Niedersächsischer Kultusminister bei Doktorarbeit gemogelt?

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Soll falsch zitiert haben: Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann.

Hannover/Tübingen - Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin wurde der Doktortitel bereits aberkannt. Nun wird Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann vorgeworfen, in seiner Dissertation schludrig zitiert zu haben.

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) gerät wegen seiner Doktorarbeit unter Druck. Plagiatsjäger werfen ihm zahlreiche Fehler beim Zitieren fremder Quellen vor. Der CDU-Politiker entschuldigte sich am Mittwoch für mögliche handwerkliche Fehler, versicherte aber, er habe nirgendwo von anderen Wissenschaftlern abgeschrieben, ohne das zu kennzeichnen. “Es gab keinen Täuschungsversuch von meiner Seite“, unterstrich Althusmann, der seit gut einem Jahr Kultusminister und derzeit auch Vorsitzender der Kultusministerkonferenz ist. Konsequenzen für seine politischen Ämter schloss der 44-Jährige zunächst aus. Die Universität Potsdam bat er um die Überprüfung seiner 2007 abgegebenen Arbeit. Die Ergebnisse dieser Prüfung wolle auch die Landesregierung abwarten, sagte Sprecher Franz Rainer Enste in Hannover.

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Der Minister soll in seiner Dissertation an vielen Stellen inhaltliche und wörtliche Übernahmen aus anderen wissenschaftlichen Werken nicht als solche gekennzeichnet haben. Das berichtete die “Zeit“ am Mittwoch vorab. Eine von der Wochenzeitung vorgelegte Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Doktorarbeit zu mehr als der Hälfte aus teils verschleierten Zitaten besteht und daher wenig Platz für eigene Gedanken lässt.

Althusmann erklärte dazu: “Ich habe meine Arbeit nach bestem Wissen und mir damals bekannten Zitierstandards angefertigt.“ Es sei seine Pflicht, auch im Umgang mit eigenen Fehlern mit gutem Beispiel voranzugehen und sich zu stellen, statt davonzulaufen. “Für meine Ämter habe ich, auch nachdem ich den Ministerpräsidenten gestern informiert habe, entschieden, dass dies eine Krise ist, die ich durchzustehen habe.“

Althusmann promovierte als externer Doktorand an der Uni Potsdam mit einer Arbeit über die Organisation der öffentlichen Verwaltung. Die Arbeit sei zwischen den Jahren 2000 und 2007 mit Unterbrechungen parallel zu seiner politischen Tätigkeit entstanden, erklärte er. “Ich habe den Großteil meiner Ferien dazu genutzt.“

An der Universität Potsdam beschäftigt sich nun der zuständige Dekan mit den Vorwürfen. “Das ist nicht innerhalb weniger Stunden zu erledigen“, sagte Uni-Sprecherin Birgit Mangelsdorf. Nach Einschätzung von Althusmann wird die Untersuchung der Universität etwa vier Wochen dauern.

Die Universität Tübingen hat unterdessen dem baden-württembergischen CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Pröfrock aus Waiblingen seinen Doktortitel aberkannt. Die Dissertation des 34-Jährigen weise zahlreiche Plagiate auf, teilte die Hochschule mit. Allerdings glaubte der Promotionsausschuss den Beteuerungen des 34-Jährigen, dass er sich nicht absichtlich mit fremden Federn geschmückt habe. Pröfrock akzeptierte die Entscheidung und bat um Entschuldung. Zurücktreten will aber auch er nicht.

dpa

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