NSU-Prozess fortgesetzt

Nazi-Braut lacht über ihr Fahndungsfoto

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Die 38-jährige Beate Zschäpe am Donnerstag vor Gericht: Ihr altes Fahungsfoto findet sie amüsant-

München - Ihr altes Fahndungsfoto findet Beate Zschäpe zum Lachen. Nach vierwöchiger Sommerpause im NSU-Prozess ließ das Gericht ein Video über die TV-Sendung Kripo live vorführen, die der MDR 1998 ausgestrahlt hatte.

Schon damals war nach dem Terror-Trio Zschäpe, Uwe Böhnhard und Uwe Mundlos gefahndet worden – mit uralten Schwarzweiß-Fotos. Die TV-Sprecherin bescheinigte der Nazi-Braut damals ein „unauffälliges Äußeres“. Da musste die Angeklagte, die Donnerstag einen schicken grauen Hosenanzug trug, lachen.

Es ging 1998 um eine in einem roten Koffer versteckten Bombe, der auf dem Theaterplatz in Jena abgestellt worden war. Kinder hatten ahnungslos mit der Höllenmaschine gespielt, die zum Glück keinen funktionsfähigen Zünder hatte. Die Fahndung verlief allerdings im Sand, spätere Terror-Akte konnten der Bande erst 2011 nachgewisen werden.

Abgesehen von ihrer Knast-Blässe wirkt Beate Zschäpe nach der Sommerpause erholt. Lässig schlenderte sie in den Sitzungssaal A101, um wie immer mit einer fixen Wende den Kameraleuten demonstrativ den Rücken zuzudrehen. Obwohl der Prozess schon bis Dezember 2014 terminiert ist, scheint sie ihre Rolle als einer von Rätseln umgebenen Schweigerin vor Gericht zu genießen. Umso emsiger plaudert sie in den Prozesspausen mit ihren Anwälten.

Weniger amüsant findet sie ihre Kindheitsgeschichte. Das Gericht verliest ihre Geburtsurkunde vom Janauar 1975. Damals hieß sie Beate Apel. Da ihre Mutter zweimal heiratete, erhielt Beate jeweils den Namen des Vaters. Seit Januar 1982 heißt sie Zschäpe. Verlesen wird auch ihr Ausbildungsvertrag als Gärtnerin, Fachrichtung Gemüsebau. Da senkt sie ihren Kopf, hält ihre Hände vors Gesicht.

In den nächsten Prozesstagen geht es um den Mord an lsmail Yasar in Nürnberg. Am 9. Juni 2005 töteten Mundlos und Böhnhardt den 50-jährigen Besitzer eines Döner-Standes. Yasar starb durch fünf Kugeln, die aus jener Ceska-Pistole abgefeuert wurden, mit der zuvor fünf Menschen in Nürnberg, Hamburg, München und Rostock erschossen worden waren. Auffallend waren stets zwei Männer mit Fahrrad – für die Polizei damals aber keine heiße Spur.

E. Unfried

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