Energiewende: Hilfe aus Österreich

+
Martin Zeil geht mit der Bundesregierung scharf ins Gericht

Kaprun - In Deutschland geht die Umsetzung der Energiewende schleppend voran. Österreich kann - und soll - den bayerischen Nachbarn unter die Arme greifen.

Die Staatsregierung hofft bei der Umsetzung der Energiewende auf Hilfe aus Österreich. Bei einem Besuch in Österreichs modernstem Pumpspeicherkraftwerk in Kaprun unterzeichnete Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) am Freitag eine gemeinsame Erklärung mit seinem österreichischen Amtskollegen Reinhold Mitterlehner zur Zusammenarbeit bei der Energieversorgung. Dabei geht es vor allem um die Nutzung der österreichischen Pumpspeicherkraftwerke.

Sie können bei der Speicherung von Wind- und Sonnenstrom helfen. Diese zwei erneuerbaren Energien sind wetter- und jahreszeitabhängig, ausreichende Speicherkapazitäten gibt es in Bayern bislang nicht. So könnte in Zukunft mehr bayerischer Ökostrom in die Pumpspeicherkraftwerke in den Alpen geleitet werden, und bei Bedarf Strom aus Wasserkraft aus Österreich nach Bayern zurückfließen. Die Kooperation mit dem Nachbarland ist Teil der bayerischen Bemühungen, bei der Energiewende unabhängiger von den lahmenden Fortschritten in Berlin zu werden.

In diesem Zusammenhang machte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) unterdessen klar, dass er bei seinem Vorschlag der Gründung eines Bayernwerks nicht an eine Renaissance der staatlichen Stromwirtschaft dachte. Es gehe darum, die Akteure im Energiebereich in einem “modernen Bayernwerk“ zusammenzufassen. Seehofer begrüßte die Bemühungen der Bundesregierung; der Freistaat müsse sich aber auch darauf vorbereiten, die Versorgungssicherheit in Bayern für Bürger und Wirtschaft selbst zu gewährleisten. Zeil begrüßte diese Klärung - der FDP-Politiker lehnt die Gründung eines neuen staatlichen Stromversorgers ab.

Seehofer hatte bereits am Vortag mit dem österreichischen Vizekanzler Michael Spindelegger über die Zusammenarbeit auf dem Energiesektor gesprochen - und anschließend erklärt: Strom aus Österreich sei ihm lieber als von der Ostsee.

Zeil betonte, zusätzliche Pumpspeicherkapazitäten seien “zentraler Bestandteil“ des Aufbruchs in ein neues Energiezeitalter. Deshalb entstehe im niederbayerischen Riedl bei Passau ein neues Kraftwerk. “Unabhängig davon ist die Kooperation mit unserem Nachbarland unerlässlich.“

Zeil kritisierte erneut die schwarz-gelbe Bundesregierung - leider sei auch nach dem jüngsten Energiegipfel der Durchbruch noch nicht geschafft. “Wir brauchen mehr koordinierte Aktionen“, sagte er und verlangte Taten beim Netzausbau, bei der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und bei der Verbesserung der Investitionsbedingungen für neue konventionelle Kraftwerke.

Der Pumpspeicher Limberg II in Kaprun ist nach österreichischen Angaben das derzeit modernste Pumpspeicherkraftwerk Europas. Das im vergangenen Jahr für mehr als 400 Millionen Euro fertiggestellte Wasserkraftwerk bringt eine Leistung von 480 Megawatt. Österreich ist nach Einschätzung der Wiener Bundesregierung in der Energiewende weiter fortgeschritten als Deutschland. Österreich erzeugt bereits jetzt knapp 70 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien - hauptsächlich aus Wasserkraft. Bisher ist die Alpenrepublik noch Netto-Stromimporteur, doch in zwei Jahren werde Österreich zum Exporteur werden, sagte Wirtschaftsminister Mitterlehner.

In Planung ist bereits eine neue Stromtrasse von Altheim an der Isar in der Nähe von Landshut in die Nähe von Braunau in Oberösterreich.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

23 Tote in Manchester: Das sind die ersten Reaktionen
23 Tote in Manchester: Das sind die ersten Reaktionen
AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
AfD-Politiker wünscht sich islamistische Anschläge in Deutschland
Impeachment-Verfahren: Steht die Amtsenthebung Trumps bevor?
Impeachment-Verfahren: Steht die Amtsenthebung Trumps bevor?
Anschlag in Manchester: Dieser Mann hat 22 Menschen auf dem Gewissen
Anschlag in Manchester: Dieser Mann hat 22 Menschen auf dem Gewissen

Kommentare