Neues Kapitel: Die Gutti-Partei?

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Karl-Theodor zu Guttenberg

Berlin - Steht die Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg kurz bevor? Der 39-Jährige kokettiert mit einer neuen politischen Bewegung.

Gutti in Halifax, Dissertationsverfahren gegen Guttenberg eingestellt, Interview mit dem gefallenen CSU-Superstar im Dossier der Zeit über vier lange Seiten hinweg. Für den 29. November ist das Erscheinen des Bandes Vorerst gescheitert terminiert. Eine elektrisierende Guttenberg-Serie. Und ganz nebenbei bringt Guttenberg die Chancen einer neuen konservativen Partei der Mitte ins Gespräch. Die Union „sitzt noch in der Mitte der Parteienlandschaft, aber sie ist dort nicht mehr so erkennbar, wie sie es sein könnte. Sie sitzt eben und steht nicht.“ Den jungen Leuten fehle „ein Kompass“. Die Frage von Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, ob er sich dort seine eigene Zukunft vorstellen könnte, beantwortet Guttenberg – „zurzeit“ Mitglied der CSU – ausweichend.

Bei CSU-Chef Horst Seehofer kam Guttenberg mit seiner Parteienkritik schlecht an. Es sei kein guter Stil, wenn alles und jeder herabgesetzt werde, um selbst erhöht zu werden. „Und ich bitte den Karl-Theodor, diese bekannten Wortgirlanden zu beenden und einfach Rücksicht zu nehmen auf die vielen Tausenden, die in deutschen Parteien sich täglich, und manche davon rund um die Uhr, engagieren für die Zukunft unseres Landes.“ Auch Seehofers Vorgänger Erwin Huber ärgert sich: Die Partei habe Guttenberg „in einem sehr reichen MaßeSolidarität gegeben, als er in Schwierigkeiten war“. Es sei „mehr als erstaunlich, dass es dafür nun Watschn gibt“.

Rücktritt & Comeback: Diese Politiker haben es zurückgeschafft

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Dass sich die Berichte über „KT“ in wenigen Tagen so häufen, wundert seinen Parteifreund Alfred Sauter nicht. „Ich bin immer davon ausgegangen, dass er sich etwa zu dem Zeitpunkt meldet, an dem er absehen kann, wie das staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren ausgeht. Wer einen guten Anwalt hat, weiß, wann ein Ermittlungsverfahren eingestellt wird.“ Dass Guttenberg tatsächlich eine eigene Partei gründen will, glaubt der alte CSU-Recke Sauter nicht. „Er hat ja nur gesagt, dass sich die Bandbreite der bürgerlichen Parteien erweitern sollte – sonst könnte diese Lücke von einer neuen Partei gefüllt werden.“ Sauter verweist darauf, dass Guttenberg „schon immer ein Meister im Umgang mit der Sprache war, was sich auch darin zeige, „dass man so formuliert, dass der Fantasie anderer Menschen breiter Raum gelassen wird.“

Die CSU-Landesgruppe in Berlin sieht die Rückkehr des gestürzten Hoffnungsträgers mit gemischten Gefühlen: „Die Stimmung ist halbe-halbe“, so ein CSU-Abgeordneter zur tz. „Da sind die einen, die glauben, dass seine hohen Popularitätswerte der CSU nützen könnten. Aber genauso viele fürchten, dass ihn seine Plagiatsaffäre immer wieder einholen wird – schließlich war das kein Kavaliersdelikt, auch wenn er es gerne so darstellen möchte.“ Der Münchner MdB Peter Gauweiler findet, dass das gestrauchelte Polittalent eine zweite Chance verdiene. Sauter traut ihm vieles zu: „Der Mann ist in großen Teilen der Bevölkerung geschätzt, sogar geliebt“. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, Bezirkschef der CSU Oberfranken, hofft auf sein politisches Comeback, „und zwar nach Möglichkeit auch in seiner oberfränkischen Heimat“. In der Partei wird gemutmaßt, dass Guttenberg sich nicht für die bayerische Landespolitik interessiert, auch wenn sich Landtagsfraktionschef Georg Schmid über jeden freut, „der aktiv in der Partei mit anpackt.“ Ein ehemaliger Kollege ist sicher: „Der will wieder in die Bundespolitik.“

Barbara Wimmer/Klaus Rimpel

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