Paris hält Verbleib Gaddafis in Libyen für möglich

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Die Anhänger Gaddafis bekamen eine Audiobotschaft zu hören.

Paris/Bengasi - Während in Kämpfen um Brega zahlreiche Rebellen getötet wurden, hat der französische Außenminister Alain Juppé eine außergewöhnliche Lösung für den Konflikt vorgeschlagen.

Als Lösung für den Konflikt in Libyen hat der französische Außenminister Alain Juppé am Mittwoch einen Verbleib von Machthaber Muammar al Gaddafi bei gleichzeitigem Machtverzicht vorgeschlagen. Eine der ins Auge gefassten Möglichkeiten sei, dass Gaddafi unter einer Bedingung im Land bleibe: “dass er deutlich vom politischen Leben in Libyen abtritt“, sagte Juppé im Fernsehsender LCI. Gaddafi hat erklärt, er werde niemals zurücktreten oder aus dem Land fliehen.

Libyen: Kämpfe zwischen Rebellen und Gaddafi-Truppen

Libyen: Kämpfe zwischen Rebellen und Gaddafi-Truppen 

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy traf am Mittwoch in Paris mit drei Rebellenführern aus der westlibyschen Hafenstadt Misrata zusammen. Sie bemühen sich um Waffen und andere Unterstützung für einen Vormarsch der Aufständischen auf die Hauptstadt Tripolis. Ihre Botschaft sei gewesen: “So, wie wir unsere Stadt befreit haben, können wir auch auf Tripolis vorrücken“, sagte der Philosoph Bernard Henri-Levy, Mitorganisator des Treffens. Konkrete Maßnahmen verkündete Sarkozy nicht.

Gaddafi wandte sich am Dienstag in einer Audiobotschaft an rund 5.000 Teilnehmer einer Demonstration seiner Anhänger in der Stadt Al Asisija. Darin betonte er die Bedeutung des Öls für seine Regierung und bezeichnete den Bürgerkrieg als Kampf “für unsere Lebensweise“.

Gaddafi räumte ein, dass der Treibstoffmangel in den von Regierungstruppen kontrollierten Gebieten des Landes den Menschen den Alltag erschwere. Der Kampf habe die Wohnungen erreicht. “Er betrifft die Nahrung unserer Kinder, unser Öl, unsere Ölfelder“, sagte Gaddafi in einer Aufnahme, die vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Auch die Strom- und Gasversorgung sei von Ausfällen betroffen.

Blutige Proteste in Libyen

Blutige Proteste in Libyen

Bei Gefechten um die strategisch wichtige libysche Ölstadt Brega kamen nach Angaben eines Arztes vom Mittwoch innerhalb von sechs Tagen mehr als 50 Rebellen ums Leben. Allein am Dienstag seien 27 Kämpfer getötet und 83 verletzt worden, sagte Mohammed Idris, ein Arzt am Krankenhaus von Adschdabija, in das die Opfer eingeliefert wurden. Die meisten hätten Schussverletzungen an Kopf und Brustkorb erlitten.

Um die Kontrolle über Brega toben seit Tagen erbitterte Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen. Ein Sprecher der Rebellen sagte am Dienstag, die Aufständischen kontrollierten etwa ein Drittel der Stadt. Ein Regierungssprecher bezifferte die Zahl der getöteten Aufständischen auf etwa 500.

dapd

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