Drei Betroffene schildern ihr Unverständnis

NSU-Prozess: Die Wut der Angehörigen

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Semiya Simsek: In einer Prozesspause suchte sie Halt bei ihrem Mann Fatih

München - Für die Angehörigen der Opfer des NSU-Terrors war die Verschiebung auf 14. Mai ein großer Schock. In der tz lassen sich drei Beteiligte ihrer Wut und ihrem Unverständnis freien Lauf.

Für die Angehörigen der Opfer des NSU-Terrors war die Verschiebung auf 14. Mai ein großer Schock. „Meine Mandantin ist tief enttäuscht“, sagt Anwalt Bernd-Michael Manthey, der die Witwe des in München erschossenen Habil Kilic vertritt. Manthey rechnet damit, dass es auch am Dienstag noch nicht zur Sache geht. Auf den Befangenheitsantrag müssen die übrigen Richter zunächst eine Stellungnahme abgeben. „Ich gehe davon aus, dass die Verteidiger einhaken werden“, so der Opfer-Anwalt. „Ich verstehe die Enttäuschung der Nebenkläger“, sagt die OLG-Sprecherin Andrea Titz. Sie bittet um Verständnis, denn die Richter hätten keine andere Wahl: „Das Gericht muss genau das machen, was im Gesetz vorgeschrieben ist.“ Wieder eine Woche warten, erneut an- und abreisen: Wie gehen die Nebenkläger damit um? Die tz sprach mit drei Prozessbeteiligten:

Eine Zumutung

„Für meine Mandantin ist die Verzögerung des Prozesses eine Zumutung, eine wahnsinnige Belastung.“ Das sagt Rechtsanwältin Angelika Lex, die die Witwe des 2005 in München ermordeten Griechen Theodorus Boulgarides vertritt. Lex befürchtet weitere Verzögerungen. Sie rechnet damit, dass Beate Zschäpes Verteidiger auch die Besetzung des Gerichts bemängeln werden: „Das wird sicher einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Lex: „Das ist zwar ein zulässiges Mittel, aber Verschleppungstaktik.“

Nicht willkommen

„Der Prozessbeginn war für mich anstrengend und sehr belastend“, sagt Gamze Kubasik – sie ist die Tochter des Mordopfers Mehmet Kubasik. Dass die Verhandlung bis 14. Mai unterbrochen wurde, hat die 27-Jährige aus Dortmund geschockt: „Weil ich mich schon emotional und seelisch auf diesen Prozess vorbereitet habe. Es ist nicht leicht.“ Sie ergänzt: „Wir haben jahrelang auf diesen Prozess gewartet.“ Wesentlich schärfere Worte wählt ihr Anwalt Sebastian Scharmer: „Unsere Mandanten nehmen es so wahr, dass sie in diesem Gerichtssaal nicht willkommen sind.“

Irritiert von Zschäpe

Semiya Simsek: In einer Prozesspause suchte sie Halt bei ihrem Mann Fatih

„Semiya Simsek ist eine ungaublich tapfere Frau“, lobt Anwalt Stephan Lucas seine Mandantin. Ihr Vater Enver war das erste Opfer der NSU-Mordserie. Die hochschwangere Semiya Simsek sei mit ihrem Mann (rundes Foto) entäuscht nach Frankfurt heimgefahren, berichtet Lucas. Er sagt aber auch: „Ihr ist bewusst, dass das Gericht Zeit benötigt, um auf die Befangenheitsgesuche zu reagieren.“ Lucas weiter: „Irritiert war Semiya Simsek, wie entspannt, fast fröhlich Beate ­Zschäpe vor Gericht aufgetreten war.“

NSU-Prozess in München - die Bilder

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Eberhard Unfried

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