Showdown im März

Vor OB-Wahl in München: CSU hadert mit Strategie - Slogan und Plakate sorgen für Stirnrunzeln

Kristina Frank wird ob ihres Wahlkampfes kritisch beäugt.
+
Kristina Frank wird ob ihres Wahlkampfes kritisch beäugt.

Die CSU macht sich Sorgen um München. Kurz vor der OB-Wahl 2020 im März schraubt Parteichef Söder die Erwartungen in der Landeshauptstadt runter. Die Zentrale hadert mit der örtlichen Kampagne.

  • Im März finden in Bayern die Kommunalwahlen statt.
  • Die CSU hadert offenbar mit der Strategie in der Landeshauptstadt.
  • Der Parteivorsitzende Markus Söder dämpft die Erwartungen.

München– Auf dem roten Teppich war Markus Söder außerordentlich charmant. „Ah, die künftige Münchner Oberbürgermeisterin“, rief er Kristina Frank laut entgegen, als sie vor wenigen Tagen beim Neujahrsempfang dem Ministerpräsidenten zum Defilee entgegentrat. Die Kandidatin reagierte kokett, aber auch ein bisschen überrascht. Abseits der Kameras ist die eigene Parteispitze nämlich weit weniger siegesgewiss.

Tatsächlich wachsen in der CSU-Spitze eher Sorgen als Zuversicht. Die Ausgangslage in München ist extrem heikel. Ein Dreikampf ums Rathaus: Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) gegen Frank und gegen die vom grünen Höhenflug beflügelte Herausforderin Katrin Habenschaden. Selbst erfahrene CSU-Strategen trauen sich noch keine Prognose zu, wie das ausgeht.

Die Stichwahl zu erreichen, gab Söder am Montag offiziell als Wahlziel aus, dazu ein gutes Ergebnis im Stadtrat. Der Chef dämpft die Erwartungen. Die CSU habe seit Strauß’ Zeiten nur einmal den OB gestellt, sagt er. In mehreren Vierteln hängten bei der Landtagswahl die Grünen die CSU ab, gewannen fünf Direktmandate. Und alle wissen: Selbst wenn es zur Stichwahl reicht, würden sich SPD und Grüne verbünden.

Video: Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?

OB-Wahl in München 2020: Söder schraubt Erwartungen runter - CSU hadert mit Strategie

„Wieder München werden“: Mit diesem Slogan will Kristina Frank das Rathaus erobern.

Zur schwierigen Ausgangslage kommt hinzu: Die CSU-Spitze ist nicht glücklich mit Franks Wahlkampagne. Die Kandidatin selbst hat Söders volle Rückendeckung, in einer Telefonschalte am Dienstagnachmittag machten er und sein Generalsekretär Markus Blume der jungen Bewerberin noch mal Mut: Sie sei die Beste, die man sich für diese Mission vorstellen könne. Slogan und Plakate sorgen in der Parteizentrale aber für Stirnrunzeln.

Der Leitspruch „Wieder München werden“ sei zu „retro“, die hunderttausenden Zuzügler erreiche man nicht mit historischer Wehmut, sondern mit einer großstädtisch-modernen Linie. Die aktuellen Plakate zum Radverkehr sind kompliziert: „Ich bin zwar kein Rad, will aber auch Sicherheit“, steht zum Beispiel auf einem, dazu das Piktogramm eines Kinderwagens. Zudem seien Franks Fotos schlecht gewählt. „Unser Wunsch ist, dass die Münchner Wahlkampfführung Kristina Frank stärker herausstellt“, heißt es aus der CSU-Spitze. Man müsse einen „optimistischen Wahlkampf führen“. Söder persönlich brachte in der vorletzten Vorstandssitzung seine Skepsis zum Ausdruck, berichten Ohrenzeugen. Blume, selbst Münchner, wiederholte das.

In der Münchner CSU will man nichts von diesen Stimmen mitbekommen haben. „Die Münchner Linie ist intensiv vorbereitet und eng mit der Parteiführung abgestimmt“, sagt der Bezirksvorsitzende Ludwig Spaenle. Erst vergangenen Montag habe es ein Strategiegespräch mit Blume gegeben. Und Manuel Pretzl, Fraktionschef im Rathaus, fragt: „Wann wird über eine Kampagne geredet?“ Seine Antwort: „Wenn sie gut ist.“ Es handle sich um eine „totale Zukunftskampagne“.

