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Ukraine-Krieg: Russland soll Teile von Mariupol erobert haben - Scholz und Macron telefonieren mit Putin

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Von: Yasina Hipp, Cindy Boden

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Macron und Scholz haben Putin zum Waffenstillstand aufgefordert. Unterdessen gehen die Kämpfe um Mariupol weiter. Die News-Lage im Ukraine-Krieg am Samstagabend.

Update vom 12. März, 19.06 Uhr: Viele Städte und Dörfer im Süden und Westen der Ukraine standen am Samstag unter Beschuss. In der eingeschlossenen Stadt Mariupol sind inzwischen Menschen wegen Mangel an Medikamenten ums Leben gekommen, wie die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ mitteilte. Angegriffen wurden zudem Städte im Süden, die auf dem direkten Landweg zwischen Russland und der Metropole Odessa liegen. Außerdem wird über Kämpfe aus Kiew berichtet.

Ein Sprecher der russischen Armee sagte, dass alleine am Samstag 79 militärische Einrichtungen der Ukraine von Russland zerstört worden seien, dazu seien Angriffe auf Munitionslager, einen Hubschrauber und drei Drohnen erfolgt.

Ukraine-Krieg aktuell: Putin und Selenskyj sprechen von diplomatischen Annäherungen

Trotz der andauernden Kämpfe und der katastrophalen humanitären Situation in einigen Städten, sprechen die beiden Präsidenten zuletzt von diplomatischen Annäherungen. Putin hatte am Freitag von „gewissen positiven Veränderungen“ berichtet, über die ihn seine Unterhändler informierten. Am Samstag sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskyi in einer Pressekonferenz, dass die russischen Vertreter inzwischen bereit seien, zu reden, und nicht mehr nur „Ultimaten“ stellten.

Ukraine-Krieg aktuell: Lage in Mariupol verschlechtert sich weiter dramatisch - Stadtteile von Mariupol erobert

Update vom 12. März, 16.39 Uhr: Nach Angaben aus Kiew haben russische Truppen und prorussische Separatisten in der eingeschlossenen ukrainischen Hafenstadt Mariupol östlich gelegene Randbezirke erobert. Das russische Verteidigungsministerium hatte bereits zuvor die Einnahme mehrerer Stadtteile gemeldet. Die humanitäre Lage in der 400.000-Einwohner-Stadt spitzt sich dramatisch zu. Es gibt Berichte über Hunderte getöteter Zivilisten, darunter zahlreiche Kinder.

Anastasia Erashova sitzt weinend auf dem Boden im Flur eines Krankenhauses in Mariupol, und umarmt eines ihrer Kinder.
Mariupol: Anastasia Erashova sitzt weinend auf dem Boden im Flur eines Krankenhauses in Mariupol, und umarmt eines ihrer Kinder. Zwei ihrer drei Kinder wurden während des Beschusses der Stadt getötet. © Evgeniy Maloletka/AP/dpa evgeniy maloletka.jpg

Auch die umkämpfte Kleinstadt Isjum im Gebiet Charkiw an der Grenze zum Donezker Gebiet soll laut ukrainischen Angaben bereits etwa zur Hälfte unter russischer Kontrolle stehen. Der Feind habe sich im nördlichen Teil der Stadt verschanzt. Das ließ sich laut dpa nicht überprüfen. Eine Offensive soll ebenso rund um die eroberte Stadt Wolnowacha im Donbass gestartet werden, wie Kiew vermutet. Harte Kämpfe habe es zudem um die Ortschaft Rubischne im Luhansker Gebiet in der Ostukraine gegeben.

Ukraine-Krieg aktuell: Russland berichtet von Tausenden Freiwilligen, die sich den Seperatisten anschließen wollen

Update vom 12. März 15.57 Uhr: Möglicherweise könnten sich schon bald „Freiwillige“ aus dem Nahen Osten den prorussischen Separatisten im Angriffskrieg auf die Ukraine anschließen. So stellt es zumindest der Separatistenführer Denis Puschilin in Donezk, im russischen Staatsfernsehen dar. Puschilin sagt: „Ich schließe nicht aus, dass sie in naher Zukunft mit uns sein werden in den Schützengräben Seite an Seite mit unseren Einheiten bei der Befreiung der Volksrepubliken Donezk und Luhansk.“ Er behauptet weiterhin, dass Tausende dazu bereit wären „zu uns zu kommen“.

