Kassen: Kliniken rechnen falsch ab

Berlin - Die Krankenkassen erheben schwere Vorwürfe gegen die deutschen Kliniken: Auf Grund falscher Abrechnungen verlangten die Krankenhäuser jährlich bis zu eine Milliarde Euro zu viel.

Das kritisierte der GKV-Spitzenverband am Dienstag und forderte Sanktionen. Für Wirbel sorgt auch weiter der CDU-Vorschlag, flächendeckend in allen Kliniken Zwei-Bett-Zimmer anzubieten. Gesundheitsminister Philipp Rösler will die Idee nun zumindest mit den Ländern diskutieren. Allein könne er nicht entscheiden, sagte der FDP-Politiker. Den Vorschlag einer patientenfreundlicheren Unterbringung im Krankenhaus hatte der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn am Montag gemacht.

Während unter anderen die Bundesärztekammer positiv reagierte, zeigten sich die Kliniken wenig begeistert. Sie wandten ein, dass ein entsprechender Umbau sehr teuer würde. Am Dienstag mussten sich die Krankenhausbetreiber nun auch noch mit der Kritik der Krankenkassen auseinandersetzen. Diese hatten über ihren Medizinischen Dienst nach eigenen Angaben zwölf Prozent aller Klinikrechnungen systematisch prüfen lassen und in 43 Prozent der Fälle Fehler festgestellt. Auf dieser Grundlage rechneten die Kassen hoch und kamen auf einen “potenziellen Gesamtschaden“ von rund einer Milliarde Euro.

“Vorwurf ist falsch“

Als Fehler benannt werden unnötige oder zu lange Klinikaufenthalte sowie falsche Kodierungen im System der Fallpauschalen. Die Private Krankenversicherung kritisiert zudem, dass Kliniken Chefarztbehandlungen abrechnen, obwohl nur normale Stationsärzte tätig waren. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft wehrte sich jedoch. “Der Vorwurf, die Krankenhäuser würden Schäden in Milliardenhöhe verursachen, ist falsch“, erklärte Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Tatsächlich komme es “zu unterschiedlichen Auffassungen zwischen Krankenhausärzten und Kassen“, fügte er an. “Dies ist nicht mit Falschabrechnungen gleichzusetzen.“ Immerhin müssten die Kliniken aus 10.000 Diagnoseziffern und 20.000 Behandlungsziffern jeden behandelten Einzelfall darstellen. “Vor allem über die Dauer der Behandlungen kommt es zu unterschiedlichen Auffassungen“, erklärte Baum.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

23 Tote in Manchester: Das sind die ersten Reaktionen
23 Tote in Manchester: Das sind die ersten Reaktionen
AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
Impeachment-Verfahren: Steht die Amtsenthebung Trumps bevor?
Impeachment-Verfahren: Steht die Amtsenthebung Trumps bevor?
Anschlag in Manchester: Alle Todesopfer identifiziert, neue Durchsuchungen
Anschlag in Manchester: Alle Todesopfer identifiziert, neue Durchsuchungen

Kommentare