Minimalkompromiss im Streit über Klon-Fleisch

Luxemburg - Kompromiss über Klon-Fleisch: Die EU-Landwirtschaftsminister wollen ein Zulassungsverfahren für das Fleisch von Nachkommen geklonter Tiere einführen.

Obwohl solche Produkte bislang ganz ohne Kontrolle vermarktet werden konnten, sehen Kritiker in dem am Montag vereinbarten Vorhaben eine Legitimierung von Klon-Koteletts.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner betonte, sie sehe in dem auf die Prüfung möglicher Gesundheitsrisiken beschränkten Zulassungsverfahren nur eine Übergangslösung. “Ich sehe den Einsatz des Klonens in der Lebensmittelproduktion äußerst kritisch“, betonte die CSU -Politikerin.

Gemeinsam mit 23 ihrer 26 EU -Kollegen forderte sie die EU -Kommission auf, auf die ethischen Bedenken gegen die umstrittenen Fleischprodukte einzugehen. Großbritannien, Ungarn und Griechenland wollten diese Forderung indes nicht mittragen. Als Übergangslösung brauche man nun wenigstens ein “geregeltes Verfahren, wie diese Lebensmittel in den Markt kommen“, verteidigte Aigner das geplante Zulassungsverfahren.

Bislang war eine Genehmigung nur für das Fleisch geklonter Tiere erforderlich, nicht aber für ihre auf traditionellem Wege gezüchteten Nachkommen.

Behörde soll umstrittene Produkte prüfen

Klon-Fleisch im engeren Sinne, also von Tieren, die eine genetische Kopie eines Artgenossen sind, kommt in der Praxis ohnehin nicht auf den Tisch. Klonen zur Fleischproduktion ist wirtschaftlich unrentabel: “Ein geklontes Tier würde zur Zeit das 50-fache eines nicht geklonten Tieres kosten“, sagte Agrarstaatssekretär Gert Lindemann.

Lohnend kann dagegen das Klonen eines erfolgreichen Zuchtbullen sein. Dessen auf natürliche Art gezüchtete Nachkommen wurden bislang wie ganz normales Schlachtvieh behandelt. Künftig soll ihr Fleisch nach dem Willen der Landwirtschaftsminister erst verkauft werden dürfen, wenn dies von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit ( EFSA ) genehmigt wurde.

Rein wissenschaftliches Verfahren stößt auf Kritik

Die EFSA hat allerdings bereits im vergangenen Jahr erklärt, das Fleisch von geklonten Tieren und deren Nachkommen sei gesundheitlich unbedenklich. Mehrere EU-Abgeordnete kritisierten den von den Landwirtschaftsministern geschlossenen Kompromiss deswegen als reine Augenwischerei und kündigten Widerstand gegen das Zulassungsverfahren an. Es werde “Klon-Fleisch Tür und Tor öffnen“, warnte der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling.

Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch erklärte, entscheidend sei die Wahlfreiheit der Kunden. “Daher gilt: Es muss eine klare Kennzeichnung geben - wo Klon-Fleisch drin ist, muss auch Klon-Fleisch drauf stehen.“ 

3.000 Bauern fordern Hilfe von der EU Bauernpräsident

Gerd Sonnleitner kritisierte: “Wir brauchen kein Klonfleisch, sondern ein Rettungsprogramm für unsere Bauern.“ Sonnleitner war zu einer Protestkundgebung nach Luxemburg gereist, an der sich nach Polizeiangaben rund 3.000 Bauern mit mehr als 300 Traktoren beteiligten. Die überwiegend aus Deutschland , Frankreich und den Benelux-Staaten angereisten Demonstranten forderten eine Stützung der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse. 

ap

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