Laut Angaben des russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu hätten sich bereits 16.000 Menschen dafür gemeldet. Russlands Präsident Putin hatte sich angesichts angeblich so hoher Zahlen für eine Unterstützung der prorussischen Separatisten ausgesprochen.

Ukraine-Krieg: Scholz und Macron appellieren in gemeinsam Gespräch an Putin

Update vom 12. März, 15.31 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der französische Präsident Emmanuel Macron haben in einem gemeinsam Gespräch mit Russlands Staatschef Wladimir Putin einen sofortigen Waffenstillstand in der Ukraine gefordert. In dem 75-minütigen Telefonat hätten Scholz und Macron auf einen Einstieg in eine diplomatische Lösung des Konflikts gepocht. Über weitere Inhalte des Telefonats sei Stillschweigen vereinbart worden, teilt Regierungssprecher Steffen Hebestreit mit.

Ukraine-Krieg: Der ukrainische Präsident Selenskyj spricht von „größtem Schlag“ für russische Armee

Update vom 12. März, 15.01 Uhr: Nach Ansicht des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hätten die russischen Streitkräfte seit Beginn des Angriffs auf die Ukraine „kolossale“ Verluste erlitten. In einem Video auf dem Messengerdienst Telegram sagt Selenskyj: „Dies ist der größte Schlag für die russische Armee seit Jahrzehnte.“ Der Präsident betont: „Unsere Streitkräfte tun alles, um dem Feind jede Lust an einer Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine zu nehmen.“

Bisher seien, nach ukrainischen Angaben, mehr als 360 russische Panzer sowie mehr als 1200 gepanzerte Fahrzeuge, etwa 60 Kampfflugzeuge und 80 Hubschrauber zerstört worden. Die russische Armee habe mehr als 12.000 Soldaten verloren. Über die russischen Soldaten sagt Selenskyj: „Russische Soldaten ergeben sich nicht nur einzeln, sondern in Gruppen. Ganze Gruppen versuchen, von der Ukraine aus, nach Hause, nach Russland zu gelangen“. Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg meint der Präsident: „Das ist unser Krieg. Das ist der Krieg für unsere Unabhängigkeit.“

Ukraine-Krieg: Knapp 123.000 Menschen aus der Ukraine nach Deutschland geflohen

Update 12. März, 14.26 Uhr: In Deutschland sind 17 Tage nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 122.837 Menschen aus der Ukraine angekommen. Diese Zahl teilt das Bundesinnenministerium mit und beruft sich dabei auf Informationen der Bundespolizei. Da es aber keine festen Grenzkontrollen gebe, könne die Zahl der geflüchteten Menschen auch wesentlich höher sein, so ein Sprecher.

Insgesamt haben UN-Angaben zufolge bereits mehr als 2,5 Millionen Menschen ihre Heimat in der Ukraine verlassen und sind ins Ausland geflohen.

Ukraine-Krieg: Mehr als 500 Zivilisten bereits gestorben

Das UN-Hochkommissariat dokumentiert derweil den Tod von 579 Zivilpersonen im Krieg in der Ukraine. Darunter auch 42 Kinder und Jugendliche. Zudem liegen der Behörde verifizierte Informationen über 1002 Verletzte vor. „Die meisten Opfer unter der Zivilbevölkerung wurden durch den Einsatz von Explosivwaffen mit großer Reichweite verursacht, darunter durch den Beschuss mit schwerer Artillerie und mit Raketenwerfern sowie durch Raketen- und Luftangriffe“, teilt das Büro von Michelle Bachelet, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, mit. Gleichzeitig wird betont, dass die Zahlen höchstwahrscheinlich deutlich höher liegen würden, die Überprüfung der Opferzahlen vor Ort aber sehr schwierig sei und mehrere Tage in Anspruch nehme.

