Quälende Suche nach der Wahrheit

Angehörige schildert erste Begegnung mit Zschäpe

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Semiya Simsek

München - Der NSU-Prozess in München wird am Dienstag fortgesetzt. Semiya Simsek, Tochter des getöteten Enver Simsek, hat ihre erste Begegnung mit Beate Zschäpe geschildert.

Die Angehörigen der NSU-Opfer müssen vermutlich noch lange warten, bis in diesem Prozess Details der grausamen Mord-Serie behandelt werden. Beobachter erwarten, dass die Verteidiger von Beate Zschäpe und den vier Mitangeklagten weitere Anträge stellen werden, die den Prozess verzögern. Es ist unwahrscheinlich, dass am Dienstag die Anklage verlesen wird.

Für Semiya Simsek ist am ersten Verhandlungstag dennoch viel passiert“, erklärten ihre Anwälte Stephan Lucas und Jens Rabe . Die Tochter von Enver Simsek, der am 9. September 2000 in Nürnberg erschossen wurde, empfand den Auftakt als aufwühlend. „Nicht nur die schwül-warme, stickige Luft und die sehr beengte Atmosphäre im Verhandlungssaal machten ihr zu schaffen. Es war vor allem die erste Begegnung mit Beate Zschäpe, die Semiya Simsek verarbeiten musste.“

Das Verhalten der Hauptangeklagten habe sie irritiert. Lucas: „Es war für sie sehr schmerzlich, dass die Angeklagte gar keine Betroffenheit erkennen ließ.“ Semiya Simsek sei davon überzeugt, dass Zschäpe der Schlüssel wäre zur Beantwortung so vieler Fragen über den grausamen Mord an ihrem Vater und an neun weiteren Opfern. Mit dem lockeren Auftreten der Angeklagten sei dies nicht in Einklang zu bringen.

Die Nebenklage-Anwälte: „Einmal, so berichtete uns die Mandantin, nahm Beate Zschäpe mit ihr sogar Blickkontakt auf, lange schaute sie zu ihr hin, nicht provozierend, aber auch nicht die Spur befangen: Ein irritierend inadäquates Verhalten!“

Ob es sich um eine eingeübte Inszenierung handelte oder Ausdruck einer inneren Haltung war, wisse nur die Angeklagte selbst.

Semiya Simsek rechnet damit, dass sich der Prozess weiter verzögert. Lucas sagt, er habe ihr klargemacht, „dass die Strafprozessordnung aus gutem Grund Angeklagten und Verteidigern eine Vielzahl von prozessualen Gestaltungsrechten zur Verfügung stellt.“ Er warnt davor, den Prozess „kaputt zu reden“.

Eberhard Unfried

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