NSU-Prozess

Jetzt drücken die Richter aufs Gas

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Richter Manfred Götzl.

München - Nach anfänglichen Querelen mit einigen Verteidigern hat Richter Götzl im NSU-Prozess gezeigt, wer Herr im Hause ist. Mit der Ablehnung der meisten Anträge hat er freie Bahn, jetzt macht er Tempo.

Die Sitzung ist für heute geschlossen.“ Als Vorsitzender Richter Manfred Götzl dies am Donnerstag um 14.28 Uhr verkündete, war allen Prozessbeteiligten klar: Nach anfänglichen Querelen mit einigen Verteidigern hat Götzl gezeigt, wer hier Herr im Haus ist. Mit der Ablehnung der meisten Anträge hat er nun freie Bahn, jetzt macht er Tempo.

Am Vormittag hatte sich Götzl noch einige kleinere Wortgefechte mit Zschäpe-Verteidiger Wolfgang Heer geliefert, doch die Atmosphäre war deutlich entspannter als noch am Mittwoch. Der Versuch, den Gerichts-Vorsitzenden zu unbedachten Äußerungen zu provozieren, war gescheitert. Götzl hatte sich auch zu keiner Bemerkung zu dem etwas schrägen Outfit der Zschäpe-Anwältin Anja Sturm am Mittwoch hinreißen lassen. Für Erleichterung bei den Nebenklägern sorgte Götzl, als er verkündete, den Nagelbomben-Anschlag von Köln mit zu verhandeln: „Der Senat beabsichtigt nicht, den Fall Keupstraße abzutrennen.“ Dies hatte Götzl selbst ins Gespräch gebracht, nachdem ein Nebenklage-Anwalt beantragt hatte, alle bei diesem Attentat verletzten Menschen mit auf die Nebenklage-Bank zu holen. Abgelehnt hat der Senat die Anträge, Zeugenaussagen auf Viedo aufzunehmen. Götzl: „Das hätte die psychische Belastung der Betroffenen verstärkt.“

Nachdem die Antrags-Flut zunächst bewältigt war, fragte Götzl die Angeklagten, ob sie vor Gericht Angaben machen wollen. Beate Zschäpe, die Donnerstag in ihem schwarzen Hosenanzug vom ersten Prozesstag erschien, ließ verkünden, dass es bei ihrem Schweigen bleibe. Auch André E. sagt nichts. Die Anwälte von Ralf Wohlleben wollen eine Erklärung zur Sache abgeben.

Dann ergriff der Angeklagte Holger G. (39) das Wort: „Ich werde mich äußern.“ Der neben ihm sitzende Carsten S. (33): „Ich auch.“ Auf die Aussagen der beiden Nazi-Aussteiger sind jetzt alle gespannt. Der Prozess geht nach der Pfingst-Pause am 4. Juni weiter.

Eberhard Unfried

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