Ukraine-Krieg: Dörfer in Ostukraine sind hart umkämpft

Update vom 12. März, 13.52 Uhr: Offenbar haben Truppen der pro-russischen Separatisten Teile der ukrainischen Hafenstadt Mariupol erobert. Dabei handele es sich um östlich gelegene Randbezirke der 400.000 Einwohner Stadt, wie das ukrainische Militär mitteilt. Das russische Verteidigungsministerium hat zuvor schon die Einnahme mehrerer Stadtteile vermeldet. Die humanitäre Lage in Mariupol ist prekär.

Bereits zur Hälfte unter Kontrolle russischer Truppen soll, nach Angaben ukrainischer Behörden, die umkämpfte Kleinstadt Isjum rund 120 Kilometer südöstlich von Charkiw an der Grenze zum Donezker Gebiet sein. Russische Truppen hätten sich im nördlichen Teil der Stadt verschanzt. Diese Angaben lassen sich nicht überprüfen.

Harte Kämpfe habe es außerdem rund um die Ortschaft Rubischne in der Ostukraine gegeben. Rund um die eroberte Stadt Wolnowacha einige Kilometer nördlich von Mariupol versuchten die russischen Truppen laut Kiewer Angaben, eine Offensive zu starten.

Ukraine-Krieg: Russland droht mit Angriffen auf westliche Waffenlieferungen

Update vom 12. März, 12.50 Uhr: Russlands stellvertretender Außenminister Sergej Rjabkow droht Konvois westlicher Waffenlieferungen anzugreifen. Im russischen Staatsfernsehen warnt Rjabkow vor allem die USA, dass das „orchestrierte Hereinpumpen von Waffen durch eine Reihe von Staaten nicht nur ein gefährlicher Schritt ist, sondern diese Konvois auch zu legitimen Zielen“ für Angriffe russischer Truppen mache.

Ukraine-Krieg: Westukrainische Städte unter Beschuss - auch Militärflughäfen

Update vom 12. März, 12.36 Uhr: Mit Luzk und Iwano-Frankiwsk sind, nach ukrainischen Angaben, nun auch zwei Städte im Westen der Ukraine Ziele der Luftangriffe der russischen Truppen geworden. Mindestens sechs Langstreckenbomber hätten Luft-Boden-Raketen eingesetzt. Das russische Militär hatte den Beschuss der beiden Städte bereits am Freitag gemeldet. In Luzk sei Medienberichten zufolge eine Fabrik Reparatur von Triebwerken von Kampfflugzeugen getroffen worden.

In der Nacht seien in Wassylkiw, wenige Kilometer südlich von der Hauptstadt Kiew, bei einem Angriff auf einen Militärflughafen auch ein Munitionsdepot und ein Treibstofflager getroffen worden. Dies berichten ukrainischen Behörden, die russische Seite hat den Angriff bestätigt. Dabei sei das Flugfeld mit Raketen komplett zerstört worden sein. Nahe der der zentralukrainischen Stadt Kropywnyzkyj wurde auch der Militärflugplatz Kanatowo angegriffen.

Ukraine-Krieg: In Mykolajiw wurde ein Krebszentrum und eine Augenklinik beschossen

Update vom 12, März, 11.45 Uhr: Bei Angriffen auf die Hafenstadt Mykolajiw im Süden der Ukraine haben russische Truppen auch Krankenhäuser beschossen, berichtet eine Reporterin von AFP. Mykolajiw befindet sich rund 135 Kilometer östlich von Odessa. In der Nacht sei die Stadt ununterbrochen beschossen worden.

In einem neu renoviertes Krebszentrum, in dem sich Patienten tagsüber einer Chemotherapie unterziehen, seien Fenster zu Bruch gegangen und an den Türen seien Einschusslöcher zu sehen. Dmytro Lagotschew, Leiter des Krankenhauses, betont, dass es in der Gegend nur zivile Ziele gebe: „Hier gibt es ein Krankenhaus, ein Waisenhaus, eine Augenklinik.“ In dem Krebszentrum hätten sich zum Zeitpunkt der Angriffe keine Personen befunden. Anders in der Augenklinik: „Wir haben die ganze Nacht im Keller verbracht, alle haben gezittert, die Patienten hatten Angst“, berichtet Klinikleiterin Kasimira Rilkowa.

