tz-Interview mit Bono

"Nelson hatte einen tollen Sinn für Humor"

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Bono und Nelson Mandela waren seit vielen Jahren befreundet.

Johannesburg - U2-Sänger Bono pflegte eine persönliche Freundschaft mit Nelson Mandela. Im tz-Interview spricht er über Begegnungen mit dem Revolutionär, dessen Intellekt und Humor.

Fast 40 Jahre ist es her, dass U2 erstmals musikalisch Stellung gegen die Apartheid bezogen. Damals spieltendie Band daheim in Dublin für Nelson Mandela. Jetzt hat sich der Kreis geschlossen. Mit „Ordinary Love”, ihrem Song zum Film Mandela: Long Walk To Freedom, huldigen Bono & Co. ihrem Idol.

Welche Bedeutung hat dieser Film?

Bono: Wir müssen das Phänomen Mandela einer neuen Generation ins Bewusstsein bringen.

Ob Kampf gegen Apartheid, AIDS oder Hunger, Sie setzen sich regelmäßig für politische Zwecke ein. Gibt es auch eine Botschaft im Film-Song?

Bono: Klar, das erwartet man, wenn U2 etwas mit einem Film über Nelson Mandela zu tun hat. Und ehrlicherweise haben wir uns am Anfang darüber auch Gedanken gemacht, als wir den Song geschrieben haben. Doch dann haben wir gesehen, dass der Film eine tolle Liebesgeschichte zwischen Nelson und Winnie Mandela ist. Eine komplexe dazu. Wir hätten den Song auch „Complicated Love“ (zu deutsch: komplizierte Liebe“) nennen können (lacht). Doch der Titel alltägliche Liebe passt, weil diese universell ist. Diese Art von Liebe ist die erste, die durch Krieg und Elend in Gefahr gerät.

Bono: Nelson Mandela hat sich oft selbst auf die Schippe genommen

Sie hatten eine persönliche Freundschaft mit Mandela. Wann haben Sie sich das letzte Mal gesehen?

Bono: Das letzte Mal war ich vor 18 Monaten bei ihm. Mit meiner Frau Ali und meinen jüngeren Söhnen. Es war wundervoll. Sein Intellekt und seine Ansichten live zu hören war jedes Mal wie das größte Geschenk. Außerdem hatte er einen tollen Sinn für Humor.

Worüber hat er denn gescherzt?

Bono: Er hat sich meist selbst auf die Schippe genommen. Sie müssen sich mal vorstellen, wie viele Menschen gerne bei ihm eine Audienz wollten. Und wir hatten das Privileg, vorgelassen zu werden! Mandelas erste Worte waren: „Was wollen Sie eigentlich von einem alten Revolutionär wie mir noch?“ Witzig und lehrreich in einem.

Mandela: "Euren Beifall und tollen Empfang habe ich nicht verdient"

Inwiefern?

Bono: Weil er damit einem großmäuligen irischen Rocker vor Augen gehalten hat, was wahre Demut ist. Und dass Bescheidenheit und Humor oft ineinander übergehen. Er hat sich nie selbst zu wichtig genommen. Das habe ich so einige Male im Laufe der Jahre hautnah miterlebt.

Eine Anekdote bitte.

Bono:  Da fällt mir ein Benefiz-Konzert in Barcelona ein. Es sollte der Mandela Kinderstiftung zugute kommen. Durch ein paar Gerüchte wurde verbreitet, dass weder U2 auftritt noch dass Nelson Mandela selbst vorbei kommt. Und so waren nur 2000 Jugendliche in einer Halle, in die 20.000 reinpassten. Mandela ist auf die Bühne gegangen und hat gesagt „Ihr jungen Leute von Barcelona, euren Beifall und tollen Empfang habe ich nicht verdient. Ihr habt meine Erwartungen übertroffen“. Ich dachte er, er meint das ironisch. Bis mir bewusst wurde, dass es von Herzen kam. Es hat ihn tief bewegt, dass 2000 Leute gekommen waren und ihm zujubelten.

Bilder: Südafrika trauert um Nelson Mandela

Bilder: Südafrika trauert um Nelson Mandela

Haben Sie mit ihm noch über den Film sprechen können?

Bono: Nein. Es gab immer so viele andere Themen. Aber ich bin mir sicher, dass er ihn gemocht hätte.

Machen Sie sich Sorgen um Südafrika, jetzt wo Mandela nicht mehr da ist?

Bono: Man sollte die Südafrikaner niemals unterschätzen, wenn es darum geht, für sich eine gute Zukunft zu erarbeiten, selbst wenn es viele Hürden gibt. Mandela hat bewiesen, wie unschätzbar wertvoll es ist, eine Führungspersönlichkeit zu haben. Es wird sehr schwer werden, das riesige Vakuum zu füllen, das Madiba hinterlassen hat. Alle müssen jetzt noch mehr und härter als Team zusammenarbeiten.

Was ist das Wichtigste, was Mandela Ihnen fürs Leben mitgegeben hat?

Bono: Er hat mir beigebracht, dass es zwar wichtig ist, sich selbst treu zu bleiben, aber dass man auf der anderen Seite auch nicht zu fanatisch werden darf. Man muss immer daran glauben, dass Menschen sich ändern und dass wir uns alle auch mal irren können.

Interview: Dierk Sindermann

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