„Besessen von Sanktionen“

Erst historischer Handschlag - dann neuer Zoff: Kim Jong Un wettert wieder gegen Trump 

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Donald Trump und Kim Jong Un haben im Ort Panmunjom an der innerkoreanischen Grenze getroffen.

US-Präsident Trump hat bei seinem dritten Treffen mit Nordkoreas Machthaber Geschichte geschrieben. Nachhaltig geholfen hat es ganz offensichtlich nicht.

Update vom 4. Juli, 12.55 Uhr: Nur wenige Tage nach dem Treffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un auf nordkoreanischem Territorium hat Pjöngjang den Ton wieder verschärft. Die nordkoreanische UN-Delegation warf den USA am Mittwoch vor, "versessen auf feindselige Aktionen" und "besessen von Sanktionen" zu sein.

Konkret beklagte Nordkorea ein Schreiben der USA an alle UN-Mitgliedstaaten, in dem diese aufgefordert wurden, nordkoreanische Arbeiter zurückzuschicken. Das Schreiben sei am 29. Juni und damit zeitgleich mit Trumps Vorschlag zu dem Treffen mit Kim verschickt worden. Dies zeige, dass die USA "zunehmend versessen auf feindselige Akte" seien, obwohl sie zugleich den Dialog suchten.

Tatsächlich wurde das US-Schreiben bereits am 27. Juni verschickt. Alle Länder wurden darin aufgerufen, die Sanktionen einzuhalten, welche die Rückkehr aller nordkoreanischen Arbeiter bis Ende 2019 vorsehen. Nach UN-Schätzungen werden jedes Jahr zehntausende nordkoreanische Arbeiter ins Ausland geschickt, insbesondere nach China und Russland, um unter sklavenähnlichen Bedingungen Geld für Pjöngjang zu verdienen.

Trump selbst hat dieser Tage mit Querelen rund um den US-amerikanischen Natonalfeiertag zu schaffen.

Historischer Handschlag: US-Präsident Donald Trump schreibt bei Treffen mit Kim Jong Un Geschichte

Update vom 30. Juni 2019, 14.25 Uhr: Ranghohe russische Politiker werten das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un als positiv. „Wenn es möglich ist, so die Situation zu entschärfen, können davon alle profitieren“, sagte der Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Konstantin Kossatschow. Gleichzeitig sei es aber wichtig, zu einem multilateralen Format unter der Leitung des UN-Sicherheitsrates zusammenzukommen. „Aber Trump will hier Erfolge erzielen. Er mag es nicht, Ruhm zu teilen“, sagte der Politiker der Agentur Interfax in Moskau.

Der Außenpolitiker Leonid Sluzki lobte das Treffen als ein „positives Signal für die regionale Sicherheit und auch die gesamte Stabilität der Welt“. Er zweifelte aber daran, dass es rasch zu einer Abrüstung kommen werde. „Sind die USA überhaupt in der Lage, diese Probleme auf bilateraler Ebene zu lösen? Aus Erfahrung kann man sagen: Das ist eindeutig nicht der Fall“, sagte der Vorsitzende des Außenausschusses im russischen Parlament. Die Positionen beider Länder seien unverändert, eine Annäherung gebe es nicht.

Donald Trumps neue Sprecherin Stephanie Grisham überrascht in Nord Korea mit vollem Körpereinsatz.

Update vom 30. Juni 2019, 11.30 Uhr: Panmunjom - an diesem Ort kam es zum historischen Moment: Donald Trump betrat als erster amtierender US-Präsident nordkoreanischen Boden. Das ehemalige Staatsoberhaupt der USA Bill Clinton nannte Panmunjom den „furchterregendsten Ort der Erde“. Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker sprach vom „letzten Bollwerk des Kalten Kriegs“. Stacheldraht, Elektrozäune und Gräben umgeben das Gemeinsame Sicherheitsareal (JSA), wie Panmunjom offiziell heißt. An diesem Ort inmitten der entmilitarisierten Zone stehen sich Soldaten Nordkoreas sowie Südkoreas und der USA auf Sichtweite gegenüber.