Ukraine-Krieg: 1,6 Millionen aus der Ukraine in das Nachbarland Polen geflohen

Update vom 12. März, 10.34 Uhr: Nach Angaben des polnischen Grenzschutzes haben sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine fast 1,6 Millionen Menschen in Polen in Sicherheit gebracht. Seit Mitternacht seien weitere 17.700 Menschen aus dem Nachbarland eingetroffen, berichtet die Behörde im Kurznachrichtendienst Twitter. Am Vortag sei die Zahl der Einreisenden um 12,5 Prozent gefallen, heißt es.

Ukraine-Krieg: Moschee mit 80 Zivilisten angegriffen

In der belagerten Hafenstadt Mariupol wurde dem ukrainischen Außenministerium zufolge eine Moschee angegriffen. Die Moschee sei von „russischen Invasoren bombardiert“, wie die Behörde auf Twitter schreibt. In dem Gebäude hätte sich bei dem Angriff durch die russischen Truppen 80 Zivilisten befunden, darunter Erwachsene, Kinder und auch türkische Staatsbürger.

Update vom 12. März, 09.43 Uhr: Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums setze das Militär seinen Angriff auf die Ukraine weiter in „breiter Front“ fort. Igor Konaschenkow, russischer Ministeriumssprecher, teilt mit, dass eine Luftwaffenbasis in Wassylkiw und das nachrichtendienstliche Aufklärungszentrum der ukrainischen Streitkräfte in Browary außer Gefecht gesetzt worden seien. Beide Städte befinden sich nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew.

Außerdem sollen zahlreiche Ortschaften im Osten der Ukraine eingenommen worden sein. Sowohl die russischen Truppen als auch die Separatisten aus Luhansk und Donezk sollen einige Kilometer weiter vorgedrungen sein. Überprüfbar sind die russischen Militärangaben nicht.

Erneuter Versuch für einen Korridor nach Mariupol

Derweil sind weiterhin Fluchtkorridore zur Rettung von Zivilisten geplant. Aus Saporischschja habe sich erneut ein Konvoi mit Hilfsgütern und Bussen auf den Weg in die belagerte Hafenstadt Mariupol gemacht, so die ukrainische Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk. Das ist der fünfte Versuch zur Einrichtung eines Korridors zur Hilfe der Menschen in Mariupol. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld am bisherigen Scheitern. Laut Wereschtschuk gebe es auch Korridore für mehrere Orte nordwestlich der Hauptstadt Kiew.

Roskosmos warnt vor Absturz der Raumstation ISS und droht dem Westen

Update vom 12. März, 09.10 Uhr: Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos warnt vor einem Absturz der Internationalen Raumstation ISS über westlichen Ländern als Folge der verhängten Sanktionen. Der Chef der Behörde, Dmitri Rogosin, erklärt auf dem Messengerdienst Telegram, dass die gegen Russland verhängten Sanktionen des Westens den Betrieb der russischen Raumschiffe, die die ISS versorgen, beeinträchtigen würden. Hauptsächlich davon betroffen, laut Rogosin: Der russische Teil der Station, der für Kurskorrekturen zuständig sei. Bei weiteren Problemen könne die 500 Tonnen schwere ISS abstürzen und „ins Meer oder auf Land fallen“.

Rogosin veröffentlicht außerdem eine Weltkarte, die zeigen soll, wo die Raumstation demnach abstürzen könnte. Russland wäre von dem Absturz nicht betroffen. Aber Rogosin warnt, dass andere Länder, insbesondere die westlichen „über den Preis der Sanktionen gegen Roskosmos nachdenken“ sollten.

