Oberreuter-Abschied: Bayerns Politik-Elite gibt sich die Ehre

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Heinrich Oberreuter (l-r), Direktor der Akademie für Politische Bildung Tutzing, der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und der Vorsitzende des Kuratoriums der Akademie, Staatsminister a.D. Hans Maier, unterhalten sich am Montag bei der Verabschiedung Oberreuters als Direktor der Akademie in Tutzing

Tutzing - Heinrich Oberreuter hört als Direktor der Akademie für politische Bildung Tutzing auf - und die bayerische Politik gibt sich die Ehre. Horst Seehofer und Christian Ude würdigen Oberreuters Verdienste.

Es war ein interessantes Aufeinandertreffen an diesem Montagabend in Tutzing direkt am Starnberger See: Der Direktor der Akademie für politische Bildung, Heinrich Oberreuter, ist nach 18 Jahren Amtszeit feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden. Und unter den Rednern waren ausgerechnet die beiden Politiker, über deren Zukunft Oberreuter zuletzt nur allzu oft Voraussagen treffen musste: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und dessen Herausforderer bei der Landtagswahl 2013, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD).

Den einen nämlich - Seehofer - sieht Oberreuter angesichts sinkender Zustimmungswerte für die CSU/FDP-Koalition in schwierigem Fahrwasser. Und dem anderen - Ude - sagt er voraus, bei der Wahl 2013 möglicherweise für eine Zeitenwende in Bayern sorgen zu können. “Wenn in zwei Jahren die Stimmung noch so ist, kann der Ude-Effekt einen Regierungswechsel auslösen“, hatte Oberreuter kürzlich klar gesagt.

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Für parteipolitische Streitereien war an diesem Abend aber kein Platz. Seehofer und Ude würdigten vielmehr übereinstimmend Oberreuters Verdienste. Der Politikwissenschaftler sei “ein Meister seines Fachs“, eine Autorität und “eine Institution im politischen Deutschland“, lobte Seehofer. Beide - Seehofer und Ude - nahmen aber auch Oberreuters schier zahllose Voraussagen, Prognosen und Analysen zur bayerischen Landespolitik der vergangenen Jahrzehnte aufs Korn.

Seehofer berichtete, oft habe Oberreuter schon mit einer Analyse aufgewartet, bevor man als Politiker überhaupt seine Meinung gesagt habe. Der Politikwissenschaftler sei aber immer ein geschätzter, wenn auch mitunter anstrengender Gesprächspartner gewesen, betonte er. “Danke für die täglichen Botschaften an uns“, meinte der CSU-Chef am Ende seines Grußworts. Und er sagte mit einem Augenzwinkern zu Oberreuter: “Bei Ihnen fürchte ich, dass Sie uns erhalten bleiben.“

Ude erinnerte daran, dass vom Landtag eigens für Oberreuter eine Gesetzesänderung in die Wege geleitet worden sei, damit dieser bis dieses Jahr im Amt bleiben konnte. “Ein deutlicher Beweis, dass es geht“, sagte Ude. “Aber man will nicht überall“, fügte er mit Blick auf die Altersgrenze hinzu, die ihn zum Aufhören als Oberbürgermeister zwingt. Mit Blick auf seine eigene Partei sagte der SPD-Spitzenkandidat selbstkritisch: “Ihre Kommentare - ob Sie uns gefallen haben oder nicht - waren immer besser als unsere Ergebnisse.“

Unter den Gästen in Tutzing waren viele amtierende und ehemalige Spitzenpolitiker, darunter Ex-SPD-Chef Hans-Jochen Vogel, der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber und Ex-Finanzminister Theo Waigel.

Von Christoph Trost

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