Völkerrechtlich befinden sich beide Koreas seit dem Koreakrieg (1950-1953) im Kriegszustand. In Panmunjom wurde 1953 ein Waffenstillstand vereinbart. Er gilt immer noch; ein Friedensvertrag kam nie zustande. Die vier Kilometer breite und 250 Kilometer lange entmilitarisierte Zone schafft einen streng bewachten Puffer zwischen beiden Staaten. Sie verläuft quer durch die Halbinsel entlang des 38. Breitengrades.

Im April 2018 wurde Panmunjom ein Ort der Hoffnung: Hier kam es zum symbolträchtigen Handschlag zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Zum ersten Mal überschritt ein Machthaber des kommunistischen Nordens die Grenze und betrat südkoreanischen Boden. Moon sprach von einem Wandel Panmunjoms von „einem Symbol der Teilung in einen Geburtsort des Friedens“. Im Zuge ihrer Annäherung machten beide Koreas Panmunjom im Herbst 2018 zur waffenfreien Zone. Jetzt wählte Donald Trump den Ort, um als erster amtierender US-Präsident nordkoreanischen Boden zu betreten.

Video: Donald Trump betritt bei Treffen mit Kim Jong Un nordkoreanischen Boden

Donald Trump und Kim Jong Un einig: Gespräche beider Länder werden wieder aufgenommen

Update vom 30. Juni 2019, 10.47 Uhr: US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un haben sich bei ihrem Treffen darauf verständigt, die Gespräche beider Länder wieder aufzunehmen. In den nächsten Wochen sollen Arbeitsgruppen auf beiden Seiten gegründet werden. Die US-Gruppe werde von Außenminister Mike Pompeo zusammengesetzt.

Die USA streben die vollkommene Atomabrüstung Nordkoreas an. Außerdem wird von den USA und auch von Südkorea ein offizieller Friedensschluss in Korea angestrebt. Über welche Einzelheiten die Arbeitsgruppe zuerst sprechen sollen, sagte Trump zunächst nicht. Er machte deutlich, dass die umfangreichen Sanktionen gegen Nordkorea weiter in Kraft bleiben.

Update vom 30. Juni 2019, 10.12 Uhr: Wird es auch ein Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong Un in den USA geben? Der US-Präsident hat dies dem nordkoreanischen Machthaber in Aussicht gestellt. Er wolle Kim „gleich jetzt ins Weiße Haus einladen“, sagte Trump am Sonntag bei dem Aufeinandertreffen mit Kim in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea.

Donald Trump: US-Präsident schreibt bei Treffen mit Kim Jong Un Geschichte

Update vom 30. Juni 2019, 09.45 Uhr: Donald Trump hat Geschichte geschrieben: Als erster amtierender US-Präsident hat der 73-Jährige nordkoreanischen Boden betreten, indem er die Demarkationslinie symbolisch überschritt. Ein amtierender US-Präsident war zuvor noch nie in Nordkorea gewesen. „Das ist ein großer Tag für die Welt“, sagte Trump, der mehrmals sein gutes persönliches Verhältnis zu Kim betonte. „Wir mochten uns vom ersten Tag an.“ Kim sagte, das „wundervolle“ Verhältnis zum US-Präsidenten „ermöglicht es uns, Grenzen zu überwinden“.

Trump und Kim reichten sich bei ihrem Treffen in Panmunjom zunächst die Hand, anschließend gingen sie zusammen über die Demarkationslinie auf die nordkoreanische Seite der Grenze. Anschließend begaben sie sich zusammen auf südkoreanisches Staatsgebiet, wo sie Südkoreas Staatschef Moon Jae In trafen.

Historischer Moment: Donald Trump betritt als erster amtierender US-Präsident nordkoreanischen Boden, indem er die Demarkationslinie symbolisch überschreitet.