Hauptstadt Kiew unter „Belagerungszustand“

Update vom 12. März, 08.20 Uhr: Die Lage in der ukrainischen Hauptstadt Kiew bleibt weiter angespannt. Russische Truppen kreisen die Stadt immer weiter ein, am Morgen warnen Sirenen vor Luftangriffen, wie ukrainische Medien berichten. Mychailo Podoljak, Berater von Präsident Selenskyj, spricht von einem „Belagerungszustand“, in dem sich Kiew mittlerweile befinde. Die Stadt sei aber laut Podoljak „bereit zu kämpfen“ und werde „standhaft bis zum Ende sein“.

Vorstädte im Nordwesten Kiews stehen seit einigen Tagen im Fokus russischer Luftangriffe. Nun warnt der ukrainische Generalstab davor, dass die russische Armee versuche, die Verteidigung westlich und nordwestlich der Hauptstadt auszuschalten. Damit würden sie Kiew „blockieren“ wollen. Weitere Truppen nähern sich der Stadt auch Nordosten. Heftige Kämpfe gebe es, ukrainischen Soldaten zufolge, auch um die Kontrolle der wichtigsten nach Kiew führenden Autobahn, berichteten AFP-Reportern.

In der Nacht stehen mehrere Städte unter Beschuss

Update vom 12. März, 06.09 Uhr: Auch in der Nacht zum Samstag gab es keine Entspannung der Lage in der Ukraine. Mehrere Städte haben erneut Kämpfe und Beschuss gemeldet. „Mistkerle, sie lassen uns nicht schlafen“, schrieb der Gouverneur des südukrainischen Gebiets Mykolajiw, Witalij Kim, in der Nacht zu Samstag auf Telegram. Wenige Stunden zuvor hatte er einem ukrainischen TV-Sender gesagt, in der Stadt Mykolajiw sei mindestens eine Person verletzt und mehrere Wohnhäuser und Autos beschädigt worden. Auch zwei Feuer seien in der Stadt aufgrund Raketenbeschusses ausgebrochen. Einem lokalen Beamten zufolge soll zudem die Krebsklinik der Stadt beschädigt worden sein.

In der Hauptstadt Kiew wurde in der Nacht zu Samstag mindestens dreimal Flugalarm ausgelöst. Laut CNN war in der Stadt aus der Ferne am Samstagmorgen „minutenlanger“ Beschuss zu hören.

Auch für das Wochenende Fluchtkorridore geplant

Die Evakuierung von Menschen aus belagerten und umkämpften Städten in der Ukraine soll auch am Samstag weitergehen. Für das Gebiet Sumy im Nordosten des Landes seien sechs Fluchtkorridore geplant, teilte der Chef der Gebietsverwaltung von Sumy, Dmytro Schywyzkyj, in der Nacht zu Samstag auf Telegram mit. Demnach sollen Zivilisten aus den Städten Sumy, Trostjanets, Lebedin, Konotop, Krasnopillja und Velika Pysarivka in die zentralukrainische Stadt Poltawa gebracht werden.

Insgesamt laufen die Evakuierungen schleppend. Hunderttausende Ukrainerinnen und Ukrainer sitzen in von russischen Truppen eingekesselten oder umkämpften Städten fest. Kiew und Moskau werfen einander Verletzungen der für die Fluchtkorridore notwendigen Feuerpausen vor.

Das Töten in der Ukraine geht weiter: Bombardements in der Nacht - Bürgermeister entführt

Update vom 11. März, 21.30 Uhr: Die Stadt Mykolajiw zwischen Odessa und Cherson soll Berichten nach aktuell bombardiert werde. Offenbar haben die Russen insgesamt ihre Strategie weg von Bodentruppen-Attacken hin zu Luftangriffen geändert. In der von russischen Truppen besetzten Stadt Melitopol in der Südukraine soll nach ukrainischen Angaben der Bürgermeister Iwan Fedorow entführt worden sein. In der belagerten südostukrainischen Hafenstadt Mariupol ist die Zahl der getöteten Zivilisten ukrainischen Angaben zufolge auf 1582 gestiegen.

Update vom 11. März, 20.30 Uhr: In der belagerten südostukrainischen Hafenstadt Mariupol ist die Zahl der getöteten Zivilisten ukrainischen Angaben zufolge auf 1582 gestiegen. Die humanitäre Lage in Mariupol sei katastrophal, hieß es weiter in einer Mitteilung des Stadtrats vom Freitagabend im Nachrichtenkanal Telegram. Mehrere Versuche, Menschen zu evakuieren, sind in den vergangenen Tagen gescheitert.

