Parteiforscher erklärt Läster-Attacke

Was hat Seehofer denn da nur geritten?

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Horst Seehofer (r.) hat unter anderem gegen Markus Söder gestänkert

München - Auf seiner Weihnachtsfeier hat Horst Seehofer über seine Parteikollegen von der CSU orgentlich vom Leder gezogen. Ein Parteienforscher erklärt, was den Ministerpräsidenten da geritten hat.

Kurz vor Weihnachten brennt bei der CSU der Baum. Angezündet hat ihn Horst Seehofer höchstselbst, indem er vor Journalisten gezielt gegen Parteikollegen wie Markus Söder stänkerte. Nun verbünden sich wiederum Rivalen gegen den Parteichef (siehe unten). Was reitet den CSU-Chef zu seinen öffentlichen Attacken gegen die eigenen Leute? Parteienforscher Prof. Heinrich Oberreuter blickt in die schwar­ze Seele des Horst S.

Auf seiner Weihnachtsfeier sagt Horst Seehofer erst, dass die Journalisten alles schreiben dürfen, und lästert dann munter über seine Parteikollegen. Was soll das?

Prof. Heinrich Oberreuter: Das ist nicht rational, sondern übermütig. So etwas kann nur in einer Position passieren, in der man sich ungebremst kraftvoll fühlt und völlig alternativlos. So eine Einzigartigkeit ist aber in der Politik mit ihren vielen Bausteinen eine Fehlwahrnehmung. Horst Seehofer hat Loyalität grundsätzlich entwertet. Das könnten ihm gegenüber auch andere tun.

Wie würden Sie Seehofers Regierungsstil beschreiben?

Oberreuter: Horst Seehofer hat einen sehr ich-bezogenen Regierungs- und Umgangsstil. Er geht mit Kollegen in Fraktion und Kabinett hart um. Das ist aber nicht neu: Dass er sehr emotional ist und die Welt vordringlich aus seiner Perspektive betrachtet, hat man Horst Seehofer schon vor seiner Zeit als Ministerpräsident zugeschrieben – als Begründung dafür, dass er angeblich nicht geeignet sei. Einen allzu rigiden Regierungsstil ertragen die Leute irgendwann nicht mehr: neben den direkt Betroffenen auch alle, die einmal Betroffene werden könnten. Der Krug geht so lang zum Brunnen, bis er bricht.

Wie lange lassen sich Minister also solche öffentlichen Hinrichtungen gefallen?

Oberreuter: Sie werden es sich gefallen lassen. Wir sind mitten im Wahlkampf. Jeder, der jetzt eine Revolution anzetteln würde, wäre dann auch schuld an einem schlechten Wahlergebnis. Also heißt es: Die Faust in der Tasche ballen und durch! Zwar gibt es in der Politik immer irgendeinen Ersatz – aber nicht ein dreiviertel Jahr vor der Wahl an der Spitze.

Was heißt es, wenn Horst Seehofer seinem Schützling Markus Söder nun „charakterliche Schwächen“ attestiert?

Oberreuter: Wer seine eigenen Führungskräfte für unzulänglich hält, muss sich selbst zwei Dringe fragen: Ob er bei der Auswahl sachkundig war, und ob es denn dann keine besseren Leute gibt.

Aber der Erfolg in den Umfragen scheint Horst Seehofer Recht zu geben.

Oberreuter: Die CSU ist in einer Erholungsphase gewesen. Sie hat durchaus das Zeug, die tiefe Krise von 2008 zu überwinden. Bei den Landtagswahlen 2013 wird sie wieder führende Regierungspartei werden. Sie steht in der öffentlichen Meinung stabiler da, als sie es vor einem Jahr noch geträumt hätte. Doch kaum zeigt sich eine Beruhigung, fängt sie sich aus Hochmut kritische Probleme ein, die nicht nützlich sind. Man ist immer dann am gefährdetsten wenn man meint, man könne vor lauter Kraft nicht mehr laufen.

Es drängt sich also der Gedanke auf, dass Horst Seehofer der gleichen Hybris verfällt wie Edmund Stoiber in seiner Endphase?

Oberreuter: Die Gedanken sind frei.

Wie lange kann so ein Verhalten der CSU-Führung noch gut gehen?

Oberreuter: Das weiß niemand. Innerparteiliche Querelen sind zwar nicht vertrauensbildend, aber auch nicht unbedingt weiter schädlich. Die Wähler haben ohnehin das Bild, Politik sei ein schmutziges Geschäft. Sie reagieren eher auf wirtschaftliche Instabilität als auf charakterliche Fragen. Deshalb hat sich auch die Affäre um CSU-Sprecher Strepp in den Umfragen nicht ausgewirkt. Anders könnte es aussehen, wenn gleichzeitig von der SPD mehr Zukunftsglanz und Alternativen ausgehen würden.

Interview: Walther Schneeweiß

Wen der CSU-Chef gerade warum mobbt

Markus Söder

Erst beförderte Seehofer Söder zum Kronprinz und Finanzminister, ließ ihn gegen Griechen poltern. Das passt jetzt nicht mehr. Söder ist deshalb plötzlich „charakterlich schwach“ und „vom Ehrgeiz zerfressen“.

Peter Ramsauer

Während Seehofer herumschipperte, um über den Donau-Ausbau zu diskutieren, fühlte er sich von Verkehrsminister Ramsauer gestört: „Zar Peter“ ließ verkünden, dass die EU für einen „sanften Ausbau“ kein Geld zahle.

Hans-Peter Friedrich

„Mit so einem Minister müssen wir in den Wahlkampf“, ätzte Seehofer gegen Innenressort-Chef Friedrich. Ihm nimmt es der CSU-Chef übel, dass er in der Diskussion um ein NPD-Verbot nicht klar Stellung bezog.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Auf dem CSU-Parteitag im Oktober konnte sich Seehofer noch vorstellen, dass Guttenberg nach 2013 eine neue Karriere in der CSU machen könnte. Der Öffentlichkeit war das egal. Jetzt ist „KT“ nur noch ein „Glühwürmchen“.

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