Harter Streit

Pädo-Debatte: CSU und Grüne mit harten Attacken

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Die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke (links), hat CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt am Dienstag in Berlin Wahlkampf auf dem Rücken von Missbrauchsopfern vorgeworfen.

Berlin - Was haben Pädophile bei den Grünen gemacht? Vor der Bundestagswahl wird der Streit über diese heikle und peinliche Frage mit harten Bandagen geführt.

Der Streit über frühere Umtriebe von Pädophilen bei den Grünen eskaliert. Die Bundesgeschäftsführerin der Partei, Steffi Lemke, warf CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt am Dienstag in Berlin Wahlkampf auf dem Rücken von Missbrauchsopfern vor.

Lemke hielt Dobrindt vor allem vor, dass er den Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit als „widerwärtigen Pädophilen“ bezeichnet hatte. „Dann sollten Sie Anzeige erstatten oder diesen Vorwurf zurücknehmen“, sagte Lemke bei einer Konferenz der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Dobrindt bekräftigte bei der gleichen Veranstaltung „große Zweifel (...), dass es richtig ist, wie die Grünen probieren, die schützende Hand über so einen widerwärtigen Typen wie den Cohn-Bendit zu halten“. Die Grünen sollten die Pädophilie-Vorgänge aufklären.

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Lemke griff zu folgender Retourkutsche: „Bei Ihnen ist einer, der einen Menschen totgefahren hat, hinterher Verkehrsminister geworden.“ Gemeint war Otto Wiesheu, der 1983 in alkoholisiertem Zustand einen tödlichen Verkehrsunfall auf der Autobahn verursachte. Zehn Jahre später wurde er in Bayern Minister für Wirtschaft und Verkehr.

Lemke sagte, Dobrindt betreibe widerwärtigen Wahlkampf. Den Versuch von Pädophilen, in den 80er Jahren Einfluss auf Grünen-Programmatik zu nehmen, räumte sie ein - er sei aber komplett gescheitert. Nun werde dieses Kapitel von einem unabhängigen Forscher aufgearbeitet, bekräftigte sie.

Die Unionsfraktion fordert von den Grünen eine schnellere Klärung. „Einen Parteienforscher mit Frist zum Jahresende zu beauftragen, zeigt lediglich, dass die Grünen an einer raschen Aufarbeitung nicht interessiert sind“, sagte die CDU-Abgeordnete Erika Steinbach, die die Fraktionsarbeitsgruppe Menschenrechte leitet. „Die Grünen müssen selbst die Vorwürfe klären und die Öffentlichkeit noch bis zur Sommerpause unterrichten.“ Lemke entgegnete, die Arbeit in den Archiven brauche die Zeit.

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Die Grünen-Europapolitikerin Rebecca Harms nahm Cohn-Bendit in Schutz. „Ich arbeite nach wie vor sehr gern mit ihm zusammen“, sagte sie. „Es gibt niemanden bei uns, der glaubt, er hat sich an kleinen Mädchen vergriffen. Den Vorwurf, Grüne würden Pädophilie decken, halte ich auch für irre.“

Cohn-Bendit hatte 1975 in einem halb fiktiven Buch über seine Zeit als Kindergärtner geschrieben: „Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln.“ Mehrfach sagte er auch in jüngster Zeit, dies sei nur eine dumme und geschmacklose Provokation gewesen.

Der „Spiegel“ hatte zudem mit einem Bericht eine Debatte über Pädophile bei den Grünen in den 80ern angefacht. Eine „Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Päderasten und Transsexuelle“ („BAG SchwuP“) habe für die Legalisierung von Sex mit Kindern agiert und in der Partei einen größeren Einfluss als bisher bekannt gehabt. 1987 sei die „SchwuP“ aufgelöst worden.

dpa

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