Ukraine-Krieg: Putin stellt seinen eigenen Geheimdienstchef unter Hausarrest

Update, 11. März, 19.33 Uhr: Offenbar ist der russische Staatschef Wladimir Putin mit dem Verlauf des Ukraine-Krieges unzufrieden – und hat personelle Konsequenzen gezogen. So twitterte der russische Investigativjournalist Andrei Soldatov: „Putin scheint wirklich unzufrieden mit dem FSB in der Ukraine zu sein: Er griff den 5 Service SOiMS (den Auslandsgeheimdienst des FSB) an. Sergei Beseda, Leiter des Dienstes, und sein Stellvertreter Bolukh, Leiter des DOI, wurden laut meinen Quellen im Haus unter Hausarrest gestellt.“

Ein verlassener russischer Militärzug nahe Kiew. Putin kann mit seinem Ukraine-Krieg nicht unbedingt zufrieden sein. Nun hat er offenbar seinen Geheimdienstchef unter Hausarrest gestellt.
Ein verlassener russischer Militärzug nahe Kiew. Putin kann mit seinem Ukraine-Krieg nicht unbedingt zufrieden sein. Nun hat er offenbar seinen Geheimdienstchef unter Hausarrest gestellt. © AFP/Sergey Bobok/Mikhail Klimentyev

Angst vor Biowaffen-Einsatz in der Ukraine - Russland arbeitet möglicherweise an Vorwand

Update vom 11. März, 18.23 Uhr: Die USA fürchten, dass Putin Chemie- oder Biowaffen in der Ukraine einsetzen wird. Grund ist die jüngste Sitzung des UN-Sicherheitsrats - erstmals einberufen von Russland. Dabei warfen die Russen den USA vor, die Amerikaner würden geheime Biowaffen-Labors in der Ukraine finanzieren. Die Angst ist groß, dass die Russen diese Behauptung nutzen, um ihrerseits einen Vorwand zu haben, Bio- oder Chemiewaffen gegen die ukrainische Bevölkerung einzusetzen.

„Die Ukraine hat kein Biowaffenprogramm. Es gibt keine ukrainischen Labors für biologische Waffen, die von den Vereinigten Staaten unterstützt werden“, sagte die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield am Freitag bei jener Dringlichkeitssitzung in New York heute. Internationale Faktenchecker haben entsprechende Behauptungen teilweise entkräftet. Auch die UN sagten, sie wüssten nichts über angeblich in der Ukraine produzierte Massenvernichtungswaffen.

Ukraine: Steigt Belarus in den Krieg ein? Sturm soll schon heute Abend „vor 21 Uhr“ starten

Währenddessen mehren sich die Anzeichen, dass Belarus ebenfalls mit eigenen Truppen in die Ukraine einmarschieren könnte - und zwar schon heute Abend. „Nach Angaben ukrainischer Militär- und Regierungsbeamter bereitet sich Belarus darauf vor, am 11. März vor 21.00 Uhr in die Ukraine einzumarschieren“, twitterte die ehemalige Sprecherin des ukrainischen Präsidenten Selenskyi, Iuliia Mendel, am Freitag.

Update vom 11. März, 16.57 Uhr: Der ukrainische Präsident Selensky äußerte sich erneut in einer Videobotschaft aus Kiew, wie CNN berichtet. Er sagte, dass zwölf neue Evakuierungskorridore aus den Städten Enerhodar, Volnovakha, Polohy, Bucha, Hostomel, Borodyanka, Andriivka, Mykulychi Makariv, Kozarovychi und Mariupol organisiert worden seien, Hilfslieferungen in die Städte seien unterwegs. „Wenn Russland es wagt, die Waffenruhe zu stören, wird es eine internationale Antwort erhalten“, sagte Selensky.

