Er sieht nur eine Alternativlösung

PR-Guru: "Steinbrück ist ungeeignet"

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Peer Steinbrück

München - PR-Guru Prof. Klaus Kocks erklärt im tz-Interview, warum Peer Steinbrück seiner Meinung nach als Kanzlerkandidat ungeeignet ist - und wer es stattdessen machen könnte.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte versucht, sich mit seinen derben Sprüchen zurückzuhalten. Jetzt hat er die italienischen Spitzenpolitiker Silvio Berlusconi und Beppe Grillo als „Clowns“ bezeichnet – der verbale Italien-Ausflug wird jetzt zur Staatsaffäre. „Es liegt auf der Hand, dass das nicht in Ordnung ist“, erklärt Italiens Präsident Giorgio Napolitano, der gerade in Deutschland weilt. „Jeder kann denken, was er will“. Doch wenn man über ein befreundetes Land und den Ausgang von Wahlen dort rede, „dann muss man wirklich sehr ausgewogen sein in der eigenen Wortwahl.“ Für die tz ordnet PR-Guru Klaus Kocks Steinbrücks Sprüche ein.

Verabschiedet sich Peer Steinbrück gerade freiwillig von seiner Kanzlerkandidatur?

Prof. Klaus Kocks, PR-Guru und Chef der „Cato-Sozietät“: Ja. Er kann es einfach nicht. Es ist völlig grotesk, italienische Wähler beleidigen zu wollen, als Deutscher Italien beleidigen zu wollen. Und das absurdeste: Steinbrück muss von dem greisen kommunistischen Staatspräsidenten Italiens darüber belehren lassen, was sich eigentlich gehört!

Was fehlt Steinbrück denn zum erfolgreichen Kandidaten?

Kocks: Nach seinen Honorartrips quer durch die Republik hat schnell seine charakterliche Eignung infrage gestanden. Besonders sein hochdotierter Vortrag bei den Stadtwerken Bochum unterstreicht das. Steinbrück hat gewusst, dass die Stadtwerke Bochum marode sind und dass die Leute seinen Auftritt mit ihrer Stromrechnung bezahlen. Unter diesen Voraussetzungen für ein halbstündiges Rumlümmeln auf der Bühne 25 000 Euro zu kassieren, stellt für mich die charakterliche Eignung infrage.

Was ändert sich jetzt durch die Aussagen zur Wahl in Italien?

Kocks: Die stellen seine staatspolitische Eignung infrage. Solche Sprüche wären nicht mal einem betrunkenen Franz Josef Strauß passiert.

Kalkuliert Steinbrück diese Ausfälle oder ist das eine Art politisches Tourette-Syndrom?

Kocks: Das ist bei ihm ein Reflex. Steinbrück ist ein Rotzjunge, der zu einem ministerialen Rechthaber wurde. Deshalb eignet er sich nicht für Staatsämter, die Aurorität und Seriösität verlangen.

Diese Eigenschaften Steinbrücks waren aber doch bekannt. Trotzdem war er hochangesehen und ist deshalb Kanzlerkandidat geworden…

Kocks: Wenn sie nur die Registrierkasse der Regierung sind, dann brauchen sie keinen Charme. Das kennt doch jeder aus seinem privaten Vereinsleben: Zwischen dem Kassenwart und dem Vereinspräsidenten besteht ein großer Unterschied. Der Kassenwart kann – mit Verlaub – ruhig ein Arschloch sein, so lange er die Finanzen zusammen hält. Aber jemand, den ich als Führungspersönlichkeit will, der das deutsche Volk repräsentieren will und der dann einfach sagt, die italienischen Wähler sind bescheuert – das geht gar nicht.

Peer Steinbrück: Von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen

Peer Steinbrück: Von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen

Und was treibt ihn dazu, immer wieder die eigene, sozialdemokratische Kernwählerschaft vor den Kopf zu stoßen?

Kocks: Er ist ein großes polemisches Talent. Und er lebt frei nach dem Motto: Lieber eine Millionen Wähler verloren als einen Witz ausgelassen. Das funktioniert natürlich nicht – und deshalb wird er zurücktreten müssen.

Wäre ein solcher Kandidatenwechsel denn überhaupt vermittelbar?

Kocks: Natürlich würde es der Partei auch schaden. Die SPD ist von einer 33-Prozent-Partei zu einer 25-Prozent-Partei geschrumpft – bleibt Steinbrück Kanzlerkandidat ist zu befürchten, dass die Sozialdemokraten unter 20 Prozent bleiben. Das wären schon fast bayerische Verhältnisse.

Was sagt die Kandidatur Steinbrücks über die Besetzung solcher Posten in Deutschland aus?

Kocks: Es zeigt, dass die amerikanischen Vorwahlkämpfe gut sind. Man macht sich jah ier immer lustig darüber, dass die Amerikaner über Wochen und Monate so einen Zirkus um die Vorwahlen veranstalten. Man kann das aber auch so sehen: In den USA haben sie ausreichend Zeit, die Kandidaten zu prüfen. Geprüft und für viel zu leicht befunden – dieses Urteil wäre über Steinbrück gefällt worden.

Wer müsste Steinbrück denn ersetzen?

Kocks: Parteichef Sigmar Gabriel will noch nicht, weil er auf die Wahl 2017 schielt. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft steht überhaupt nicht zur Debatte. Also bleibt nur einer übrig: Frank-Walter Steinmeier. Er muss es machen und er wird es machen.

Interview: Marc Kniepkamp

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