“Sperriger Slogan“ für OB-Wahl in München: Kristina Frank nimmt Stellung

Die Kandidatin selbst sieht es ähnlich. Man habe absichtlich einen „sperrigen Slogan“ gewählt, der Diskussionen auslöst, sagt Frank. „Dass man sich daran etwas reiben kann, ist Teil der Strategie.“ Schon in der nächsten Stufe im Februar, spätestens aber in der dritten Plakatwelle kurz vor der Wahl werde alles aufgelöst. „Ich glaube eigentlich, dass Markus Söder und ich ein ziemlich ähnliches Verständnis von Wahlkampf haben“, sagt die 38-Jährige.

Die Münchner sind von der Kritik am Wahlkampf überrascht. Schließlich arbeiten sie erneut mit jener Augsburger Agentur zusammen, die 2014 schon Josef Schmid zu einem Achtungserfolg gegen Reiter verhalf. Damals tuckerte der CSU-Mann mit einem alten VW-Bulli, Baujahr 1968, durch die Stadt. Sogar politische Konkurrenten zollten Lob für die Kampagne, die allerdings stärker auf die liberale Stadtmitte zielte. Diesmal umwirbt die Kampagne eher das konservative Stammpublikum. Und die Münchner CSU ist eigentlich ziemlich stolz auf sie.

OB-Wahl 2020 in München: Termin hat Symbolcharakter

Söder weiß, dass die Wahl in den Großstädten München, Nürnberg und Augsburg am 15. und 29. März mehr Symbolcharakter hat als in den anderen 2031 Orten. Der CSU-Chef ist selbst auffällig viel in München unterwegs, vor allem in der Kunst- und Kulturszene. Seinen Plan, München als achten Regierungsbezirk aufzuwerten, legte er bewusst zur Kommunalwahl vor. Wenn er jetzt Kritik an der örtlichen Kampagne durchblicken lässt, kann das freilich auch heißen: Er mag hinterher nicht die Verantwortung übernehmen, falls das Ergebnis schlecht ist.

Verloren ist München aus Sicht der CSU-Spitze dennoch bisher nicht. Die Landesleitung, obwohl eher klamm, will sogar zusätzliche Werbung für den Wahlkampf der Stadt-CSU unterstützen. Es sei ja noch viel „Luft nach oben“, sagt ein Söder-Vertrauter. Ausgerechnet direkt vor dem Landtag ist das gut zu erkennen: Da steht noch immer ein Advents-Plakat von Kristina Frank, auf dem sie eine „besinnliche Zeit“ wünscht. Die dürfte nun vorbei sein.

Kommunalwahl 2020 - live und nur bei uns: OB-München-Kandidaten im Video-Duell am 5. März (Donnerstag) ab 19 Uhr zu sehen.

Christian Deutschländer, Mike Schier

Auch interessant

Meistgelesen

„Bunt, aber blöd“: CSU-Jungpolitiker hetzt auf Facebook gegen Demonstranten
„Bunt, aber blöd“: CSU-Jungpolitiker hetzt auf Facebook gegen Demonstranten
Nawalny-Vergiftung: Team veröffentlicht brisante Details und Video aus Hotel - „Flasche nicht Quelle des Gifts“
Nawalny-Vergiftung: Team veröffentlicht brisante Details und Video aus Hotel - „Flasche nicht Quelle des Gifts“
Trump irritiert mit Aussage zu „Waldstädten“ und „explodierenden Bäumen“ in Österreich - Reaktion folgt prompt
Trump irritiert mit Aussage zu „Waldstädten“ und „explodierenden Bäumen“ in Österreich - Reaktion folgt prompt
Nawalny überrascht alle: Kreml-Kritiker meldet sich aus der Charité - Sprecherin verkündet erstaunlichen Plan
Nawalny überrascht alle: Kreml-Kritiker meldet sich aus der Charité - Sprecherin verkündet erstaunlichen Plan

Kommentare