Seehofer wirft Guttenberg schlechten Stil vor

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Spaltet Karl-Theodor zu Guttenberg seine Partei in zwei Lager?

München - Karl-Theodor zu Guttenberg muss sich entscheiden, ob er 2013 wieder für den Bundestag kandidieren will. Doch viele CSU-ler halten wenig von einem Comeback, Seehofer weist ihn öffentlich in die Schranken.

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Eine Rückkehr Karl-Theodor zu Guttenbergs auf die politische Bühne würde derzeit nicht nur das Wahlvolk in zwei Lager spalten, sondern auch seine eigene Partei. Zwar hat die CSU im heimischen Oberfranken den Bundestagsstimmkreis Kulmbach-Lichtenfels faktisch für Guttenberg reserviert: Er hat noch ein halbes Jahr Zeit, sich zu erklären. Doch der rote Teppich für “KT“ würde an der oberfränkischen Bezirksgrenze enden. An der CSU-Basis im restlichen Bayern aber ist eine Wiederkehr Guttenbergs nach Angaben von CSU-Politikern derzeit kein Thema.

Guttenberg war vor neun Monaten wegen der Plagiatsaffäre zurückgetreten. Es hatte sich herausgestellt, dass er zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit von anderen Autoren übernommen hatte, ohne dies kenntlich zu machen.

“In Oberfranken gibt es eine tiefe Sehnsucht“, erklärt der Kulmbacher Landtagsabgeordnete Martin Schöffel. Der künftige Lichtenfelser Landrat Christian Meißner - einstiger Büronachbar Guttenbergs - sagt: “Wenn er wieder kommen mag, darf er. Und ich bin überzeugt, er würde auch gewählt.“ Die örtliche CSU hat verabredet, dass Guttenberg sich bis zum nächsten Frühsommer entscheiden soll. Seit Guttenbergs Ausscheiden aus dem Bundestag habe auch kein anderer aus der örtlichen CSU Interesse an dem verwaisten Bundestagssitz geäußert, berichtet Meißner.

Sollte Guttenberg von seinen oberfränkischen Parteifreunden wieder für den Bundestag nominiert werden, könnte Parteichef Horst Seehofer dagegen gar nichts machen, wie CSU-Politiker sagen. Die Gliederungen der CSU sind in der Kandidatenaufstellung autonom. Doch was aus einem Bundestagsrückkehrer Guttenberg werden könnte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ein sofortiger Spitzenposten jedenfalls wäre nicht in Sicht - eher die Hinterbank. Es sei nicht so, “dass hier jemand gerufen wird, als Kronprinz von oben einzusteigen“, sagt der frühere Parteichef Erwin Huber dem Sender N24.

Manche CSU-Schwergewichte sind beim Thema Guttenberg ziemlich wortkarg. “Ich sehe überhaupt keinen großen Anlass, darüber zu diskutieren“, sagt etwa Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. An der CSU-Basis in Mittelfranken sei Guttenberg in den vergangenen Wochen gar kein Thema gewesen - “weder negativ noch positiv“. Ähnlich äußert sich Umweltminister Marcel Huber: “Wir haben so viele andere Themen, dass über Guttenberg kaum diskutiert wird.“ Mehrere CSU-Landtagsabgeordnete sehen in Spekulationen über ein Guttenberg-Comeback einen medialen Hype.

Mehrere CSU-ler geben in unterschiedlichen Formulierungen zu bedenken, dass die “Abklingphase“ aus ihrer Sicht noch viel zu kurz sei. Seit Guttenbergs Rücktritt ist noch nicht einmal ein Jahr vergangen. “Er bringt sich selber ins Gespräch, aber das ist viel zu früh“, meint ein bayerisches Kabinettsmitglied.

Seehofer sendet in- und außerhalb der Partei unterschiedliche Botschaften aus. Öffentlich betonte er in den vergangenen Monaten mehrfach, Guttenberg gehöre zur CSU-Familie. Intern dagegen sagt Seehofer auch andere Dinge. So machte der Vorsitzende nach Angaben von Parteifreunden kein Geheimnis aus seiner Kritik an der Bundeswehr-Reform - von der rasanten Abschaffung der Wehrpflicht bis zu Guttenbergs freiwilligem Spareifer, der die bayerischen Standorte aus CSU-Sicht teuer zu stehen kam.

Viele Kronprinzen stehen bereit

"Die Parteienkritik von Guttenberg liegt völlig daneben“, sagte Seehofer am Donnerstag am Rande seiner Tschechien-Reise in Aussig (Ústí nad Labem). “Es ist kein guter Stil, wenn alles und jeder herabgesetzt wird, um selbst erhöht zu werden.“

Er bat Guttenberg auf die “Wortgirlanden zu beenden“ und Rücksicht zu nehmen auf die Tausenden, die sich in deutschen Parteien täglich engagierten für die Zukunft des Landes.

Manche CSU-Politiker glauben, dass Guttenberg in diesem Jahr ohnehin in Schwierigkeiten gekommen wäre - wenn er nämlich Bundeswehr-Reform, Rekrutenmangel und Kasernen-Schließungen in Bayern hätte selbst vertreten müssen.

Seehofer ist umringt von einem Kreis potenzieller Kronprinzen und Kronprinzessinnen, die sämtlich von Guttenberg überstrahlt wurden. Nach dessen Sturz räumten manche Thronfolger ein, sein Abgang betrübe weder Seehofer selbst noch die übrigen Interessenten übermäßig. Nun gilt umgekehrt: Ein Comeback Guttenbergs würde die restlichen Nachfolge-Kandidaten nicht übermäßig begeistern.

dpa

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