Unterkünfte, Verteilung, Helfer

Flüchtlingsansturm in München: Erste große Bilanz

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Auch am Dienstag kamen wieder Flüchtlinge auf dem Hauptbahnhof an und wurden wieder freundlich empfangen – mit Schokolade.

München - Der Ansturm von Flüchtlingen auf den Münchner Hauptbahnhof ist am Dienstag erstmals ein wenig zurückgegangen. Zeit für eine erste Bilanz:

Der Ansturm von Flüchtlingen auf den Münchner Hauptbahnhof ist am Dienstag erstmals ein wenig zurückgegangen. Zeit für eine erste Bilanz, für eine Analyse der Zusammenarbeit der Behörden in Deutschland und für einen Blick auf die Herausforderungen der Zukunft:

Die Lage in München: Am Dienstag hieß es durchschnaufen am Münchner Hauptbahnhof. Über den Vormittag sind 1340 Flüchtlinge in der Landeshauptstadt angekommen – verglichen mit den Vortagen eine recht niedrige Zahl. Am Montag erreichten insgesamt 4457 Menschen die Stadt.

Die Unterkünfte: In den Andockunterkünften hätten in der Nacht von Montag auf Dienstag 2750 Menschen übernachtet, Platz sei für maximal 4700 Menschen. In den Unterkünften bleiben die Flüchtlinge für eine Nacht, bevor sie dann weiter transportiert werden. Wegen des Ferienendes soll die Unterkunft im Luisengymnasium möglichst bald geschlossen werden. Auch deshalb hat KVR-Chef Blume-Beyerle gewarnt, dass es in München nicht mehr lange gut gehen könnte.

Busse verlassen mit 1250 Menschen an Bord München

Die Verteilung: Über’s Wochenende seien 20000 Asylbewerber angekommen, 8000 von ihnen würden jetzt im Freistaat beherbergt – deutlich mehr als Bayern nach dem Königssteiner Schlüssel aufnehmen müsste. Im Moment werden die Flüchtlinge auf Zuruf verteilt – abgerechnet werde später. Das bayerische Sozialministerium hat die bundesweite Koordination der Verteilung der Flüchtlinge übernommen. „Eine gewisse Hilfe des Bundes wäre hilfreich“, heißt es aus dem Sozialministerium. Per Sonderzug sind am Dienstag 450 Menschen nach Berlin und 400 nach Celle gebracht worden. Zusätzlich haben Busse mit 1250 Menschen an Bord München verlassen.

Ein zweites Drehkreuz: Eigentlich schien am Montag schon alles klar: Leipzig solle ein zweites Drehkreuz für ankommende Flüchtlinge in Deutschland werden. Doch jetzt wird plötzlich wieder darüber verhandelt. „München kann nicht auf Dauer alleinige nationale Drehscheibe sein“, warnt Hillenbrand. Besonders wichtig sei es, dass die anderen Städte in Deutschland künftig direkt von Österreich angefahren werden. Wie sehr das die Situation entspannt habe sich am Montag gezeigt: „Da sind zwei Sonderzüge von Salzburg nach Dortmund und ein Sonderzug von Salzburg nach Neumünster gefahren“, so Hillenbrand. Ohne diese Entlastung wären am Montag etwa 6000 Menschen in München angekommen.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die Herausforderungen der Zukunft: Die Unterbringung für den Übergang ist gesichert. Die größere Herausforderung kommt auf die Kommunen zu, wenn der Asylantrag genehmigt ist. „Dann geht es darum, Wohnraum für die Menschen zu schaffen, den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen und sie zu integrieren“, so Meier. Zur Zeit rettet sich die Stadt bei der Unterbringung mit leerstehenden Gewerbeimmobilien. Schwierigkeiten bei der Planung verursache der mögliche Familiennachzug. Gerade unter Syrer sei es üblich, dass ein Familienmitglied die teure und lebensgefährliche Reise nach Deutschland auf sich nehme. Wird der Asylantrag genehmigt, kann die Familie nachkommen. „Die Zahlen der ankommenden Syrer kann man also mal drei oder vier nehmen“, schätzt Hillenbrand.

Europäische Solidarität: Beim Bau neuer Unterkünfte sei auch die Pflicht zur europaweiten Ausschreibung ein Hemmschuh. „Es kann nicht sein, dass wir einen europaweiten Markt für Länder schützen, die selbst keine Flüchtlinge aufnehmen, dann aber hierzulande mit den Unterkünften für Asylbewerber Geld verdienen wollen“, schimpft Hillenbrand. Der Markt dürfe nicht vor Humanität gehen.

Der Ansturm der Helfer: Der Ansturm der Helfer hat alle Beteiligten überrascht. Tausende Anrufe und E-Mails seien bei der Stadt eingegangen von Münchnern, die ehrenamtlich helfen wollten. Jetzt wird die Helfer-Hotline bei der Stadt aufgestockt. Von der Hilfsbereitschaft überrannt wurde auch die Innere Mission und ihre Tochter Diakonia. Dort können „aktuell keine Kleider- und Sachspenden mehr angenommen werden, da das bisher eingegangene Gut erst sortiert werden muss.“ Kleiderspenden könnten erst wieder ab Oktober abgeben werden. „Ehrenamtliche, die sich bei der Kleidersortierung oder –ausgabe engagieren möchten, können sich gerne in die entsprechenden Kalender eintragen unter www.diakonia.de/fluechtlinge.“

Mk.

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