Nach Schlappe: Gaddafi-Gegner sammeln sich neu

Tripolis - Bei ihrem Vormarsch gegen die letzten Gaddafi-Stellungen holen sich die Aufständischen eine blutige Nase. Gaddafis Sprecher droht mit einem “monatelangen Krieg“. Vom ehemaligen Diktator fehlt noch immer jede Spur.

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Nach dem herben Scheitern ihrer Angriffe auf die letzten Gaddafi-Hochburgen haben sich die Truppen des libyschen Übergangsrats vor Sirte und Bani Walid neu gesammelt. Neue Attacken starteten sie am Samstag nicht. Beide Seiten lieferten sich lediglich sporadische Raketen-Duelle. Ein Sprecher des gestürzten Diktators Muammar al-Gaddafi drohte den Rebellen mit einem “langen Krieg“, der “Monate“ dauern könnte.

Am Vortag waren die Aufständischen bei ihrem Vormarsch auf Sirte und Bani Walid auf unerwartet heftigen Widerstand der Gaddafi-Getreuen gestoßen. Nachdem sie in die beiden Städte vorgedrungen waren, mussten sie sich unter Verlusten wieder zurückziehen. Die Küstenstadt Sirte, der Wüstenort Bani Walid und die südliche Stadt Sebha sind die letzten größeren Bastionen der Streitkräfte Gaddafis. Von dem ehemaligen Diktator selbst fehlt jede Spur.

Bei Sebha ergriffen die Truppen des Übergangsrates gleichfalls die Initiative. Sie umzingelten die Stadt und nahmen nach Kämpfen den nahe gelegenen Flughafen ein. Nach Angaben arabischer Nachrichtensender wurden an den drei Fronten insgesamt 13 Gaddafi-Gegner getötet und Dutzende weitere verletzt.

So luxuriös lebte der Gaddafi-Clan

Rebellen posieren im Eingangsbereich der Villa von Gaddafis Tochter Aisha auf einer goldenen Meerjungfrauen-Couch für ein Foto. © dpa/ap
Das Archivbild aus dem Jahr 2005 zeigt Gaddafis Tochter Aisha kurz vor einer Rede. © dpa/ap
Der Eingangsbereich ihres Hauses aus der Vogelperspektive © dpa/ap
Die Villa verfügt außerdem über einen riesigen Swimmingpool © dpa/ap
Auch eine kleine Bibliothek gehört zu dem Anwesen © dpa/ap
Rebellen machen sich an den Kleidern zu schaffen, die sie im Haus von Aisha Gaddafi gefunden haben © dpa/ap
Ein holzvertäfelter Raum mit Kleidern und anderen persönlichen Gegenständen wird von den Rebellen auf den Kopf gestellt © dpa/ap
Auch persönliche Fotos von Gaddafi-Tochter Aisha sind vor den Rebellen nicht sicher © dpa/ap
Ein Zimmer im Haus von Gaddafis Sohn Saif al-Islam © dpa/ap
Von vielen Zimmern der Villa hat man einen wunderschönen Panoramablick auf das Meer und den Strand © dpa/ap
Eine luxeriöse Whirlpool-Badewanne rundet die Einrichtung im Haus von Gaddafis Sohn Saif al-Islam ab © dpa/ap
In einem der Zimmer haben die Rebellen die Verpackung einer Magnum-Flasche treuen Champangners gefunden. © dpa/ap
Ein Kinderzimmer im Anwesen von Saif al-Islam, einem der Söhne von Gaddafi © dpa/ap
Auf einer Art Veranda der Villa befindet sich ein Jacuzzi © dpa/ap
Ein anderer Sohn des ehemaligen Diktators, Al-Saadi Gaddafi, hat Zellen in sein Haus einbauen lassen © dpa/ap
Auch er besaß eine Villa am Strand © dpa/ap
Rebellen haben sich auf der weitläufigen Terrasse des Anwesens von Moammar Gaddafi positioniert © dpa/ap
Rebellen haben sich auf der weitläufigen Terrasse des Anwesens von Gaddafi positioniert © dpa/ap
Eine Außenaufnahme der Villa von Gaddafi © dpa/ap
Ein großzügiger Raum in der Villa von Gaddafi-Sohn Al-Saadi © dpa/ap
Ein großzügiger Raum mit Meerblick in der Villa von Gaddafi-Sohn Al-Saadi © dpa/ap
Der Sohn des bisherigen libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi, Al Saadi, mochte schnelle Wagen, Yachten und Fussball. Seine Anwesen am Strand zeugte von seinen teuren Hobbys. © dpa/ap
Das Bild zeigt Safiya, die Frau von Gaddafi © dpa/ap
Das Archivfoto aus dem Jahr 2008 zeigt den ehemeligen Diktator Gaddafi © dpa/ap