Ukraine-Konflikt aktuell: Putins Armee greift am Freitag erstmals Städte im Westen der Ukraine an

Update vom 11. März, 14.56 Uhr: Am Freitagmorgen sind zum ersten Mal Ziele im Westen der Ukraine, bis knapp 100 Kilometer zur polnischen Grenze, angegriffen worden. Nach Angaben des ukrainischen Militärs wurden bei Luftangriffen auf den Militärflughafen von Luzk im Nordwesten des Landes zwei ukrainische Soldaten getötet und sechs weitere verletzt. Außerdem sei auch der Militärflughafen Iwano-Frankiwsk im äußersten Westen attackiert worden.

In der Zentralukraine wurde am Freitagmorgen mindestens ein Zivilist getötet. Bei Attacken auf die Industriestadt Dnipro wurde nach Angaben der Rettungskräfte auch weitere zivile Einrichtungen beschädigt. „Es gab drei Luftangriffe in der Stadt, die einen Kindergarten, ein Apartmenthaus und eine zweistöckige Schuhfabrik trafen“, erklärten die Rettungskräfte. „Eine Person kam ums Leben.“

Unterdessen könnte sich die Lage um die Hauptstadt Kiew weiter zuspitzen. Wladimir Klitschko, der Bruder des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko, erwartet „jeden Moment“ einen Angriff auf die Hauptstadt Kiew. Er forderte die westlichen Verbündeten auf, schnelle Unterstützung zu liefern. „Es geht nicht um Wochen und Monate, sondern um Stunden und Tage. Wir brauchen finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung“, sagte er gegenüber CNN. „Ich weiß nicht, wie lange wir durchhalten werden, aber wir werden durchhalten, so lange es möglich ist.“ Vor einem Angriff auf Kiew warnt auch ein deutscher Militärexperte*.

Ukraine-Krieg: Bürgermeister von Mariupol - „Stadt existiert eigentlich nicht mehr“

Update vom 11. März, 14.13 Uhr: Immer noch ist die ostukrainische Hafenstadt Mariupol ein Zentrum des Kriegs in der Ukraine. Der Vize-Bürgermeister berichtete am Freitag in der ARD von verheerenden Zerstörungen, und dass über 200.000 Menschen darauf warten, ihre Stadt verlassen zu können.

„Ich weiß nicht, wie ich die Zerstörungen in unserer Stadt beschreiben soll. Die Stadt existiert eigentlich nicht mehr. Die Bilder von Grosny und von Aleppo - so sieht Mariupol im Augenblick aus“, sagte der Vize-Bürgermeister Serhij Orlow am Freitag in der ARD. Die ukrainische Armee sei „sehr tapfer“, aber gegen die Luftangriffe der russischen Armee hätten die Soldaten keine Waffen, um das Leben der Zivilisten zu schützen.

Doch die Stadt sei unter ständigem Beschuss durch die russische Armee, es gebe keine Fluchtmöglichkeiten. „Außerdem haben sie die Stadt von allen Richtungen abgeschnitten“, sagte Orlow Weiterhin würden keine humanitären Lastwagen in die Stadt gelassen.

Ukraine-Krieg: UN und WHO sprechen von Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen

Erstmeldung vom 11. März, 13.59 Uhr: Kiew/Moskau - Noch ist kein Waffenstillstand im Ukraine-Krieg in Sicht. Menschen sterben, Menschen fliehen. Hinzu kommt: Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte hat in der Ukraine zahlreiche russische Angriffe auf zivile Ziele dokumentiert. Dabei könne es sich um Kriegsverbrechen handeln, sagte eine Sprecherin des Hochkommissariats am Freitag (11. März) in Genf.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind seit Beginn des Krieges am 24. Februar mindestens 26 Gesundheitseinrichtungen angegriffen worden. Dabei seien zwölf Menschen umgekommen und 34 verletzt worden, sagte ein Sprecher in Genf.

Die Sprecherin des Hochkommissariats sprach von „offenbar wahllosen Angriffen“, bei denen Zivilisten getötet und verletzt wurden, was nach dem humanitären Völkerrecht verboten ist. Russische Streitkräfte setzten in der Nähe von bewohnten Gebieten Raketen sowie schwere Artilleriegranaten ein und griffen aus der Luft an. Es gebe glaubhafte Berichte über den Einsatz von Streumunition.

