Vier Indizien, die dafür sprechen

Pegida: Ist die Bewegung am Ende?

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Lutz Bachmann: Der Pegida-Gründer trat am Mittwoch zurück

Leipzig - Pegida agiert seit dem Rücktritt Lutz Bachmanns kopflos. Die tz hat Indizien gesammelt, die auf ein baldiges Ende der Islamfeinde hindeuten könnten.

Die Ereignisse rund um die Anti-Islam-Bewegung überstürzten sich in den letzten Tagen: Gerade hatte die Pegida-Führung noch versucht, das Verbot ihres letzten Montags-„Spaziergangs“ – wegen einer Morddrohung gegen Frontmann Lutz Bachmann – für ihre Zwecke zu nutzen und auch einigermaßen seriös aufzutreten. Zwei Tage später war es damit vorbei. Pegida ist seit dem Rücktritt Bachmanns buchstäblich kopflos. Die tz sucht nach Indizien, die auf ein baldiges Ende der Pegida hindeuten könnten.

Führungslosigkeit: Bachmann hatte Selfies mit Hitlerbärtchen und ausländerfeindliche Bemerkungen („Viehzeug“, „Dreckspack“) auf Facebook gepostet. Er war als Gründer und Vorstandsvorsitzender des Vereins neben Sprecherin Kathrin Oertel das Gesicht der Pegida gewesen. Oertel versucht jetzt, einerseits die „Verdienste“ Bachmanns zu würdigen, sich andererseits von seinen Aussagen zu distanzieren.

Streit zwischen Pegida und Legida: Pegida bestreitet einen Zusammenhang mit der Leipziger Bewegung Legida. Die hatte am Mittwoch statt der angekündigten 40.000 nur 15.000 Teilnehmer auf die Straße gebracht. Die Gegner waren auch hier in der Überzahl. Pegida-Sprecherin Oertel prüft sogar eine Unterlassungserklärung gegen Legida, weil die sich weigerte, die sechs Kernforderungen zu unterzeichnen, die Bachmann bei der Pressekonferenz letzten Montag aufgestellt hatte. Legida ist Pegida zu krass.

Pegida-Ableger mit wenig Zulauf: Es hat sich bereits gezeigt, dass die versprengten Grüppchen in anderen Städten nicht in der Lage sind, eindrucksvolle Demonstrationen auf die Beine zu stellen – siehe München. Wenig geschlossen wirkt die Bewegung auch, weil das Dresdner „Original“ offenbar diktieren will, wer als Kämpfer für das Abendland gelten darf.

Promi-Aufgebot bei Gegendemos: Unter dem Motto „Offen und bunt – Dresden für alle“ gehen nächsten Montag Bürger der Stadt auf die Straße, die der Pegida Einhalt gebieten wollen. Es ist anzunehmen, dass Künstler wie Herbert Grönemeyer, Jan-Josef Liefers, die Gruppe Silly mit Anna Loos und Jeanette Biedermann das ihre tun, um die Teilnehmerzahlen der Anti-Islam-Bewegung übertreffen.

Oder wird Bachmann einfach ersetzt? Der Politologe Werner J. Patzelt hält es für „Wunschdenken, zu erwarten, dass sich mit dem Rückzug Bachmanns nun auch Pegida auflösen würde“. Andere würden nun an seine Stelle treten. Viele Anhänger seien sogar erleichtert, dass sie sich nicht mehr mit der „peinlichen Biografie“ Bachmanns auseinandersetzen müssten.

BW

 

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