1. tz
  2. Politik

Plötzlich nicht mehr Minister – was Scheuer, Seehofer, AKK & Co. jetzt bevorsteht

Erstellt:

Von: Marcus Mäckler

Kommentare

Die CSU-Kabinettsmitglieder Andreas Scheuer (Verkehrsminister), Dorothee Bär (Staatsministerin für Digitalisierung), Gerd Müller (Entwicklungsminister) und Horst Seehofer (Innminister)
Für die CSU-Politiker Andreas Scheuer, Dorothee Bär, Gerd Müller und Horst Seehofer endet die Regierungszeit. © Michael Kappeler/dpa

Nicht nur Altkanzlerin Merkel macht Schluss, auch für ihre Minister ändert sich vieles. Manche sind jetzt einfache Abgeordnete, andere orientieren sich um.

München – Auf den letzten Metern gibt der umstrittenste Minister der alten Regierung noch mal Gas. Ende November reist Andreas Scheuer in die USA*, besucht einen Hafen, eine Automesse, spricht mit Unternehmern über „die Lieferkettenproblematik“. Auch nach seiner Rückkehr lässt er nicht nach. Die letzte Mail aus dem „Neuigkeitenzimmer“ – so heißt die Presseabteilung im Verkehrsministerium – geht am Dienstag (7. Dezember), 17.38 Uhr, raus. Stunden später ist Kanzlerwahl*. Ob dem CSU*-Mann irgendwer gesagt hat, dass dann für ihn Schluss ist?

Man kann es auch positiv wenden: Scheuer tut halt Dienst bis zur letzten Minute. Seit Mittwoch (8. Dezember) ist der Niederbayer sein Amt los, oder das Amt ihn, wie man will. Während die Minister der SPD* fast alle, teils in anderer Funktion, weitermachen dürfen*, drücken die Unions-Kollegen nach dem Ende der Ära Merkel* bald die Oppositionsbank – oder hören ganz auf. Große und mittlere Karrieren enden. Da stellt sich natürlich die Frage: Wie geht es für sie weiter?

Ära Merkel vorbei: Umstrittenes CSU-Duo Scheuer und Bär tritt ab – Seehofer hört ganz auf

„Irgendwie ist es schon ein Tag der Freiheit“, sagt Scheuer am Mittwoch (8. Dezember). Er wird jetzt als einfacher Abgeordneter Opposition machen, wie seine Parteikollegin Dorothee Bär, bislang Staatsministerin für Digitalisierung. Kritiker meinen, das sei ganz gut so, eine glückliche Figur machten beide nämlich selten.

Die zwei übrigen CSU-Minister haben indes genug vom Berliner Polit-Zirkus. Da ist Horst Seehofer*, der zuletzt ein riesiges Innenbauheimatministerium führte, dessen Möglichkeiten aber kaum ausreizte. Nach 50 Jahren in der Politik, rund 40 davon im Bund, ist jetzt Schluss. Der Absprung ins Private scheint dem 72-Jährigen nicht schwerzufallen*. Unlängst zählte er im Spiegel auf, was so auf ihn wartet: Spazieren, radeln, Keyboard spielen, lesen (bis zu sechs Bücher parallel). „Und dann sind da die Familie, meine Enkel und die vielen Freundschaften, die ich so lange nicht pflegen konnte. Da soll meine Freizeit nicht gut gefüllt sein?“

Ein radikaler Schnitt, der aber nicht jedermanns Sache ist. Gerd Müller, acht Jahre Entwicklungsminister und so etwas wie das global-moralische Gewissen der CSU, scheidet zwar auch aus dem Bundestag aus, bleibt seiner Mission aber treu. Noch im Dezember wird er Chef der UN-Industrieagentur Unido mit Sitz in Wien. Dort hilft der 66-Jährige bei der industriellen Entwicklung ärmerer Länder.

(Die Ampel steht - wie es weitergeht, erfahren Sie in unserem Politik-Newsletter.)

Ende der Ära Merkel: „AKK“ und Altmaier geben jungen Parteifreunden den Vortritt

Die Karrieren von Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier enden auf besondere Weise. Nach der Unions-Pleite bei der Bundestagswahl* und kündigten die beiden an, zugunsten von jüngeren Kollegen auf ihre Bundestagsmandate zu verzichten. Altmaier war 27 Jahre im Berliner Politikbetrieb, zuletzt – nicht unumstritten – Wirtschaftsminister. Jetzt beginnt etwas Neues.

Der Bild erzählte er kürzlich, dass er abgenommen habe, aber nicht wie viel. „Zum Frühstück gibt’s jetzt nur noch zuckerfreies Müsli mit Heidelbeeren und Ananas, zum Abendessen mageres Hühnchen.“ Das sei das Geheimnis. Bis Februar plant er eine Auszeit: ausschlafen, ausruhen, aufräumen. Dann, sagte er unlängst, stehe er wieder als „interessierter Beobachter des Zeitgeschehens“ zur Verfügung.

CDU-Trio Spahn, Klöckner, Karliczek zurück auf Anfang – Maas (SPD) als fairer Verlierer

Das spannendste Gerücht rankt sich aber um Ex-CDU*-Chefin und Ex-Kanzlerinnen-Hoffnung AKK: Ihre Partei sucht derzeit nicht nur einen neuen Vorsitzenden, sondern auch einen Kandidaten für das Schloss Bellevue. AKK habe bewiesen, dass sie Brücken bauen könnte, sagte ihre Parteifreundin Serap Güler kürzlich der Rheinischen Post. „Sie verfügt über die Eigenschaft des Integrierens. Das sollte eine Bundespräsidentin mitbringen.“ Das war eine ziemlich unverblümte Empfehlung. Fragt sich nur, ob AKK es auf sich nehmen will, in eine von vorneherein verlorene Wahl zu ziehen.

Die Liste der Scheidenden ist noch länger: Jens Spahn*, Julia Klöckner und Anja Karliczek werden künftig einfache Abgeordnete sein. Das gilt auch für Heiko Maas. Er ist der einzige SPD-Minister, der im neuen Kabinett nicht auftaucht. Dafür gibt es mindestens zwei Gründe: Die Grüne* Annalena Baerbock* wollte sein Amt – aber Maas hatte als Außenminister zuletzt auch nur selten ein glückliches Händchen. Er trägt es mit Fassung. Zur Ministerwahl twitterte er am Montag (6. Dezember): „Olaf Scholz* hat eine großartige Wahl getroffen.“ (mmä) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare