Schrecklicher Unfall: Mann wird von U-Bahn mitgeschleift und stirbt

Schrecklicher Unfall: Mann wird von U-Bahn mitgeschleift und stirbt

Frau vor laufender Kamera hingerichtet

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Solche Bilder sollen durch weitere Investitionen in Infrastruktur vermieden werden.

Kabul - Afganische "Moralwächter" richten eine Frau hin und stellen dazu ein Video ins Netz. Die Staatengemeinschaft will das kriegsgebeutelte Land jetzt unterstützen.

“Gott ist groß“, ruft jemand auf Arabisch, dann eröffnet der Mann in dem afghanischen Dorf keine 100 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt auf offener Straße das Feuer. Neunmal schießt er auf die vor ihm kauernde Frau, der ein außereheliches Verhältnis vorgeworfen wird. Schon beim dritten Schuss fällt sie rückwärts um und bleibt reglos liegen. Umstehende Dorfbewohner jubeln. Das Video der Hinrichtung war am Sonntag auf YouTube zu sehen - während die Staatengemeinschaft bei einer Konferenz in Tokio Afghanistan weitere Milliardenhilfen zusagte und unter anderem auf die Wahrung der Frauenrechte am Hindukusch pochte.

Nach Angaben aus den Behörden erschossen Taliban-Kämpfer die 22-Jährige, um die Ehre eines ihres Anführers zu retten, mit dem sie eine Affäre gehabt haben soll. Die Taliban wiesen jede Verantwortung für die Tat zurück. Wer auch für den Mord verantwortlich ist, fest steht: Frauen in Afghanistan sind im elften Jahr des internationalen Engagements nur auf dem Papier gleichberechtigt. Das ist nicht das einzige Ziel der Staatengemeinschaft, das verfehlt wurde.

In Tokio sicherten die Geberländer Afghanistan nun weitere 16 Milliarden Dollar zivile Hilfe bis einschließlich 2015 zu, also über das Ende des Nato-Kampfeinsatzes hinaus. Auch bis 2017 soll die Unterstützung noch in etwa der der vergangenen Jahre entsprechen. Weniger wichtig als die Summe sei das Prinzip “Quid pro quo“ (etwas für etwas), heißt es in Delegationskreisen. Im Klartext: Die Hilfe wird gekoppelt daran, dass die Afghanen endlich liefern und ihre Versprechen erfüllen.

In dem am Sonntag verabschiedeten “Tokio-Rahmenkonzept“ verpflichtete sich die afghanische Regierung ein weiteres Mal dazu, Korruption und Drogen verstärkt zu bekämpfen, Reformen einzuleiten, freie Wahlen abzuhalten und vor allem endlich ordentliche Arbeit zu leisten - auf Diplomatendeutsch heißt das “gute Regierungsführung“. Fortschritte sollen regelmäßig überprüft werden.

“Wir werden Korruption mit großer Entschlossenheit bekämpfen“, sicherte der afghanische Präsident Hamid Karsai in Tokio zu. Allerdings verspricht Karsai das seit Jahren. Schon 2006 waren sich Internationale Gemeinschaft und Karsai-Regierung bei einer Konferenz in London einig, dass “eine kompromisslose Politik gegen Korruption in Behörden“ notwendig sei.

Als weiteres Ziel wurde in London abgesprochen, einen bedeutenden Rückgang beim Anbau und Handel von Drogen zu erreichen. Und eine der vielen anderen Vereinbarungen damals war, dass die Afghanen bis Ende 2009 ein Wählerverzeichnis erstellen - Voraussetzung für freie und faire Wahlen. Heute liegt Afghanistan beim Korruptionsindex von Transparency International auf Platz 180 von 182. Das Land ist der weltweit größte Drogenproduzent. Ein Wählerverzeichnis gibt es bis heute nicht, von transparenten Wahlen kann bislang keine Rede sein.

Das heißt nicht, dass in Afghanistan nichts erreicht wurde. Straßen, Schulen und Krankenhäuser wurden gebaut, Stromtrassen wurden gelegt. Millionen Jungen und Mädchen gehen zur Schule. Afghaninnen sind zwar weiterhin entgegen der Verfassung im Alltag nicht gleichberechtigt, doch ihre Lage ist deutlich besser als unter dem Ende 2001 gestürzten Taliban-Regime.

Auch die Sicherheitslage hat sich nach Einschätzung der Nato im Vergleich zum vergangenen Jahr verbessert - schlecht ist sie allerdings weiterhin. Bei Anschlägen und Gefechten wurden am Tag der Tokio-Konferenz mindestens 40 Menschen getötet, die Hälfte davon Aufständische. Schon ab Mitte nächsten Jahres sollen die afghanischen Sicherheitskräfte den Kampf gegen die Taliban anführen. Nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 - das wurde im Mai beim Nato-Gipfel in Chicago verabredet - werden die Truppensteller die afghanische Armee und Polizei mit jährlich 3,6 Milliarden Dollar unterstützen.

Hinzu kommt die nun in Tokio beschlossene zivile Hilfe. Ob die Staatengemeinschaft allerdings wirklich irgendwann den Geldhahn zudreht, sollten die Afghanen ihre Versprechen nicht erfüllen, ist fraglich. Nach etwa 3000 am Hindukusch gefallenen ausländischen Soldaten will keine Regierung im Westen, dass die Opfer umsonst waren. Das aber wäre die Folge, wenn Afghanistan mangels internationaler Unterstützung erneut in Chaos und Bürgerkrieg versänke. Wenn das Land also, wie es Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel ausdrückte, zu einem “zweiten Somalia“ werden würde.

dpa

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