1 Prozent rauf im Westen

Rente: Warum bekommt der Osten 3 Prozent mehr?

München - Ostdeutsche Rentner können nächstes Jahr mit rund drei Prozent mehr rechnen, ihre West-Kollegen aber nur mit einem Plus von einem Prozent bei der Altersversorgung. Die tz erklärt die Ursachen und Folgen.

Diese Statistik-Panne sorgt für ordentlich Ärger: Ostdeutsche Rentner können nächstes Jahr mit rund drei Prozent mehr rechnen, ihre West-Kollegen aber nur mit einem Plus von einem Prozent bei der Altersversorgung! Das berechnete die Deutsche Rentenversicherung Bund voraus. Nach Solidarpakt und Länderfinanzausgleich steht eine neue Neiddiskussion zwischen Ost und West ins Haus. Die tz erklärt die Ursachen und Folgen der irren Renten-Rechnerei:

Wie konkret sind die Zahlen?

Sie sind eine Schätzung, aber sie kommt immerhin von den Grals­hütern der deutschen Rentenkasse. Die Vorstandsvorsitzende Annelie Buntenbach betonte, nur von „Hausnummern“ sprechen zu können: Westdeutsche können danach mit einem Plus in „einer Größenordnung von etwa einem Prozent“ rechnen. „Im Osten mit gut drei Prozent.“ Allerdings fehlen noch wichtige Daten, weshalb die tatsächliche Rentenerhöhung zum 1. Juli 2013 anders aussehen kann.

Woher kommen die zwei Prozentpunkte Unterschied?

Ein Grund liegt in der Renten­garantie der Bundesregierung: Um die unter der Inflation besonders leidenden Rentner zu schützen, gab es 2010 eine Nullrunde statt weniger Rente. Doch das eigentliche notwendige Minus wurde in den vergangenen Jahren nachgeholt. Die Ostdeutschen konnten diese damals nicht erfolgte Rentenkürzung bereits aufarbeiten, die West-Rentner jedoch nicht. So erklärt sich ein Teil des Unterschieds zwischen Ost und West.

Und was ist mit dem Rest?

Der ist zwischen zwei Statistiken verloren gegangen! Einfach gesagt: Die Löhne, die für die Renten­berechnung die Grundlage sind, sind im Westen weniger stark gestiegen als zunächst angenommen, im Osten aber umso mehr. So richtet sich eine Rentenerhöhung zunächst nach der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, wofür Daten des Statistischen Bundesamts vom Frühjahr eines Jahres die Grundlage sind. Das Problem: Bei diesen Zahlen sind auch Beamte und Soldaten enthalten, die aber für die Berechnung der gesetzlichen Renten keine Rolle spielen. Erst im Januar darauf hat die Rentenversicherung die genauen Zahlen und kann anhand der bei ihr eingegangenen Beiträge feststellen, wie sich das Durchschnittseinkommen der Versicherten entwickelt hat. Und da gab es einen deutlichen Korrekturbedarf.

Um wieviel lagen die Statistiker bei den Löhnen daneben?

In den alten Bundesländern musste die Rentenversicherung die Daten der Lohnentwicklung um 0,6 Punkte nach unten korrigieren, im Osten aber um 1,2 Punkte nach oben.

Warum bekommen Ost-Rentner überhaupt immer eine größere Rentenerhöhung?

Weil sie bei gleichen Beitragsjahren noch immer weniger Rente ausbezahlt bekommen: Der sogenannte Rentenwert, den ein Durchschnittsverdiener für ein Jahr Arbeit später je Monat ausbezahlt bekommt, beträgt im Westen derzeit 28,07 Euro. Im Osten liegt der Rentenwert aber derzeit noch 3,15 Euro niedriger.

Schauen West-Renter jetzt also in die Röhre?

Wenn die Bundesregierung kein Herz mit ihnen zeigt: ja. Buntenbach, die für die Arbeitnehmerseite und den DGB im Vorstand der Rentenversicherung sitzt, fordert: Westrentner sollen 2013 noch nicht das Renten­minus vergangener Jahre nachholen. Damit könnten sie mit einer Rentenerhöhung von 1,7 Prozent statt einem Prozent rechnen. Das lehnt das die Arbeitgeberseite vertretende Renten-Vorstandsmitglied Alexander Gunkel jedoch ab: „Es muss gewährleistet sein, dass Kürzungen nachgeholt werden.“

Walther Schneeweiß

Kommt Rente unpünktlich?

Pünktlich und zuverlässig bekommen Deutschlands Rentner ihr Geld monatlich aufs Konto. Doch das könnte sich bald ändern, warnt die Deutsche Rentenversicherung! Der Grund: Ab Februar 2014 soll es das bisherige Lastschriftverfahren für Institutionen nicht mehr geben, weil Europas Banken auf das einheitliche Zahlungssystem SEPA umstellen. Doch schneller wird dadurch nichts – im Gegenteil: Die Rentenversicherer rechnen zwischen drei und fünf Tage mehr, bis sie an ihr Geld kommen. Herbert Rische, Präsident der Deutschen Rentenversicherung, ist alarmiert: „Wir haben schon jetzt jeden Monat ein paar Stunden, wo wir uns fragen: Kommt nun das Geld rechtzeitig oder nicht?“ Bislang hätten die Banken noch keine Lösung angeboten. Seine Kollegin Buntenbach warnt vor einem zweiten Problem: Die politisch gewollten schwindenden Rücklagen der Versicherung. Mit der Senkung des Renten-Beitragssatzes auf 18,9 Prozent sinkt auch die Notkasse der Versicherung. Im Moment könnte sie noch 1,7 Monate überbrücken. Im Jahr 2017 sind aber nur noch 0,7 Monate in der Nachhaltigkeitsrücklage drin.

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