Hilfeschrei, weil es nicht reicht

Renten-Panik: 54-Jährige schreibt einen Brandbrief an Ministerpräsident Söder

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Hilfeschrei an die Politik: CSU-Chef Markus Söder

Petra B. arbeitet, seit sie 15 ist, hat einen Sohn großgezogen – und muss fürchten, im Alter nicht einmal mehr ihre Miete zahlen zu können. Jetzt wendet sie sich mit einem Hilferuf an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). 

München - Der Fall der 54-Jährigen steht exemplarisch für viele Menschen im Raum München. „Ich habe noch nie an einen Politiker geschrieben – aber als ich die Berechnung meiner Rente gesehen habe, die kaum für eine Miete im Münchner Raum reichen wird, da musste es einfach raus!“, so die Frau. Freunde hätten ihr von dem Brief abgeraten, mit dem Argument: Das bringt doch eh nichts … „Aber wenn wir alle den Kopf in den Sand stecken, ändert sich nie etwas“, so Petra B. 

Lesen Sie ihren offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder (den Sie auch an Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Sozial­minister Hubertus Heil, beide SPD, schickte).

Der Hilferuf: Das schreibt Petra B. an Markus Söder

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

ich hoffe, dass dieser Brief Sie erreicht. Darf ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Petra B., 54 Jahre, in München geboren, verheiratet, ein Sohn und wohnhaft in Ismaning.

Seit meinem 15. Lebensjahr arbeite ich in einer Behörde in München. Wegen der Geburt und Erziehung unseres Sohnes war es mir nicht immer möglich, Vollzeit zu arbeiten. Ich war aber durchgängig ohne Fehlzeiten beschäftigt. Momentan arbeite ich wegen gesundheitlicher Probleme 32 Stunden pro Woche.

Im Mai ließ ich mir von einer Dame der „Deutschen Rentenversicherung Bund“ meine voraussichtliche Grundrente ausrechnen. Das Ergebnis dieser Berechnung war:

Mit 63 Jahren (48-jährige Beschäftigung): 14,4 % Abzüge, Steuer- und Sozialversicherung bleiben: 890,00 Euro netto. Mit 65 Jahren (50-jährige Beschäftigung): ohne Abzüge, nach Steuer und Sozialversicherung bleiben: 1050,00 Euro netto.

Es wurde mir die Auskunft erteilt, dass die Zusatzrente (Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder VBL) ebenfalls versteuert wird bzw. werden auch hiervon die Sozialversicherungsbeiträge abgezogen.

Hilfeschrei an die Politik: CSU-Chef Markus Söder

Dazu kommt, dass es durch eine von Ihnen, in Ihrer Zeit als Bayerischer Finanzminister, erlassenen Regelung den Besitzern von Staatswohnungen ermöglicht wurde, sich von der Mietbindung „freikaufen“ zu können.

In einer solchen Wohnung leben wir seit 28 Jahren. Diese wird nun peu à peu an die marktüblichen Mietpreise von Ismaning angepasst. Das heißt, wir müssen fürchten, dass unsere derzeit noch günstige Miete auf 800 oder gar bis zu 1700 Euro Kaltmiete für 70 Quadratmeter ansteigen wird. Die rund 1280,00 Euro Rente von meinem Mann werden dann für die Miete gebraucht. Die Zuzahlung von Medikamenten, welche mein Ehemann aufgrund seiner Autoimmunerkrankung benötigt, nimmt dann zudem einen großen Teil meiner eigenen Rente in Anspruch.

Nun meine Frage an Sie, Herr Dr. Söder: Meinen Sie wirklich, dass man in München oder Landkreis München mit dieser Rente leben kann?

Da ich nach Auskunft der Dame von der Rentenversicherung Bund kein Einzelfall bin und die geburtenstarken Jahrgänge (1955 bis 1965) jetzt nach und nach in Rente gehen, werden meines Erachtens mit den aktuellen Rentenregeln Sozialhilfeempfänger „gezüchtet“.

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Brief an Söder: „Im besten Fall, werden wir uns noch Lebensmittel kaufen können“ 

Im besten Falle werden wir uns noch Lebensmittel (Überlebensmittel!) kaufen können, keinesfalls aber mehr Gebrauchsgüter. Unsere Angst vor dem sozialen Abstieg und der wirtschaftlichen Stagnation ist groß.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, wo bleibt die Anerkennung der geleisteten Arbeit nach einem halben Jahrhundert Staatsdienst? Wo bleibt die Würde des Menschen, wenn man sich nach 50 Jahren geleisteter Arbeit dennoch in die Reihe der Sozialhilfeempfänger einreihen muss?

Sehr geehrter Herr Dr. Söder, hiermit appelliere ich an Ihr Verständnis und bitte Sie eindringlich, die Rentensituation mit der Versteuerung der Grund-, Betriebs- und Zusatzrenten bzw. die Doppelzahlung der Sozialversicherungen zu überdenken und überlebenswürdige Renten – auch für Kleinverdiener – zu schaffen.

Sicher können Finanzausgleiche und Einsparungen getätigt werden, die nicht auf dem Rücken der Steuerzahler ausgetragen werden müssen. Dabei denke ich z. B. an höhere Abgaben für Großkonzerne und an leerstehende Einrichtungen am Münchner Flughafen für Asylanten für 350 000 Euro monatlich.

Um eine Neuregelung für schwerbehinderte Menschen bitte ich Sie ebenfalls. Sie wurde anscheinend bei der letzten Reform vergessen.

Mit freundlichen Grüßen

Petra B.

Mehr Kindergeld und höhere Renten: Was sich zum Juli ändert

Zum Juli wird - unter anderem - das Kindergeld erhöht. Foto: Julian Stratenschulte
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Für das erste und zweite Kind erhalten Familien ab 1. Juli 204 Euro statt bisher 194 Euro pro Monat. Foto: Jens Büttner
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Geringverdiener müssen ab dem 1. Juli weniger Sozialabgaben zahlen. Foto: Andreas Gebert
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Kommentare

Nachdenken über DeutschlandAntwort
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Die Grünen können auch den Euro nicht zweimal ausgeben. Und die Afd hat 6 Jahre nach der Parteigründung noch nicht mal kapiert, wie man Kandidaten juristisch korrekt für eine Landtagswahl aufstellt. Dann doch lieber den Profis die Politik überlassen, aber den richtigen Profis und sicher nicht den roten, dunkelroten oder angegrünten Geldwegnehmern und Umverteilern!

Nachdenken über DeutschlandAntwort
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Trotzdem zieht es die weltweiten Flüchtlingsströme vor allem nach Deutschland, immer nur nach Deutschland. In kein anderes Land wollen sie, es sei denn es gibt dort bereits Verwandte oder Freunde.

Nachdenken über Deutschland
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Man kann ja wohl davon ausgehen, dass ihr Mann ebenfalls eine Rente mindestens in dieser Größenordnung haben wird wie sie selbst. Die gute Frau hat schlicht vergessen, auf die Renteninformation ihres Mannes zu schauen und die beiden Beträge zu addieren. Das weiß doch jedes Kind, dass die Rente nicht das letzte Nettoeinkommen zu 100 Prozent ersetzen kann. Deshalb wird seit 30 Jahren, als die gute Frau zu arbeiten anfing, gepredigt, zusätzlich privat vorzusorgen. Dann müssten sie (und der Arbeitgeber) zu Erwerbszeiten doppelte Beiträge einzahlen. Das ist vollkommen utopisch. Immer diese Jammerei und immer diese gigantische Anspruchshaltung.