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Papst fordert "Umweltbewusstsein" für den Frieden

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Papst Benedikt XVI. hat am Neujahrstag zum Frieden in aller Welt aufgerufen.
Papst Benedikt XVI. hat am Neujahrstag zum Frieden in aller Welt aufgerufen. © dpa

Rom/Hamburg - Papst Benedikt XVI. hat am Neujahrstag zum Frieden in aller Welt aufgerufen. Was für dieses Ziel nötig ist, hat der Pontifex beim Gottesdienst im Petersdom erklärt.

“Frieden beginnt mit einem respektvollen Blick auf den anderen, der in diesem den Mitmenschen erkennt - unabhängig von seiner Hautfarbe, seiner Nationalität, seiner Sprache und seiner Religion“, sagte der Papst in Rom. Der mitmenschliche Respekt sei dabei unmittelbar mit dem Respekt für die Natur verbunden, denn “wo der Mensch verkommt, verkommt auch sein Lebensraum“. In diesem Sinne forderte er beim Neujahrsgottesdienst im Petersdom “ein neues weiter gefasstes und tiefer gehendes Umweltbewusstsein“, um Frieden zu schaffen und zu sichern.

Beim Angelusgebet erinnerte der Pontifex an die Klimakonferenz von Kopenhagen, die vor kurzem aufs Neue “die Dringlichkeit eines gemeinsamen Handelns“ aufgezeigt hätte. Gleichzeitig wandte sich das katholische Kirchenoberhaupt erneut gegen jede Art von Aufrüstung und forderte alle “bewaffneten Gruppen“ auf, die Waffen niederzulegen. Am 1. Januar feiert die katholische Kirche seit 1967 traditionell den Weltfriedenstag. In seiner Vesper zum Jahresabschluss hatte Benedikt am Vorabend zu Solidarität mit Menschen in Not aufgerufen.

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Die christlichen Kirchen in Deutschland appellierten an die Gläubigen zu Beginn der neuen Dekade, sich stärker in der Gesellschaft zu engagieren. “Melden wir uns zu Wort. Mischen wir uns ein“, forderte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zu Silvester im Freiburger Münster. Christen sollten sich in Verbänden, Parteien und Gremien aktiv beteiligen. “Gegen Unzufriedenheit, Ungerechtigkeit und Missstände helfen weder Resignation noch Aggression“, sagte der Freiburger Erzbischof. Der Trierer Bischof Stefan Ackermann warnte vor einer “selbst gewählten Emigration“. Gläubige sollten sich nicht “in den vermeintlich geschützten kirchlichen Innenraum zurückziehen“.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, rief dazu auf, mit Gottvertrauen und Mut ins Neue Jahr zu gehen. “Viele Menschen, die viele kleine Schritte gehen, können das Gesicht der Erde verwandeln“, sagte die hannoversche Landesbischöfin in ihrer Neujahrspredigt in der Dresdner Frauenkirche. Jeder wünsche sich eine heile Welt. “Die Realität aber ist: der Alltag.“ Darin sei vieles nicht in Ordnung, etwa beim Klimaschutz - auch nicht nach Kopenhagen - oder der Kinderarmut in Deutschland. Käßmann sprach sich für ein Ende des Afghanistan- Einsatzes aus. Zivilisten seien getötet worden, Waffen schafften dort offensichtlich keinen Frieden. “Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen.“

Die Erzbischöfe von München und Bamberg, Reinhard Marx und Ludwig Schick, beklagten eine zunehmende Dominanz rein wirtschaftlichen Denkens. “Eine Gesellschaft, die materielle Verbrauchsgüter ins Zentrum stellt, verliert ihre Kultur“, sagte Marx in seiner Silvesterpredigt in München. Der 2. Ökumenische Kirchentag, den Katholiken und Protestanten im Mai gemeinsam in München feiern, sei eine Chance, den Glauben in die Öffentlichkeit zu rücken.

Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Bischofskonferenz, kritisierte das Scheitern des Weltklimagipfels in Kopenhagen und das Ergebnis des Welternährungsgipfels kurz zuvor in Rom. Auch dort hätten nicht die Menschen im Mittelpunkt gestanden, sondern nationale Wirtschaftsinteressen.

Der Papst hatte bereits Mitte Dezember eine Botschaft mit dem Titel “Willst du den Frieden fördern, so bewahre die Schöpfung“ veröffentlicht. Darin rief er eindringlich zu mehr Verantwortung für die Umwelt auf. Der Mangel an Bewusstsein für die Gesundheit des Planeten sei “nicht weniger besorgniserregend“ als “Kriege, internationale und regionale Konflikte, Terrorakte und Menschenrechtsverletzungen“. Nur durch weltweite Zusammenarbeit und den Einsatz jedes Einzelnen könne die Zerstörung der Erde verhindert werden.

dpa

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