ZDF-Talk am Donnerstagabend

Grünen-Chef platzt bei Illner der Kragen: Er geht CSU-Frau an - doch ihr Konter hat es in sich

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Der Asylkompromiss zwischen CDU, CSU und SPD wurde bei Maybritt Illner diskutiert.

Wie gut ist der Kompromiss im Asylstreit? Bei Maybrit Illner wurde das Regierungschaos der vergangenen Tage um das Thema Asyl diskutiert. Dabei erhoben Gäste schwere Vorwürfe - insbesondere gegen die CSU. 

Berlin - Nach den spektakulären Verhandlungen im Asylstreit fragte ZDF-Talkmasterin Maybrit Illner am Donnerstagabend, wie gut der Kompromiss in der Migrationsfrage wirklich ist und wie lange der Frieden in der Regierung überhaupt halten kann? 

Zu Gast hatte Illner den CDU-Vize Armin Laschet, Grünen-Chef Robert Habeck, SPD-Politikerin Manuela Schwesig, CSU-Politikerin Dorothee Bär sowie Journalistin Kristina Dunz („Rheinische Post“). 

Aktuelle Entwicklungen zum Asylkompromiss lesen Sie hier im News-Ticker. Was genau die Große Koalition am Donnerstag beschlossen hat und was sich nun in der Asylpolitik verändern soll, finden Sie hier im Überblick.

Insbesondere der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, nahm bei Illners Fragen kein Blatt vor den Mund und erhob schwere Vorwürfe gegen die CSU. Der Gewinner der Asyldebatte ist seiner Meinung nach Alexander Dobrindt, der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Er habe seine rechte Agenda durchsetzen können, ohne dabei sein Gesicht zu verlieren. Nur Horst Seehofer nehme nun keiner mehr ernst, behauptete Habeck. „Dobrindt will die CSU zu einer Orban-Partei machen“, warf der Grünen-Politiker Dobrindt eine Annäherung an den umstrittenen ungarischen Regierungschef vor. 

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Auch SPD-Politikerin Manuela Schwesig ging hart mit Seehofer, Dobrindt und Söder ins Gericht. Dass die „Machos der CSU“ ein ganzes Land in Geiselhaft nähmen, das sei unverantwortlich, so die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. „Ab morgen muss der Innenminister mal liefern“, so Schwesig.

CSU-Politikerin Bär sieht Seehofer/Merkel-Streit als gerechtfertigt an

CSU-Politikerin Dorothee Bär hingegen beharrte darauf, dass man aus den Fehlern der Asylkrise von 2015 lernen müsse. Sie sieht den Streit der vergangenen Tage als gerechtfertigt, weil so die klare Linie einer verschäften Asylpolitik, die ein Wahlversprechen dargestellt hat, eingehalten werden konnte. 

Habeck findet das nicht richtig: „Sie haben die falschen Freunde. Das muss doch mal reingehen in den Kopf, dass ihr auf dem falschen Trichter seid. Orban und die ganzen Heinis haben euch doch alle hängen lassen.“

Dunz sagt: „Es ging um ein Symbol um Zurückweisung. Wenn Seehofer von Anfang an gesagt hätte, es gehe um vier Leute pro Tag, hätte sich Seehofer einigermaßen lächerlich gemacht. Heute stehen keine Transitzentren mehr drin. Von dem her ist all das, mit dem er den Regierungsbruch riskiert hat, heute zerfallen.“

CDU-Vize Laschet: „Italien will einen besseren Außengrenzschutz. Natürlich brauchen wir dafür Solidarität. Italien und Griechenland ist auch auf uns angewiesen. Europa geht nur mit Geben und Nehmen.“

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Maybrit Illner: Plötzlich redet sich Habeck in Rage

Kurz vor Ende der Sendung kommt es zum Wutanfall des Grünen-Chefs: „Die CSU ist eine absolut pro-europäische Partei“, sagt Bär. „Das haben wir immer bewiesen.“

„Das stimmt nicht“, widerspricht ihr Habeck erregt. „Ihre Leute sprechen von einem Europa der Vaterländer. Das ist rechter Jargon. Das ist nicht europäisch.“

Robert Habeck in der Talkshow von Maybrit Illner.

„Es wird nicht besser, wenn Sie es drei Mal wiederholen“, sagt die CSU-Frau. Doch Habeck denkt nicht daran aufzuhören. „Sie vergiften den Diskurs“, faucht er die Staatsministerin an. „Sie killen fast Europa und dann sagen Sie, Sie sind eine europäische Partei, das geht doch nicht.“ Habeck bekommt an vielen Stellen Applaus.

Maybrit Illner: Grünen-Chef faucht - CSU-Frau bleibt ganz cool

„Das sind wir“, beharrt Bär, und bringt damit Habeck erst richtig auf die Palme: „Bleiben Sie doch bei der Wahrheit“, schimpft er. „Stehen Sie doch dazu. Sagen Sie, Ihr Ministerpräsident ist nicht Ihr Ministerpräsident.“ Lachen im Publikum.

„Das ist mir zu populistisch“, sagt Bär. Sie bleibt ganz cool: „Ich möchte das gern ohne Schaum vor dem Mund diskutieren. Ich weiß, dass Sie heute traurig sind, weil Sie aus dem Landtag ausgeschieden sind“, kontert sie sogar noch. Hintergrund: Der Umweltminister Schleswig-Holsteins gibt er seinen Ministerposten ab und konzentriert sich ganz auf den Bundesvorsitz seiner Partei.

Nur wenige Minuten später ist die Sendung zu Ende. Da ist der Knall noch nicht verhallt. Man wird das Gefühl nicht los: Der Asylstreit ist noch längst nicht beendet.

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