Der Gaddafi-Sprecher Mussa Ibrahim behauptete am Samstag, der frühere Despot leite persönlich den “Abwehrkampf“ gegen die Rebellen. Die libysche Übergangsregierung rätselt unterdessen nach Angaben eines Militärsprechers immer noch über den Aufenthaltsort von Exmachthaber Muammar al Gaddafi vor. Jeder, der wisse, wo sich Gaddafi aufhalte, würde diesen für das von den früheren Rebellen ausgesetzte Kopfgeld von knapp zwei Millionen Dollar ausliefern, sagte der Sprecher, Oberst Ahmed Omar Bani, am Samstag. Gaddafi-Sprecher Ibrahim hetzte in seiner Ansprache weiter: “Die Schlacht ist noch lange nicht vorbei“, sagte er im syrischen Fernsehsender Al-Rai. “Wir haben Waffen und Ausrüstung für einen langen Krieg vorbereitet.“ Die Nato bezichtigte er, in der Nacht zuvor bei einem Luftangriff auf ein Wohnviertel in Sirte 354 Zivilisten getötet zu haben.

Das nordatlantische Bündnis trat diesen Vorwürfen entgegen. Kampfjets des Bündnisses hätten eindeutig militärische Ziele bombardiert. Ein Militärsprecher kündigte jedoch eine genaue Prüfung an. Man werde “eine eingehende Schadensanalyse vornehmen“, hieß es am Samstag in einer Erklärung des Nato-Militärsprechers Oberst Roland Lavoie.

Die in Libyen eingelagerten chemischen Waffen seien unter Kontrolle der Aufständischen, berichtete der “Tagesspiegel“ (Sonntag) unter Berufung auf internationale Sicherheitskreise. Die Senfgas-Bestände seien in der Chemieanlage Ruwagha 600 Kilometer südöstlich der Hauptstadt gelagert. Die Nato überwache den Komplex aus der Luft. Das Gaddafi-Regime, das 2004 der internationalen Chemiewaffenkonvention beigetreten war, meldete damals einen Bestand von 23 Tonnen.

Die Vereinten Nationen haben den Übergangsrat der Gaddafi-Gegner als neue legitime Vertretung des Landes anerkannt. Den bisher dem Gaddafi-Regime vorbehaltenen Sitz sprach die Vollversammlung der 193 UN-Mitglieder in New York den neuen Machthabern zu. Der UN-Sicherheitsrat lockerte die Sanktionen gegen Libyen und billigte die Entsendung einer UN-Mission.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle begrüßte die Entscheidung als Startschuss für den Wiederaufbau des nordafrikanischen Landes. “Der Sicherheitsrat hat mit der einstimmigen Annahme von Resolution 2009 ein wichtiges Zeichen der Unterstützung des neuen Libyen durch die internationale Staatengemeinschaft gesetzt“, sagte Westerwelle laut Mitteilung des Auswärtigen Amtes am Samstag. Mit der Entsendung einer zivilen Mission würden die Vereinten Nationen “eine Schlüsselrolle auf dem Weg zu einem demokratischen und rechtsstaatlichen Libyen übernehmen“.

Die teilweise Aufhebung der Sanktionen betrifft die staatlichen Ölunternehmen und die großen Banken des Landes. Auch das strikte Waffenembargo wurde gelockert. Die United Nations Support Mission in Libya (UNSMIL) soll zunächst für drei Monate zum Einsatz kommen. Sie soll den Libyern bei der Stabilisierung der Lage nach dem Umsturz und beim Aufbau des Rechtsstaats helfen sowie auf die Einhaltung der Menschenrechte achten.

dpa/dapd

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