Nordkorea steht vor Machtübergabe

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Tritt Kim Jong Il ab?

Seoul - Das kommunistische Nordkorea hat überraschend einen Führungswechsel in der herrschenden Arbeiterpartei angekündigt.

Das Politbüro des Zentralkomitees habe entschieden, Anfang September eine Sitzung der Partei “für die Wahl ihres höchsten Führungsgremiums“ einzuberufen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Samstag. Die Ankündigung löste in Südkorea Spekulationen aus, wonach das Regime auch offiziell die Nachfolge an der Spitze des Staates in die Wege leiten und dem jüngsten Sohn von Militärmachthaber Kim Jong Il einen wichtigen Parteiposten anvertrauen könnte.

Der gesundheitlich angeschlagene Kim bereitet südkoreanischen Berichten zufolge alles für seinen Sohn vor. Es ist das erste Mal seit 44 Jahren, dass das Politbüro eine Tagung der wichtigsten Parteidelegierten einberuft. Nach Berichten südkoreanischer Medien fand die bisher letzte derartige Sitzung 1966 statt. Ein Parteikongress wurde zuletzt 1980 abgehalten.

Die geplante Konferenz spiegelt laut KCNA die neuen Erfordernisse der Partei. Nähere Einzelheiten wurden nicht genannt. Ob auch Kim Jong Il, der Generalsekretär der Partei ist, daran teilnehmen wird, ist ebenso unklar. Man stehe “vor den heiligen revolutionären Aufgaben“, die Partei in eine “ewige ruhmvolle Partei“ des früheren Staatschefs Kim Il Sung zu entwickeln, hieß es. Es gelte, “ihre kämpferische Funktion und Rolle zu stärken, um das Land als eine prosperierende und mächtige sozialistische Nation zu verherrlichen“.

Das ist Nordkorea

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Abgeschottet und arm, aber atomgerüstet: Die Demokratische Volksrepublik Korea ist ein kommunistischer Staat, in dem das Militär eine dominierende Rolle spielt. © dpa
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Starker Mann ist seit 1994 Kim Jong Il (67, 2. von links), der Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates und Oberkommandierende der Volksarmee. © dpa
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Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung (rechts, 1912-1994)  war die “Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Auch nach seinem Tod bleibt er Nordkoreas “ewiger Präsident“. © dpa
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Kim Jong Il wurde offiziell als „Geliebter Führer“ bezeichnet. Mittlerweile trägt er, wie sein Vater, den Titel „Großer Führer“. Die Regierung gilt als das letzte stalinistische Regime der Welt. © dpa
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Staatspartei ist die 1945 gegründete Partei der Arbeit Koreas, die mit zwei Blockparteien eine „Einheitsfront“ bildet. © dpa
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Mit 122 000 Quadratkilometern ist Nordkorea etwa so groß wie die frühere DDR . © dpa
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Rund zwei Millionen Menschen leben in der Hauptstadt Pjöngjang. © dpa
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Im Süden bildet die demilitarisierte Zone die Grenze zu Südkorea (Republik Korea), das zusammen mit dem Norden bis zur Eroberung Koreas durch Japan 1910 einen gemeinsamen Staat bildete. Seit 1948 gibt es zwei koreanische Staaten. © dpa
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Das abgeschottete Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt. © dpa
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Während sich der einst arme Süden der koreanischen Halbinsel zu einer wohlhabenden Demokratie entwickelte, ruinierte die Misswirtschaft den an Bodenschätzen reichen Norden. Die industrielle Produktion ist seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurückgegangen. © dpa
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Die meisten der mehr als 23 Millionen Einwohner sind bitterarm. © dpa
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Stromabschaltungen gehören zum Alltag, selbst in der bevorzugten Hauptstadt Pjöngjang hat die Bevölkerung seit Jahren kein heißes Wasser und selten Heizung. © dpa
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1997 führte eine durch Zwangswirtschaft, Unwetter und Missernten ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. © dpa
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Weite Teile der Bevölkerung sind weiterhin von internationaler Hilfe abhängig. © dpa
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Trotzdem haben die Ausgaben für das Militär Vorrang. © dpa
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Ein halbes Jahrhundert nach dem Koreakrieg (1950 bis 1953) gibt es noch immer keinen Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea. Das Bild zeigt einen US-Soldaten, der auf Seiten des angegriffenen Südkorea kämpft. © AP
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Mit schätzungsweise 1,19 Millionen Soldaten hat Nordkorea die fünftstärksten Streitkräfte der Welt; es besitzt ein großes Arsenal chemischer und biologischer Waffen. © dpa
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Die Land- und die Luftstreitkräfte sind jeweils die zweitstärksten in Asien nach denen der Volksrepublik China. © dpa
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Neben den Hauptgegnern Südkorea und dessen Verbündeten USA gehört auch Japan wegen seiner Besatzungspolitik in Korea bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu den Feindbildern der koreanischen Volksarmee. © dpa
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Das Land verkündete 2004, Atomwaffen zu besitzen. Ihre Zahl sei ein Staatsgeheimnis. Den ersten Atombombentest führte Nordkorea am 9. Oktober 2006 durch. © dpa
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Im Rahmen eines im Februar 2007 mit Südkorea, den USA , China, Russland und Japan geschlossenen Abkommens machte Nordkorea Teile seiner Atomanlagen unbrauchbar. Im Gegenzug erhielt es Wirtschafts- und Energiehilfen. © dpa
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Doch am 5. April 2009 startete Nordkorea eine Trägerrakete mit einem Kommunikationssatelliten. Es folgten internationale Proteste. © dpa
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Der UN-Sicherheitsrat hat den Raketenstart am 13. April 2009 verurteilt. Aus Protest erklärte die Regierung einen Tag später das  Ende der Atom-Gespräche und die Forstetzung seines Atomwaffenprogramms. © dpa
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Am 25. Mai 2009 führte Nordkorea einen weiteren Atomtest durch. Nach russischen Angaben besaß der Sprengsatz eine Sprengkraft von 20 Kilotonnen. Außerdem wurden mehrere Kurzstreckenraketen abgefeuert. © dpa
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Der Atomtest führte zu Protesten auf der ganzen Welt Das Bild zeigt eine Demonstration in Südkorea .Der UN-Sicherheitsrat hat eine neue Resolution gegen Nordkorea angekündigt. © dpa
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Wie südkoreanische Medien berichten könnte auch die Wiederaufbereitungsanlage für atomare Brennstäbe in Yongbyon wieder eingeschaltet worden sein. Dort kann waffenfähiges Plutonium hergestellt werden. © dpa

Der 1994 gestorbene Kim Il Sung hatte während seiner Herrschaft seinen Sohn Kim Jong Il systematisch auf die Nachfolge vorbereitet. Beim sechsten Parteitag der Arbeiterpartei 1980 wurde Kim Jong Il als Mitglied in wichtige Parteiorgane aufgenommen.

Die Gesundheit des 68-jährigen Machthabers soll seit einem Schlaganfall vor gut zwei Jahren stark angeschlagen sein. Kims jüngster Sohn, der 27 oder 28 Jahre alte Kim Jong Un, steht nach Erkenntnissen von Nordkorea-Experten bereits seit Längerem als künftiger Nachfolger fest. In Nordkorea soll eine großangelegte Kampagne im Gang sein, um Kim Jong Un in der Bevölkerung zu etablieren. Das habe Südkoreas Geheimdienstchef Won Sei Hoon am Donnerstag bei einem Treffen hinter verschlossenen Türen mit Parlamentsabgeordneten in Seoul gesagt, berichteten Zeitungen des Landes.

dpa

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