PRISM: Firmen arbeiten gut mit NSA zusammen

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Die Enthüllungen über das NSA-Überwachungsprogramm PRISM gehen weiter

New York - Die Zusammenarbeit zwischen US-Geheimdiensten und amerikanischen Unternehmen ist laut einem Medienbericht noch viel breiter als es die jüngsten Enthüllungen vermuten ließen.

Tausende Firmen versorgten die Geheimdienste mit Informationen und bekämen im Gegenzug Vorteile wie Zugang zu geheimen Spionage-Erkenntnissen, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf informierte Personen. Die Unternehmen gäben dabei Informationen wie Geräte-Spezifikationen weiter, um Kundendaten gehe es nicht. Mit solchem Wissen könnten die Geheimdienste zum Beispiel fremde Computer leichter ausspähen.

An diesen Kooperationen beteiligten sich verschiedenste US-Unternehmen wie Hersteller von Software und Geräten, Banken, Anbieter von Satelliten-Kommunikation und Spezialisten für Internet-Sicherheit, schrieb Bloomberg.

So liefere der Windows-Riese Microsoft den Geheimdiensten Informationen über Fehler in seiner Software, bevor die Schwachstellen mit Updates geschlossen werden. Ein Konzern-Sprecher sagte Bloomberg, die Vorab-Hinweise sollten der Regierung einen Vorsprung für die Risiko-Einschätzung geben. Die Bloomberg-Quellen betonten zugleich, solche Unterstützung durch Microsoft und andere Unternehmen erlaube es den US-Diensten, Schwachstellen in Software auszunutzen, die an Regierungen anderer Länder verkauft werde.

Ein weiterer regulärer Partner sei der Sicherheitssoftware-Spezialist McAfee, schrieb Bloomberg. Die inzwischen zum Chip-Riesen Intel gehörende Firma könne wertvolle Informationen über den Datenverkehr im Internet und Cyber-Attacken aus dem Ausland liefern, hieß es. McAfee-Technologiechef Michael Fey sagte der Nachrichtenagentur, man teile keine Kundeninformationen, aber liefere Sicherheits-Technologien und Daten über Angriffe.

Die Tricks der Daten-Hacker

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Die Zusammenarbeit der Unternehmen mit den US-Geheimdiensten bleibe im rechtlichen Rahmen, betonten die Bloomberg-Quellen. Einige amerikanische Telekommunikationsfirmen hätten Geheimdiensten Zugang zu Standorten und Daten außerhalb der USA gewährt - was im Heimatland die Zustimmung eines Richters erfordert hätte.

Die Kontakte seien nur wenigen Personen bei den Firmen bekannt und würden oft direkt über die Chefetage eingefädelt. Die Regierung überschütte kooperierende Unternehmen dafür mit Aufmerksamkeit und versorge sie im Gegenzug auch mit Informationen. Zugleich arbeiteten einige Manager auch einfach aus patriotischer Überzeugung mit den Behörden zusammen.

Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hatte vergangene Woche von einer weitreichenden Überwachung des Internet vor allem durch den Abhör-Dienst NSA berichtet. Die Enthüllungen hatten einen politischen Sturm und internationale Forderungen nach Aufklärung ausgelöst.

Die USA sagten der EU unterdessen detaillierte Informationen zu. Beide Seiten hätten vereinbart, eine transatlantische Expertengruppe einzusetzen, um mehr über das mutmaßliche Spionage-Programm „PRISM“ zu erfahren, erklärte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström nach einem Treffen mit US-Justizminister Eric Holder in Dublin. Dabei werde es auch um die Frage des Datenschutzes gehen. Die EU verlangt von den USA, Grundrechte europäischer Bürger zu sichern.

Ein Berliner Treffen der Bundesregierung mit amerikanischen Internet-Unternehmen brachte „mehr offene Fragen als Antworten“, wie der Parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Otto (FDP) sagte. In der Frage, ob sie Daten über technische Schnittstellen an US-Dienste leiten, seien die Unternehmen vage geblieben, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Die deutschen Vertreter hätten wenig über US-Spionageprogramme gewusst - und ihrerseits die deutschen Regierung gebeten, beim Berlin-Besuch von US-Präsident Barack Obama auf mehr Transparenz zu dringen. Man könne „hier in Deutschland dazu betragen, dass wir eine breite Öffentlichkeit haben, was den Umgang mit Daten betrifft“, sagte Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Unterdessen trat China erstmals in der Kontroverse um den amerikanischen Informanten Edward Snowden aus der Deckung. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua hieß Snowden in einem Kommentar in China willkommen. In dem Text wurde Snowden in eine Linie mit dem Wikileaks-Informanten Bradley Manning und Wikileaks-Gründer Julian Assange gebracht: „Diese Leute sind zu brillant, um eingesperrt zu werden.“

Für Snowden könnte dies eine brisante Sympathie-Erklärung werden. Da er sich mit geheimen NSA-Dokumenten nach Hongkong abgesetzt hatte, müssten letztlich die chinesischen Behörden über einen möglichen Auslieferungsantrag der USA entscheiden. US-Ermittler prüften bereits, ob Snowden mit chinesischen Geheimdiensten zusammengearbeitet habe - noch hätten sie aber keine Anhaltspunkte dafür, schrieb die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Nach den Enthüllungen Snowdens hatte sich China zunächst zurückgehalten.

China wird von den USA als Hacker-Hochburg gebrandmarkt und immer wieder von Menschenrechtsgruppen für den Umgang mit Dissidenten kritisiert. Snowdens Enthüllungen wurden unmittelbar vor einem Gipfeltreffen veröffentlicht, bei dem US-Präsident Barack Obama die chinesische Führung zur Rede stellen wollte. Die Enthüllung der Spionageprogramme zeige einmal mehr die arrogante Seite der USA, schrieb Xinhua am Freitag.

Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Snowden hatte vergangene Woche von einer weitreichenden Überwachung des Internet vor allem durch den Abhör-Dienst NSA berichtet. Die Enthüllungen hatten einen politischen Sturm und internationale Forderungen nach Aufklärung ausgelöst.

Abgeordnete: Terroristen ändern Verhalten

Die Enthüllungen über die Überwachungsprogramme der NSA haben nach Aussage von mehreren Politikern bereits zu einer Änderung des Verhaltens bei Terroristen geführt. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Mike Roger, erklärte am Donnerstag, dies sei ein Teil des Schadens, den der Techniker Edward Snowden mit seinen Enthüllungen über die Programme angerichtet habe. Nähere Details nannte er nicht.

Später erklärte auch der führende Vertreter der Republikaner im Geheimdienstausschuss des Senats, Saxby Chambliss, die Feinde der USA änderten ihre Taktik als Reaktion auf die Enthüllungen. Snowdens Verhalten führe letztlich dazu, dass man in den USA nicht mehr so sicher sei wie vorher. Terroristen könnten nun neue Wege finden, um die Überwachung zu umgehen. „Das wird am Ende Menschenleben kosten“, sagte Chambliss.

dpa

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