Verhältnis angeknackst

Markus Söder kritisiert Donald Trump deutlich - Weltpolitik überschattet Neueröffnung des Amerikahauses

Markus Söder spart nicht mit Kritik an Donald Trump.
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Markus Söder spart nicht mit Kritik an Donald Trump.n

Bei der Neueröffnung des Amerikahauses in München kritisierte Markus Söder US-Präsident Trump. Das Deutsch-Amerikanische Verhältnis ist in letzter Zeit angeknackst.

  • Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist seit Trumps Präsidentschaft angeknackst.
  • Die Differenzen überschatten auch die Neueröffnung  des Amerikahauses in München.
  • Ministerpräsident Markus Söder nutzt den Festakt, um Trump zu kritisieren.

München – Die Symbolik ist nicht ungefährlich. Feierlich wollen deutsche und amerikanische Politiker und Diplomaten heute in München ein Band durchschneiden, Signal für die Wiederöffnung des Amerikahauses. Ein fröhlicher Anlass, aber ein bisschen erinnert das Band auch an ein zerschnittenes Tischtuch, an gerissene Nerven, gekappte Verbindungen und an eine nur noch an wenigen Fasern hängende transatlantische Partnerschaft.

Söder und US-Botschafterin Robin S. Quinville bei Neueröffnung des Amerikahauses nach Generalsanierung

Tatsächlich greifen Ministerpräsident Markus Söder* (CSU) und die amtierende US-Botschafterin Robin S. Quinville zur Schere, während die Vertrauenskrise mit den USA einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Eigentlich hat das frisch generalsanierte Amerikahaus am Karolinenplatz nichts mit Tagespolitik zu tun, sondern mit kulturellem Austausch und mit transatlantischer Freundschaft, die aus den Trümmern der Nachkriegszeit erwuchs.

Wie sehr die Münchner am Amerikahaus hängen, bewiesen sie in den letzten zehn Jahren: Vor der Generalsanierung war der Standort umkämpft, Ex-Ministerpräsident Horst Seehofer wollte am Karolinenplatz mit viel Druck eine Technik-Akademie unterbringen. Zahlreiche Stadt-Promis und am Ende auf US-Seite sogar Ex-Präsident Bill Clinton machten sich für den Erhalt stark – mit Erfolg, Seehofer plante letztlich um.

Corona und schimpfender Trump überschatten Neueröffnung 

Trotzdem wird der Festakt am Vormittag natürlich von der Weltpolitik überschattet: Wegen Corona herrschen auf beiden Seiten strikte Einreiseverbote, der Austausch ist praktisch zum Erliegen gekommen. US-Präsident Donald Trump* hat in den Deutschen einen Lieblingsgegner entdeckt, schimpft immer wieder über zu niedrige Verteidigungsausgaben.

In den vergangenen Wochen hatte Trump Deutschland mit der Ankündigung brüskiert, bis zu 9500 US-Soldaten abzuziehen und nach Polen zu verlagern. Das trifft unter anderem das bayerische Grafenwöhr massiv. Hinzu kam die oft barsche Kritik des vor kurzem aus Berlin abgerückten Botschafters Grenell, eines engen Trump-Vertrauten, an der deutschen Wirtschafts-, Energie- und Verteidigungspolitik.

Söder kritisiert Trump wegen irritierender Aussagen über Deutschland: „Unverständlich“

Kurz: ein Scherbenhaufen. Umso genauer wird heute der Münchner Auftritt beobachtet. Es sind etwas andere Vorzeichen. Quinville (64) dürfte Grenells Kurs fortführen, aber nicht den Ton; sie hat jahrzehntelange Erfahrung in Europa. Auch Söder liegt das transatlantische Verhältnis ehrlich am Herzen. 2016 berief er einen „bayerisch-amerikanischen Freundschafts-Club“ ein, reiste mit Familie in die USA und wäre heuer im April eigentlich zu einer fertig geplanten Delegationsreise nach Washington und Texas aufgebrochen, die nur an der Corona-Krise scheiterte.

Söder will das Tischtuch kaum zerschneiden. Trotzdem redet er vor dem Auftritt Klartext. „Die Zusammenarbeit vor Ort ist hervorragend, aber die Signale aus Washington sind anders als früher“, sagt er unserer Zeitung. „Statt enger Freundschaft und Abstimmung gibt es immer wieder irritierende Aussagen über Deutschland. Anstatt miteinander zu reden wird zu häufig nur übereinander geurteilt.“ Es sei „unverständlich, warum die Führung in den USA die wirklich guten Beziehungen schwächt“.

Söder kritisiert Trumps Truppenabzug: „Das bringe auch den USA selbst wenig“

Söder kritisiert auch klar Trumps Plan zum Truppenabzug: „Das bringe auch den USA selbst wenig. Die in Deutschland stationierten US-Truppen dienen vor allem den Interessen der Nato und den USA als Brückenkopf für Einsätze außerhalb Europas.“

Wunder sind vom Amerikahaus-Auftritt nicht zu erwarten. Ein wenig Deeskalation vielleicht, aber fast zeitgleich will Trump in Washington Details seiner Abzugspläne vorlegen. Auf der deutschen Seite hoffen viele eher auf eine Zeit nach Trump, am besten ab 2021. Auch ein durchschnittenes Band lässt sich ja neu knoten. (cd) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Markus Söder hat sich den Fragen von Journalist Ulrich Wickert gestellt und dabei Fehler in seiner Politik eingeräumt.

Sommerzeit ist Urlaubszeit, das gilt auch für die Politiker dieses Landes. Doch wo entspannen Merkel, Seehofer und Söder in diesem Corona-Sommer?

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