Ruby: Nonnen-Strip und Obama-Tanz

So liefen Berlusconis Bunga-Bunga-Partys ab

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Ruby war damals noch minderjährig.

Mailand - Die junge Marokkanerin „Ruby“ hat sich für 19 ausgegeben und will bei den angeblich wilden Bunga-Bunga-Festen in der Villa Silvio Berlusconis auch nichts Anrüchiges bemerkt haben.

Bei Silvio Berlusconis berüchtigten „Bunga Bunga“-Partys ging es heiß her: In ihrer ersten Aussage vor Gericht bestätigte die junge Marokkanerin „Ruby“ am Freitag Berichte über Striptease-Einlagen mit obszönen Verkleidungen in Berlusconis Villa. Zahlreiche junge Schönheiten nahmen an Berlusconis anzüglichen Feiern teil. Eine junge Frau habe als Nonne verkleidet für Berlusconi in dessen hauseigener Disco getanzt, sagte Karima el-Mahroug alias „Ruby“ vor dem Mailänder Gericht. Zeitweise habe sie ihr Kostüm angehoben, um mit ihren langen Beinen zu imponieren. Am Ende habe sie die Robe fallen lassen und in leichter Unterwäsche vor dem Publikum gestanden. Damit bestätigte „Ruby“ frühere Aussagen anderer Zeugen.

Andere Frauen seien gar als US-Präsident Barack Obama und als ein Mailänder Anwalt verkleidet gewesen, der ein Verfahren gegen Berlusconi leitet, sagte die Marokkanerin, die im Zentrum des Prostitutionsskandals um Berlusconi steht. Die Frauen hätten „auf lüsterne Art“ getanzt, sagte „Ruby“, doch Kontakt habe sie nie beobachtet.

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Sechsmal sei sie in Berlusconis Haus zu Besuch gewesen und habe jedes Mal Umschläge mit Bargeld um die 2000 bis 3000 Euro bekommen. Sex mit dem ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten gehabt zu haben, streitet sie ab. Auch mit anderen habe sie keine Affären beobachtet, sagte sie.

Das Verfahren in Mailand richtet sich gegen drei Vertraute Berlusconis: Emilio Fede, der für Berlusconis Medienimperium arbeitet; Nicole Minetti, ein früheres Showgirl; und Dario „Lele“ Mora, ein Schauspieleragent. Sie werden beschuldigt, „Ruby“ und andere Frauen als Prostituierte angeworben zu haben, weisen die Vorwürfe aber zurück.

„Ruby“ schilderte vor Gericht, wie sie mit dem Umfeld des früheren Regierungschefs in Berührung gekommen war. Als sie 16 Jahre alt gewesen sei, habe sie an einem Schönheitswettbewerb in Sizilien teilgenommen, den Fede organisiert hatte. Anschließend sei sie auf der Suche nach Arbeit nach Mailand gezogen und habe schließlich als Bedienung in einem Nachtclub angeheuert. Zufällig habe sie Fede in einem Restaurant wiedergetroffen und an ein Versprechen erinnert, ihr zu helfen. Wenig später, am Valentinstag 2010, sei sie zu einer Party in Berlusconis Haus eingeladen worden. Dort hatte sich die damals 17-Jährige als 24-Jährige ausgegeben.

Bislang hatte „Ruby“ noch nie unter Eid vor Gericht in dem Fall ausgesagt. Im Hauptverfahren wird Berlusconi beschuldigt, für Sex mit der damals Minderjährigen bezahlt und die Affäre anschließend vertuscht zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte in dem kurz vor dem Abschluss stehenden Verfahren am Montag eine sechsjährige Haftstrafe für Berlusconi gefordert.

ap/dpa

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