Ukraine-Krieg: Zivilisten sterben laut Meldungen bei russischen Angriffen

„Wir erinnern die russischen Behörden daran, dass gezielte Angriffe auf Zivilisten und zivile Objekte sowie das so genannte Flächenbombardement in Städten und Dörfern und andere Formen wahlloser Angriffe nach dem Völkerrecht verboten sind und Kriegsverbrechen darstellen können“, sagte die Sprecherin.

Sie bekräftigte, dass ein vor wenigen Tagen in Mariupol angegriffenes Gebäude eine funktionierende Geburtsklinik war. Vertreter Russlands sagen, in dem Gebäude sei ein Lager ukrainischer Kämpfer gewesen. Bei dem Angriff seien 17 Zivilisten verletzt worden, sagte die Sprecherin des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte. Berichte, dass dabei drei Menschen ums Leben kamen, würden noch geprüft.

Ukraine, Mariupol: Ein Mann ging am 10. März mit einem Fahrrad an einem Gebäude vorbei, das durch einen Beschuss beschädigt wurde.
Ukraine, Mariupol: Ein Mann ging am 10. März mit einem Fahrrad an einem Gebäude vorbei, das durch einen Beschuss beschädigt wurde. © Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Ukraine-Krieg: Putin sieht plötzlich positive Zeichen - EU-Gipfel-Teilnehmer ringen um weiteren Weg

Derweil wettert Russlands Präsident Wladimir Putin im TV und will Truppen an die Nato-Grenzen schicken. Allerdings erkennt er auch überraschend Fortschritte in den Verhandlungen. „Da sind gewisse positive Veränderungen, haben mir unsere Unterhändler berichtet“, sagte Putin am Freitag während eines vom Fernsehen übertragenen Treffens mit dem belarussischen Staatschef Alexander Lukaschenko. Die Verhandlungen würden „nun auf fast täglicher Basis geführt“.

Auch aus der Europäischen Union kommen Neuigkeiten: Die Ukraine soll für den Kampf gegen die russische Invasion weitere Waffen und andere Ausrüstung im Wert von einer halben Milliarde Euro bekommen. Einen entsprechenden Vorschlag machte der Außenbeauftragte Josep Borrell beim EU-Gipfel im französischen Versailles. Er sei sich sicher, dass die Staats- und Regierungschefs dem Vorhaben zustimmen werden, sagte der Spanier am Freitag. Der Plan solle schnell umgesetzt werden. Ein erstes Paket über 500 Millionen Euro für Waffen und Ausrüstung war bereits Ende Februar bewilligt worden.

Scholz bekräftigt im Ukraine-Krieg seine Position

Bereits am Donnerstag hatten Kanzler Olaf Scholz und seine Kollegen beim EU-Gipfel bis tief in die Nacht über den richtigen Kurs in der Russland-Krise gerungen. Am zweiten Gipfeltag sollte dann darüber entschieden werden, die Abschreckung gegenüber Russland auszubauen. „Ich glaube, alle sind sich einig, dass sich die Dinge seit dem 24. Februar geändert haben“, sagte die estnische Premierministerin Kaja Kallas am Freitag mit Blick auf den Tag des russischen Einmarschs in die Ukraine.

Scholz bekräftigte auf dem Gipfel mit Blick auf einen möglichen Importstopp russischer Energie seine Position, dass die Sanktionen gegen Moskau möglichst geringe Auswirkungen auf die EU-Staaten selbst haben sollten. Er sieht die deutsche Energieversorgung im Fall eines Einfuhr-Embargos nicht gesichert. Unterstützung bekam er von Österreichs Kanzler Karl Nehammer. „Österreich kann jetzt nicht sagen, wir verzichten auf russisches Erdgas, wir brauchen es“, sagte der konservative Politiker. Umstritten sind die Energielieferungen vor allem deshalb, weil Russland damit Milliarden einnimmt, die es für den Krieg gegen die Ukraine verwenden könnte. (dpa/cibo) *tz.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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