Hier scherzt die Kanzlerin mit Joachim Gauck

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Der designierte Bundespraesident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterhalten sich am Dienstag in Berlin im Reichstag vor dem Beginn der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Berlin - Demonstrativ herzlich hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den künftigen Bundespräsidenten Joachim Gauck am Dienstag als Gast in der Unions-Fraktion begrüßt.

Präsidentenkandidat Joachim Gauck hat bei seiner Vorstellung in den Bundestagsfraktionen von Union, FDP und SPD viel Beifall und Zustimmung erhalten. Betont herzlich begrüßte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den von ihr zunächst abgelehnten früheren DDR-Bürgerrechtler am Dienstag als Gast bei der CDU/CSU. Beide scherzten und lachten miteinander, bevor sich Gauck den Fragen der Abgeordneten stellte. Die FDP-Fraktion genoss den Besuch Gaucks besonders, hatten die Liberalen doch den 72-Jährigen gegen den Widerstand der Union als Kandidaten durchgesetzt.

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Nach dem 45-minütigen Besuch in der Unionsfraktion sagte Gauck: “Ein Gefühl von Fremdheit ist gar nicht erst aufgekommen.“ Er sprach von einem “sehr wachen Zuhören“. Kritische Fragen habe es nicht gegeben. Teilnehmer berichteten, Gauck habe beim Abschied und auch während seiner Ansprache viel Applaus erhalten. Gauck sagte unter anderem: “Die Union hat die Idee der Freiheit nie dem Zeitgeist geopfert.“ Das verbinde ihn mit der Union. “Es gibt keine größere Distanz zwischen dem Kandidaten und Ihren Wertvorstellungen.“

Präsidenten-Kandidat Joachim Gauck im Porträt

Präsidenten-Kandidat Joachim Gauck im Porträt

Nachdem Merkel Gauck zunächst nicht als Kandidaten wollte, hatte sie ihn auf Druck der FDP schließlich als Nachfolgekandidaten von Union, FDP, SPD und Grünen für den zurückgetretenen Christian Wulff präsentiert. Unions-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier betonte: “Joachim Gauck hat in den letzten Tagen durch seine Auftritte viel Vertrauen und Respekt gewonnen.“ Gauck soll am 18. März zum neuen Präsidenten gewählt werden. Die Linke stellt die als Nazi-Jägerin bekanntgewordene Beate Klarsfeld als Gegenkandidatin auf.

In der FDP-Fraktion wurde Gauck mit viel Applaus empfangen, wie es aus Fraktionskreisen hieß. Gauck gab diesen Angaben zufolge “ein flammendes Bekenntnis“ zur Freiheit ab: “Freiheit ist immer Freiheit für etwas und zu etwas. Die Freiheit der Erwachsenen bedeutet Verantwortung. Ich möchte die schöpferischen Kräfte der Bevölkerung, der Individuen aktivieren.“ Auf Nachfrage eines FDP-Abgeordneten zur Integration sagte Gauck: “Die Politik von (Christian) Wulff werde ich fortsetzen, mit meinen Worten.“

Auch bei der SPD wurde Gauck mit viel Beifall empfangen. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte: “Wir stehen zu diesem Kandidaten - vor zwei Jahren genauso wie heute.“ Gauck sei ein “Lehrer der Demokratie“.

Bei einem Besuch der Grünen zeigte sich, dass die Öko-Partei und Gauck nicht in allen politischen Bereichen übereinstimmen. Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir erklärten nach dem Treffen: “Das Gespräch mit Joachim Gauck war spannend, konstruktiv und sehr fruchtbar. Wir haben dabei viele Gemeinsamkeiten, aber durchaus auch unterschiedliche Positionen mit dem Kandidaten festgestellt.“ Gauck, der von den Grünen bereits bei der Wahl vor zwei Jahren als Kandidat ins Gespräch gebracht worden war, habe alle Voraussetzungen dafür, dem Amt des Bundespräsidenten wieder Glaubwürdigkeit und moralische Überzeugungskraft zurückzugeben.

Die Linke lud Gauck für nächsten Dienstag zu einem Gespräch ein. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hält Klarsfeld für eine hervorragende Kandidatin. “Sie konfrontiert alle mit der Geschichte, der Gegenwart und der Zukunft unserer Gesellschaft“, sagte er. Klarsfeld wird sich voraussichtlich an diesem Donnerstag offiziell in der Linksfraktion vorstellen. Er gehe davon aus, dass die Wahlfrauen und Wahlmänner der Linken in der Bundesversammlung geschlossen für Klarsfeld stimmen und sie auch Stimmen aus anderen Lagern bekommen werde, sagte Gysi.

dpa

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