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Hat Kimmich sich „vergaloppiert“? In ZDF-Talk fürchtet Kerner Instrumentalisierung des Falls durch Querdenker

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Johannes B. Kerner war bei „Maybrit Illner“ zugeschaltet.
Johannes B. Kerner war bei „Maybrit Illner“ zugeschaltet. © Screenshot / ZDF-Mediathek

Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei - das Impfen bleibt entscheidend. Was tun mit Impfverweigern, fragt Maybrit Illner im ZDF-Talk.

Die vierte Corona-Welle rollt an und die Politik scharrt mit den Hufen. Reichen die Maßnahmen um einigermaßen unbeschadet über den Winter zu kommen? Braucht es die flächendeckende 2G-Regel oder gar eine Impfpflicht? Maybrit Illner sondiert in ihrem Politik-Talk im ZDF die aktuelle Lage - gerade mit Blick auf Österreich, das einen Lockdown für Ungeimpfte auf die Agenda gesetzt hat. Das Sendungs-Motto: „Kein Schutz, keine Freiheit – Lockdown für Ungeimpfte?“.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher, selbst Arzt im ersten Berufsleben vergleicht die Impfungen mit einem Schutzwall: „Wir haben den Deich aufgebaut und jetzt kommt die Flut“. Der saisonale Effekt, der jährlich im Winterhalbjahr zu einem Anstieg der Infektionskrankheiten führt, werde noch einmal zur Belastungsprobe, der zeige „ob der Damm hält.“ Der SPD-Politiker befindet: „Bevor wir es genau wissen“ solle die „epidemische Lage von nationaler Tragweite“ aufrechterhalten bleiben. Ende des Jahres wisse man mehr.

„Maybrit Illner“ - diese Gäste diskutierten mit:

Impfen ist gut für die Sicherheit der Nation, das scheinen die meisten verstanden zu haben. Doch was, fragt Illner, machen wir nun mit denen, die sich trotzdem weiterhin dagegen aussprechen. Die Moderatorin lenkt den Blick auf ein Aufreger-Thema der letzten Woche: den Fall des ungeimpftem FC-Bayern-Stars Joshua Kimmich. Boris Palmer plädiert dafür, den Ball flach zu halten: „Wir geraten in dieser Gesellschaft zu leicht in Erregung“, gibt der Oberbürgermeister von Tübingen zu bedenken - Palmer war selbst immer wieder Gegenstand hitziger Debatten.

Impfärztin warnt vor „Moralgedöns“ - das helfe nicht gegen Angst vor dem Impfen

Auch die Hausärztin Sibylle Katzenstein, seit Beginn der Corona-Pandemie häufiger Talk-Gast, befindet, dass die Aufregung an den Menschen vorbeigehe. In ihrer Praxis seien inzwischen 6.000 Menschen geimpft worden, das „Moralgedöns“, gebe nicht den Ausschlag. „Ob sich ein Jens Spahn impfen lässt oder ein Herr Kimmich nicht“, mache nicht aus, ob sich ein Patient für eine Impfung entscheide, meint Katzenstein. Entscheidend sei das persönliche Gespräch mit dem Impfarzt. Mit Blick auf Kimmich erklärt die Hausärztin, dass Ängste häufig nicht rational seien, es aber wichtig sei, diese verstehen zu wollen.

Auch Virologe Jonas Schmidt-Chanasit empfiehlt bei Impfangst das direkte Aufklärungsgespräch mit dem Arzt, der emphatisch reagieren solle, aber auch ehrlich über mögliche Risiken aufklären müsse. Der Virologe schätzt das Risiko einer Impfschädigung im Fall der Corona-Vakzine nach aktuellem Stand für überschaubar ein. Es seien inzwischen Milliarden Impfdosen weltweit verabreicht worden. Das komme Langzeitstudien nahe. Seltene Nebenwirkungen und Langzeitfolgen müssten inzwischen bekannt sein, so der Lehrstuhl-Inhaber.

Johannes B. Kerner warnt vor der politischen Instrumentalisierung von Impfgegnern

Fußball-Moderator Johannes B. Kerner will im Fall Kimmich einen Aspekt nicht unter den Tisch fallen lassen und macht deutlich, dass es hier im um eine politische Diskussion geht: „Kimmich hat sich in der Argumentation mit den Langzeitfolgen einfach vergaloppiert“, so Kerner und damit dem „querdenkenden Teil in der Bevölkerung argumentativ Vorschub geleistet“.

Palmer greift den Punkt auf. Menschen, die sich aus politischem Protest nicht impfen lassen wollen, gebe es ohne Zweifel, sagt Palmer. Doch der Grünen-Politiker übt auch Kritik an seiner Zunft: „Druck erzeugt Gegendruck“, warnt er. Mit Anreizen und Überzeugungsarbeit können den Menschen mehr geholfen werden kann als mit Drohung auf Ausschluss, meint Palmer.

Virologe Schmidt-Chanasit warnt vor Verschleppung der Booster-Impfung bei den Alten

Schmidt-Chanasit verweist auf „die unterschiedliche Lage“ in den Bundesländern, die schon aus rechtlichen Gründen die individuelle Anpassung der Maßnahmen vor Ort nötig mache. Er fordert, den Start der Auffrischungsimpfungen vor allem bei den vulnerablen Gruppen voranzutreiben: „In den nächsten Wochen sind 20 Millionen Booster-Impfungen“ von Nöten, so Schmidt-Chanasit, „das muss organisiert werden“.

Fazit des „Maybrit Illner“-Talks

Auch der Corona-Talk scheint inzwischen geimpft. Erinnert man sich an die erhitzten Diskussionen in der Hochphasen der Pandemie ist die Fieberkurve inzwischen stark abgeflacht. Es hat sich gezeigt: Vernunft ist die beste Medizin. Patient Deutschland kann nun bald als genesen nach Hause entlassen werden - und das auch mit oder trotz ungeimpftem Fußball-Spieler und Bundesländern ohne 2G-Regel.

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