Kennzeichen-Debatte

Leser schimpfen über "Geistespups"

Berlin - Verkehrsminister Ramsauer plant "völlig neue Kennzeichen". Doch seine Reform stößt auf wenig Gegenliebe. Die Leser schimpfen und bezeichnen den Vorstoß "Geistespups" und "Gehirnblähung".

Bis zur endgültigen Wiedereinführung der früheren Autokennzeichen in 1972 aufgelösten fast 100 Alt-Landkreisen und kreisfreien Städten Bayerns werden voraussichtlich noch einige Monate ins Land gehen. Doch schon jetzt ist die Aufregung groß. Vor allem die Ankündigung von Verkehrsminister Peter Ramsauer, "völlig neue Kennzeichen" zuzulassen stößt auf heftige Kritik. In unserem Voting zur Einführung individueller Kennzeichen in den Gemeinden stimmten bis zum frühen Nachmittag beispielsweise 106 von insgesamt 182 Usern für die Antwort "So ein Blödsinn. Da weiß doch bald keiner mehr, wo der Autofahrer eigentlich herkommt". 25 Prozent entschieden sich für "Die Wiedereinführung der Altkennzeichen ist wünschenswert. "Völlig neue Kennzeichen" sind hingegen überflüssig."

Aus den Kommentaren kann man herauslesen, dass viele Leser der Ansicht sind, dass Deutschland eigentlich andere Probleme hat. Andere fragen: "Ramsauer, was wird den Steuerzahler dieser Schmarrn wieder kosten?" Der User "schock schwere Not" spricht gar von einem "Geistespups" des Verkehrsministers. "Bolanz73" kann da nur zustimmen: "Was für ein Schmarrn. Die alten, wegrationalisierten Kennzeichen wieder zuzulassen kann man ja vielleicht noch nachvollziehen. Aber jetzt das Ganze mit neuen "Regionalkennzeichen" noch weiter zersplittern? Ich halte das Ganze für eine weitere Gehirnblähung aus dem Hause Ramsauer - als ob das die schlimmsten Sorgen sind die unsere Nation momentan hat."

"Völlig unbeschwert und fern von der Realität..."

"Josef J. Popp" unterstellt Ramsauer hingegen: "Ich weiß jetzt nicht, wer in letzter Zeit mal ein neues Kennzeichen für sein Auto benötigt hat, aber das ist keine Herzensangelegenheit, das ist eine Geldangelegenheit. Und um was anderer geht es dem Herrn Ramsauer doch gar nicht." Auch "Volker Rockel" kritisiert die geplante Reform in einem Kommentar. Er schreibt: "So muss Politik sein: "Völlig unbeschwert und fern von der Realität...""

Etwas weiter unten steuert User "vico" einen konstruktiven Vorschlag zur Diskussion bei: "Ich verstehe die Aufregung nicht. Schauen wir doch z.B. zu unseren Verwandten im nahen Österreich, die seit 2002 neue Kennzeichen haben, oder nach Frankreich. Warum sollte man dien Wünschen der Autofahrer nicht entgegenkommen? Überschneidungen von Kennzeichen - siehe auch Österreich - kann man vorab ausmerzen." Eine weiterer Alternative kommt von "Pro neutrale Kennzeichen": "Was ist das denn mal wieder für ein Schmarrn? Viele Länder verzichten mittlerweile fast komplett auf Städte- und Landkreiskennzeichnungen bei den Nummernschildern...wie z.B. Spanien und Italien. Das ist doch viel einfacher, billiger und logischer!" Pessimistisch sieht "E36Fan" den Vorstoß von Ramsauer. Er schreibt: "Wieder so eine sinnlose Totgebut wie das Wechselkennzeichen. Großes Blabla - und am Ende kommt nix brauchbares raus."

Landkreistag: Reform führt zu einem "Kennzeichenwirrwarr"

Auch der Deutsche Landkreistag lehnt die von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) geplante stärkere Freigabe von Kfz-Kennzeichen ab. „Anstatt eine Stärkung regionaler Identität zu bewirken, führt die auf Bestreben einiger weniger Bundesländer geplante Änderung des Kennzeichenrechts vielmehr absehbar zu einem 'Kennzeichenwirrwarr'“, warnte Landkreistags- Präsident Hans Jörg Duppré in einem Schreiben an die Ministerpräsidenten. Das Zusammenwachsen in Kreisen, die bei Gebietsreformen geschaffen wurden, dürfe nicht „durch eine erneute Kennzeichentrennung konterkariert werden.“

Unterdessen hat das Verkehrsministerium die Pläne für die "völlig neuen Kennzeichen" etwas konkretisiert. Diese "völlig neuen Kennzeichen" könnten vorgeschlagen werden, müssten aber vom Verkehrsministerium genehmigt werden, sagte die Sprecherin. Selbstverständlich dürften die Vorschläge „nicht sittenwidrig“ sein. Auch alte DDR-Kennzeichen sollten nicht wieder eingeführt werden. Wer künftig ein alternatives Kennzeichen für eine Region vorschlagen kann, blieb jedoch ebenso unklar wie die genauen Kriterien.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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