Angeklagte können sprechen oder schweigen

Der NSU-Prozess geht jetzt erst richtig los

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Bundesanwalt Herbert Diemer (2.v.l.) verlas Dienstag Nachmittag die Anklageschrift

München - Nach der Verlesung der Anklageschrift geht es im NSU-Prozess jetzt richtig los. Nun können sich die Angeklagten äußern - oder schweigen.

Der Vorsitzende des Gerichts, Manfred Götzl, wird den Angeklagten am Mittwoch mitteilen, dass es ihnen frei steht, Angaben zur Person oder zur Sache zu machen.

Jeder Angeklagte hat das Recht zu schweigen. Er kann auch seine Lebensgeschichte erzählen, aber keine Angaben machen zu den ihm zur Last gelegten Taten. Oder umgekehrt. Möglich ist auch eine Verteidiger-Erklärung zur Sache oder zur Person.

Beate Zschäpe hat durch ihre Anwälte bereits ankündigen lassen, dass sie zu den unzähligen Tatvorwürfen (Mord in zehn Fällen, versuchter Mord in insgesamt 26 Fällen, Herbeiführen einer schweren Sprengstoff-Explosion, besonders schwere Brandstiftung etc.) kein Wort sagen wird. Über ihr verpfuschtes Leben wird sie wohl auch den Mund halten, denn gelernt hat sie außer Gemüse-Anbau nicht viel. Etwa um 1992 lernte die damals 17-Jährige in der Nazi-Jugendclique „Winzer-Clan“ im Jenaer Plattenbauviertel Winzerla Uwe Mundlos Uwe Böhnhardt kennen, mit denen sie später die Terror-Zelle NSU gründete. Die vielen Verbrechen sind somit ein Teil ihrer Lebensgeschichte.

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Schweigen wird wohl auch der frühere NPD-Funktioär Ralf Wohlleben, dem die Bundesanwaltschaft Beihilfe zu neun Morden zur Last legt. Nichts bekannt ist bisher über das Prozessverhalten der Angeklagten André E. und Carsten S.

Mit Spannung wird dagegen die Aussage von Holger G. erwartet, der gestern 39 Jahre alt wurde. Er hatte bereits bei der Polizei ausgepackt. Sein Wissen über die Nazi-Szene half den Ermittlern enorm weiter.

E. Unfried

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