Schon lange hat Markus Söder einen Ruf: des Ehrgeizlings, der vehement die politische Karriereleiter erklimmen will - vom Vorsitzenden der Jungen Union in die bayerische Staatskanzlei.

München – Stolz, sein Blick soll möglichst gedankenverloren aber gleichzeitig zielgerichtet wirken, steht Markus Söder auf einer sattgrünen Wiese. Oder hier: Mit Wind in den Haaren lehnt er betont locker am Geländer eines Boots, neben ihm weht die bayerische Flagge. Markus Söder, das wird auf seinen Profilen in den sozialen Netzwerken Instagram oder Twitter schnell klar, versteht es, sich zu inszenieren.

Der bayerische Ministerpräsident ist einer der wichtigsten Köpfe der deutschen und vor allem der bayerischen Politik. Seit März 2018 ist er der Ministerpräsident des Freistaats Bayern, seit Januar 2019 der Parteivorsitzende der Christlich-Sozialen Union (CSU). Lange Zeit wurde er hinsichtlich der Bundestagswahl 2021 als möglicher Nachfolger Angela Merkels im Kanzleramt gehandelt, bis im Frühjahr 2021 dann doch Armin Laschet zum Kanzlerkandidaten der Union erkoren wurde.

Markus Söder: Jugend in Nürnberg - erste Schritte in der Jungen Union

Markus Thomas Theodor Söder wurde am 5. Januar 1967 in Nürnberg als erstes Kind des Ehepaars Max und Renate Söder geboren. Die Eltern führen in der fränkischen Stadt ein kleines Bauunternehmen und erziehen Markus und seine jüngere Schwester konservativ-evangelisch. Den politischen Aufstieg des Sohnes erleben die Eltern nicht mehr: Die Mutter stirbt bereits 1994, der Vater 2002.

Die politische Karriere des Markus Söder beginnt mit 16, als er der Jungen Union beitritt. Schon als Jugendlicher ist er begeistert von konservativer Politik: Nicht die Poster von Pop- oder Rockstars, sondern das Konterfei des damaligen CSU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß hängt in dieser Zeit an dessen Wand.

Bevor Söder aber seinem Idol als bayerischer Ministerpräsident nachfolgen sollte, vergingen noch viele Jahre: Nach dem Abitur am Nürnberger Dürer-Gymnasium, das er 1986 mit dem Notendurchschnitt 1,3 abschließt, leistet er den Grundwehrdienst und studiert von 1987 bis 1991 Rechtswissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nach dem ersten juristischen Staatsexamen beginnt er 1992 ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk. Dort arbeitet er bis zu seiner Wahl zum Mitglied des Bayerischen Landtages 1994 als Redakteur. 1998 promoviert er an der Universität Erlangen zum Doktor der Rechtswissenschaften.

Markus Söder: Vom Vorsitzenden der Jungen Union bis zum Staatsminister

Die politische Laufbahn Söders nimmt in der Folge an Fahrt auf, einfacher Abgeordneter zu sein, reicht ihm nicht mehr. 1995 wird er Landesvorsitzender der Jungen Union Bayern, 1997 zum Vorsitzenden des CSU-Kreisverbandes Nürnberg-West, ab 2000 leitet er die CSU-Medienkommission. Der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber erkennt Söders politisches Talent und ernennt ihn, nachdem der 2003 seinen Posten des JU-Landesvorsitzenden altersbedingt räumen muss, zum Generalsekretär der CSU.

Der ehrgeizige Jungpolitiker wird nun auch vermehrt in den Medien wahrgenommen, als ausgebildeter Journalist weiß er, wie er mit Fernsehen und Zeitung umzugehen hat. Söder eckt bewusst an, zeigt sich mal provokant, mal kompromissbereit und erhält so durch zunehmende Schlagzeilen die Öffentlichkeit, nach der er sich sehnt. Auch in den eigenen Reihen polarisiert der Franke, Wegbegleiter berichten später davon, dass schon früh deutlich wurde, dass Söder eine große politische Karriere anstrebte.

Im Kabinett von Günther Beckstein wird Söder 2007 zum Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten ernannt. Als 2008 Horst Seehofer Ministerpräsident Bayerns wird, holt auch er Söder in sein Kabinett. Mit 41 Jahren ist er nun Staatsminister für Umwelt und Gesundheit, ab 2011 dann Staatsminister für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat.