Donald Trump: Kim Jong Un stimmt historischem Treffen zu - der Ort überrascht

Meldung vom 30. Juni 2019, 06.30 Uhr:

Osaka - US-Präsident Donald Trump hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un am Rande des G20-Gipfels im japanischen Osaka via Twitter überraschend ein Treffen angeboten. Kim habe der Begegnung zugestimmt, sagte der südkoreanische Präsident Moon Jae In bei einer Pressekonferenz mit dem Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten. Trump erklärte, er wolle Kim „nur schnell die Hand schütteln und Hallo sagen“.

Es wird ein historischer Handschlag, denn Donald Trump und Kim Jong Un werden am Sonntag in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea aufeinandertreffen. Der 73-jährige Trump landete dort nach Angaben des Weißen Hauses um kurz nach 14.30 Uhr Ortszeit (7.30 Uhr MESZ) an Bord seines Regierungs-Hubschraubers Marine One. Nur wenig später betrat er als erster amtierender US-Präsident den Boden des kommunistischen Nordkoreas. Im Ort Panmunjom an der innerkoreanischen Grenze überschritt er die Demarkationslinie.

Donald Trump trifft Kim Jong Un - „Kein Problem“ Fuß auf nordkoreanischen Boden zu setzen

Bereits im Vorfeld sagte Trump, dass er „kein Problem“ damit habe, seinen Fuß auf nordkoreanischen Boden zu setzen. Dies wäre eine weitere spektakuläre Geste in den seit Jahrzehnten angespannten Beziehungen zwischen Washington und Pjöngjang. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander aufgebaut“, so Trump.

Die Begegnung in der entmilitarisierten Zone ist das dritte Aufeinandertreffen der beiden Politiker. Bei einem ersten Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim im Juni 2018 in Singapur hatte Nordkorea grundsätzlich einer Denuklearisierung zugestimmt. Konkrete Schritte wurden damals aber nicht vereinbart. Ein zweiter Gipfel in Hanoi im Februar scheiterte, da es keinerlei Annäherung gab; seither herrscht in den Atomgesprächen Stillstand.

Donald Trump trifft Kim Jong Un - „Eine Begegnung für die Kameras und ohne Tagesordnung“

Experten sind skeptisch, ob das kurze Treffen am Sonntag dazu beigetragenen kann, die Verhandlungen über Nordkoreas Atomprogramm voranzutreiben. Es handele sich um „eine Begegnung für die Kameras und ohne Tagesordnung“, sagte der US-Politikwissenschaftler Joshua Pollack. Um Bewegung in den Konflikt zu bringen, sei mehr nötig als ein weiterer Handschlag und die kurzen Briefe, die sich Trump und Kim regelmäßig schreiben.

In der entmilitarisierten Zone hatten sich Moon und Kim im April vergangenen Jahres zu einem ersten Gipfel getroffen, was als weiteres Zeichen des diplomatischen Tauwetters zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten gewertet wurde.

Der Konflikt um das Atomprogramm des weitgehend isolierten nordkoreanischen Staates beschäftigt die internationale Staatengemeinschaft seit langem. Trump warf die diplomatischen Gepflogenheiten seiner Amtsvorgänger über den Haufen, indem er sich ohne Umschweife direkt mit dem Machthaber aus Pjöngjang traf.

Nur wenige Wochen nach diesem historischen Handschlag mit Trump provoziert Kim Jong-un die Welt mit weiteren Raketentests. Dennoch häst der US-Präsident an der neuen Freundschaft zu dem nordkoreansichen Diktator fest - und lobt auf Twitter dessen „großartige und wunderschöne Vision“

In den USA geht es derweil auch zur Sache: Bei der TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber lieferten sich Senatorin Kemala Harris und Ex-Vizepräsident Joe Biden einen dramatischen Schlagabtausch. Derweil verriet Donald Trump, wie er Erdogan vor einem Angriff stoppen konnte.

Kim Jong-Un ist der jüngste Sohn des ehemaligen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il, trotzdem wurde er zu seinem Nachfolger. Eine neue Biografie versucht seinem skrupellosen Wesen auf den Grund zu gehen.

AFP/dpa

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