"Diese Frau kann Kanzler!"

Merkel mit 1400 Unionsdamen in der BMW Welt

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Angela Merkel wurde von CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt und 1400 anderen Frauen beklatscht und gefeiert

München - Jubel, stehende Ovationen, spitze Entzückensschreie: Kanzlerin Angela Merkel wurde beim Wahlkampfauftakt der Frauenunion in der Münchner BMW Welt wie ein Star gefeiert.

Böse Worte wie Drohne, Verwandtenaffäre oder Schuldenkrise fielen nicht bei dieser Veranstaltung, zu der Angelika Niebler und Maria Böhmer, die Frauenunionsvorsitzenden Bayerns und Deutschlands eingeladen hatten. Auch wenn sich Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer einen Auftritt vor einem Saal voller begeisterter Damen aus den C-Parteien nicht entgehen ließ, hieß das Ziel der Frauen an diesem Tag doch explizit: Die Geschlechtsgenossin Angela Merkel im September weiter an der Spitze der Bundesregierung zu behalten. Dazu wurden auch etliche Powerfrauen aus Kultur, Politik, Film und Wissenschaft eingeladen, um vor der Kulisse „Frauen für Merkel“ auf einem Podium zu diskutieren.

„Diese Frau kann sehr gut Kanzler!“ rief Maria Böhmer, Staatsministerin im Bundeskanzleramt. „Inzwischen fragt man sich ja, ob der Mann das kann.“ Dass es sich bei diesem Seitenhieb um SPD-Kandidaten Peer Steinbrück handelte, musste nicht ausbuchstabiert werden, die Lacher waren auch so garantiert.

Die Kanzlerin gab in ihrer 40-minütigen Rede einen Abriss ihrer Politikthemen: vom Kampf gegen die Arbeitslosigkeit über die Einführung einer „Lohnuntergrenze“ bis zur Rente mit 67 und Europa. Ihre Devise für alle Bereiche: „Maß und Mitte“. Was ihr am Herzen zu liegen scheint: Die Wahlfreiheit für Mütter, ob sie arbeiten oder zuhause bleiben wollen – müsse ermöglicht werden, auch durch ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Dass sie sich in der Vergangenheit nicht besonders für Frauen stark gemacht hat, räumte Merkel selbstkritisch ein. Anfang der 90er habe Kanzler Helmut Kohl sie sogar dazu zwingen müssen, sich – sie war Frauenministerin – für das Frauenquorum in CDU-Vorständen einzusetzen. Erst kürzlich musste Merkel zu der Forderung nach einem gesetzlich vorgeschriebenen 40-prozentigen Anteil von Frauen in Aufsichtsräten von Unternehmen gedrängt werden: Es könnte schon Gesetz sein, steht aber nun erst im Wahlprogramm.

Schließlich gab die CDU-Chefin noch einen Appell aus: Der Frauenanteil in den Unionsparteien – derzeit 20 bis 25 Prozent – müsse höher werden!

Barbara Wimmer

 

Gaby Hauptmann

Die Journalistin und Bestsellerautorin war für die Frauenunion sicher wegen ihrer Buchtitel attraktiv. Das erste hieß Suche impotenten Mann fürs Leben, wie FU-Chefin Maria Böhmer boshaft erklärte. Hauptmann wurde 2012 als Wahlfrau von der CDU in die Bundespräsidentenwahl geschickt. Die 56-Jährige bezeichnet sich als politisch, aber eigentlich nicht als Parteimensch. Die Kanzlerin sei eine moralische Instanz in der Politik.

 

Regina Ziegler

Die Filmproduzentin war erst vor kurzem zu Gast bei der Kanzlerin, zusammen mit anderen Managerinnen, die über die Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten debattierten. Die 69-jährige hat ein Jahr nach Angela Merkels Amtsantritt eine Dokumentation produziert. Grundsätzlich „ist Angela Merkel für jede Filmgeschichte gut“, lobt die Selfmade-Frau Ziegler. Von 70 Mitarbeitern ihrer Firma sind 58 Frauen.

 

Isabell M. Welpe

Die 38-Jährige ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der TU München, und sie ist begeistert über das, was sich in den letzten Jahren an deutschen Unis getan hat. Vor kurzem sei sie in den USA wieder nach dem Geheimnis für die Attraktivität deutscher Hochschulen gefragt worden. Welpes Institut hat in einer Studie herausgefunden, dass Frauen auf der Karriereleiter „deutlicher ihren Stolz auf das Erreichte zeigen sollten“.

 

Aygül Özkan

Die erste türkischstämmige Landesministerin Deutschlands führt ihre „Erfolgsgeschichte“, nicht nur die in der Politik, auf das Wirken der CDU zurück. Nur weil sie „mit drei Jahren in die Kita gekommen“ sei, habe sie gute Startbedingungen gehabt, so Özkan (41). Die Kanzlerin habe die frühzeitige Bildung von Migrantenkindern zu ihrem Thema gemacht. „Ich bin stolz, dass wir so eine Kanzlerin haben!“

 

Streit um die Mütterrente

Während in der BMW Welt die von den Unionsparteien versprochene Reform der Mütterrente von der Frauenunion geradezu frenetisch gefeiert wurde, schoss der Koalitionspartner FDP erneut gegen das teure Wahlversprechen. Die Union habe immmer noch nicht erläutert, „wie sie die Milliardenbeträge, die die Mütterrente kosten würde, finanzieren will“, kritisierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring in der Saarbrücker Zeitung. Kanzlerin Angela Merkel aber versprach Standfestigkeit. „Das werden wir ganz fest vertreten, weil dies auch einer der wirklich guten Schritte gegen Altersarmut ist.“

Was ist der Stand bei der Mütterrente?

Eltern, zumeist Müttern, werden bisher unterschiedlich viele Entgeltpunkte bzw. Rentenjahre für die Erziehung ihrer Kinder angerechnet. Für Kinder, die nach dem 1. Januar 1992 geboren sind, gibt es drei Punkte, für alle davor geborenen nur einen.

Wollen die Unionsparteien diese Ungerechtigkeit ganz beseitigen?

Nicht in einem Schritt. Künftig soll es aber für älteren Kinder zumindest zwei Entgeltpunkte geben.

Um wieviel wird die Rente durch diese Reform erhöht?

Sie soll pro Kind rund 330 Euro im Jahr mehr bringen. das sind etwa 28 Euro pro Monat. Die Kanzlerin räumte ein, der Anpassungsschritt werde „nicht gerade billig“. In Zahlen bedeutet er ca. 7,5 Milliarden Euro im Jahr.

Aus welchem Topf kommt das Geld?

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht Spielräume in der Rentenversicherung. Der heutige Bundeszuschuss sei höher als das, was gebraucht werde, stimmt Merkel zu.

Was sagt die Opposition?

FU-Chefin Maria Böhmer attackierte SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück scharf, weil er die Aufstockung zwar für wünschenswert, aber unbezahlbar hält. Böhmer: „Er lässt die Frauen im Regen stehen."

BW

 

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