Markus Söder: Jahrelanges Duell mit Rivalen Horst Seehofer

Obwohl Seehofer Söder in sein Kabinett beorderte, dringen mit der Zeit vermehrt parteiinterne Machtkämpfe in die Öffentlichkeit. 2012 wirft Seehofer Söder vor, „von Ehrgeiz zerfressen“ zu sein, er habe „charakterliche Schwächen“ und leiste sich „zu viele Schmutzeleien“. Erste Gerüchte, Söder wolle auf dessen Ministerpräsidenten-Stuhl, machten die Runde. Zwischen den beiden politischen Alphatieren entwickelte sich in der Folge ein Machtkampf.

Von seiner privaten Seite präsentiert sich Söder schon seit vielen Jahren betont ruhig, bodenständig und gelassen. Medienwirksam inszenierte er Anfang 2021 die Aufnahme der Hundedame Molly in die Familie. Zwergpinscher Bella habe jetzt eine große Schwester, schrieb Söder damals zu dem Bild. Auf Instagram zeigt sich der Franke mal mit Fahrradhelm und Sonnenbrille beim Radausflug, mal mit Winterschuhen und dicker Jacke beim Wandern in den Alpen. All das soll zeigen: „Seht her, ich bin einer von euch!“

Markus Söder: 2018 wird er bayerischer Ministerpräsident

Mit seiner Ehefrau Karin Baumüller-Söder und Familie lebt er in Nürnberg. Söder und seine Frau haben drei Kinder – eine Tochter (*2000) und zwei Söhne (*2004, *2007). Aus einer früheren Beziehung hat Söder außerdem noch Tochter Gloria Sophie (*1998). Mit der Mutter des Kindes soll Söder aber nie fest liiert gewesen sein. Ein Jahr nach deren Geburt heiratet Söder Karin Baumüller. Die beiden sollen sich in einem Naturfreibad kennengelernt haben.

Söder wird eine Liebe zur Verkleidung nachgesagt: Zur Faschingszeit zeigt sich Söder mal als Marilyn Monroe, Punk, Zauberer Gandalf oder Shrek. 2016 erschien das Ehepaar Söder verkleidet als Karin und Edmund Stoiber.

2018 dann ist Söder vorerst an seinem politischen Ziel angelangt. Horst Seehofer tritt zurück und wechselt kurz darauf ins politische Berlin. Zwar verliert die CSU in Bayern bei den Landtagswahlen im Oktober die absolute Mehrheit, aber Söder kann mit den Freien Wählern eine Koalition bilden und führt fortan als Ministerpräsident die Geschäfte des Freistaates. Ein Jahr später wird er Parteichef der CSU.

Markus Söder: Bayerischer Ministerpräsident oder doch nach Berlin?

Söders Amtszeit beginnt unspektakulär, lediglich sein Kruzifix-Erlass löst landesweite Diskussionen aus. Söder wollte festschreiben lassen, dass im Eingangsbereich einer jeden Behörde ein Kruzifix zu hängen hat. Im Zuge der Fridays-For-Future-Bewegung und des steigenden Augenmerks auf den Klimawandel zeigt Söder in seiner Regierungsarbeit vermehrt grüne Tendenzen. Söder umarmt Bäume, lädt zu Gesprächsrunden und verabschiedet unter anderem ein Artenschutz-Gesetz (das auf das Volksbegehren Artenvielfalt zurückgeht). Wegen der aus Sicht vieler Umweltschützer unbefriedigenden Umsetzung steht Söder aber in der Kritik.

Video: Markus Söder: „Für meine Kinder ist es leichter, wenn ich nicht Kanzler bin“

Nachdem im Frühjahr 2020 dann das Coronavirus die Welt umkreist hatte, schlug Söders große Stunde: Der bayerische Ministerpräsident präsentierte sich als strenger Krisenmanager - derweil hat Bayern lange Zeit die höchsten Infektionszahlen und Todesraten zu verzeichnen - saß bei zahlreichen Pressekonferenzen neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und brachte sich so ins Gespräch für deren Nachfolge. Nach öffentlicher Schlammschlacht mit dem Kontrahenten aus der CDU, Armin Laschet, muss sich Söder aber geschlagen geben. Bei der Bundestagswahl wird Laschet als Kanzlerkandidat der Union ins Rennen gehen. Das könnte Einfluss nehmen, auf die Ergebnisse der Wahl in München. Falls Sie noch unentschlossen sind, können Sie den Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl nutzen - vielleicht hilft er bei ihrer Wahl-Entscheidung.

Und Söder? Der wird wohl weiter an seiner Karriere feilen. Vielleicht zieht es ihn ja in einigen Jahren doch noch in die deutsche Bundeshauptstadt. Bis dahin macht Markus Söder das, was er am besten kann: inszenieren und taktieren. (fmü)

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