"Der Abschied von München fällt mir schwer"

Rückkehr in die USA: Generalkonsul Moeller zieht Bilanz

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tz-Redakteurin Barbara Wimmer (unten li.) traf Bill Moeller an seinem Münchner Lieblingsplatz: dem Biergarten am Chinesischen Turm.

Mpünchen - An diesem Wochenende verlässt US-Generalkonsul William (Bill) E. Moeller München, wo er seit 2012 die Stellung gehalten hat. Die tz verabschiedete sich im Biergarten am Chinesischen Turm von ihm.

Sind Sie vor Ihrer Abreise schon ein bisschen wehmütig?

US-Generalkonsul William (Bill) E. Moeller: Ja, es ist deprimierend, dass die drei Jahre schon abgelaufen sind. Ich hätte gerne weitere fünf Jahre!

Das US-Generalkonsulat liegt aber auch schön, so nahe am Englischen Garten. Den mögen Sie besonders?

Moeller: Ich liebe ihn! Schon als GI bin ich von Bad Tölz oft nach München gefahren und, nachdem ich in einem Spezialgeschäft für US-Waren eingekauft habe, im Englischen Garten spazieren gegangen. Der Blick über die große Wiese am Eisbach hinüber zum Monopteros ist einfach phänomenal. In dem Park befindet sich auch mein Lieblingsbiergarten. Unter den schattigen Bäumen habe ich viele Wochenend-Nachmittage verbracht.

Hat Washington nicht auch große Parks?

Moeller: Schon, die National Mall vom Kapitol bis hin zum Lincoln Memorial ist auch schön, aber sehr formal angelegt – der Englische Garten ist etwas fürs Gemüt. Und: Auf der Mall gibt es keinen Biergarten! Und natürlich keine nackten Menschen. (lacht)

Freut sich Ihre Frau auf den nächsten Lebensabschnitt?

Moeller: Es ist auch für Nancy bittersüß. Der Abschied fällt immer schwer, vor allem aus München. Aber wir freuen uns darauf, näher an den Eltern und Verwandten zu sein und unsere drei Kinder, die im letzten Jahr alle bei uns in München waren, weiter oft zu sehen.

Kann es sein, dass Sie Ihren neuen Posten beim Handelsbeauftragten zugewiesen bekamen, weil es Schwierigkeiten mit TTIP gibt?

Moeller: Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind. Präsident Obama hat gerade vom Kongress die Verhandlungsvollmacht bekommen. Ich denke, dass die Verhandlungen dadurch beschleunigt werden.

Weil der Präsident und seine Leute den Vorbehalten der Europäer und der Deutschen offener gegenüberstehen?

Moeller: Wir nehmen die Bedenken der Deutschen sehr ernst. Allerdings wundert mich die große Skepsis hierzulande ein bisschen, weil Deutschland und insbesondere Bayern so stark im Export sind. Von den bestehenden Handelshemmnissen profitieren hauptsächlich die Großkonzerne, weil sie ihre Märkte schützen. Der Abbau dieser Hürden würde insbesondere dem Mittelstand zugutekommen, aber vor allem auch den Verbrauchern. Diese Bedenken richten sich also gegen die eigenen Interessen hierzulande.

Hatten Sie in München eigentlich Ihre eigenen Möbel dabei oder ist das Haus des Generalkonsuls voll ausgestattet?

Moeller: Es ist weitgehend eingerichtet, aber wir haben einige Dinge mitgebracht. Das Klavier meiner Frau etwa, und unser King Size-Bett. Man darf nur begrenzt viel mitnehmen, das Gewicht ist auf 7000 Pfund, etwa 3200 Kilogramm, limitiert – egal, wie groß eine Familie ist. So ein Umzug ist wie eine Geburt, es ist schrecklich, aber man vergisst es immer wieder. Sonst würde man sich das nie wieder antun! Dieses Mal haben wir Probleme, die Herausforderung des Transports unserer Katzen im Flugzeug zu meistern.

Gibt es Souvenirs, die Sie nach Hause mitnehmen?

Moeller mit seiner Frau Nancy beim Armbrustschießen auf dem Oktoberfest.

Moeller: Viele! Bierkrüge, Bücher über Städte und Regierungsbezirke. Besonders freue ich mich über eine Hummelfigur – ein bayerisches Kind, das einen Teller mit Weißwürsten hält. Das Faible für Hummelfiguren habe ich von meiner Mutter. Mir gefallen sie, auch wenn Leute sagen: So ein Kitsch! Und ich nehme schöne Erinnerungen mit. Vor Kurzem wurde in Bad Tölz eine Statue für bayerisch-amerikanische Freundschaft enthüllt: Ein Bayer und ein GI, die sich die Hände schütteln. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Die Beziehung zwischen den in Bad Tölz stationierten Soldaten und der Bevölkerung war wohl die beste von allen US-Kasernen in Bayern. Wir hatten keine Panzer, wir sind zur Ausbildung Ski gefahren.

Eine tolle Sache war auch die Rettung des Amerikahauses; das haben viele engagierte Münchner erreicht. Als sehr bewegend empfand ich den 70. Jahrestag der Befreiung von Dachau mit sechs Veteranen, die damals dabei waren. Für diese 90 bis 95 Jahre alten Männer gab es einen Empfang in meinem Haus. Ein idealer Schlusspunkt für meine Zeit in Bayern war natürlich der G7-Gipfel in Elmau, ganz besonders das spontane Weißwurst-Frühstück von Präsident Obama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Krün. Das hat ihm wirklich Spaß gemacht.

Der US-Geheimdienst hat den BND zum Ausspionieren europäischer Unternehmen benutzt. Wie schwer ist das deutsch-amerikanische Verhältnis durch die Enthüllungen über die NSA belastet?

Der Konsul am Tag der Präsidentschaftswahl 2012 neben einem Obama-Plakat.

Moeller: Erstens gibt es seit etwa einem Jahr einen regelmäßigen Austausch zwischen dem Stabschef im Weißen Haus und Kanzleramtsminister Peter Altmaier über Datenschutz und Nachrichtendienste. Und zweitens wurde in Washington ein Gesetz verabschiedet, das der NSA den Zugang zu gesammelten Metadaten nur nach einem Gerichtsbeschluss erlaubt. Es werden ohnehin keine normalen Bürger abgehört, diese Vorstellung ist falsch. Wie auch die Annahme, die NSA oder andere amerikanische Nachrichtendienste betrieben Wirtschaftsspionage. Wenn man die Vereinigten Staaten versteht, dann realisiert man auch, dass das gar nicht möglich ist. Die USA haben keine Firmen in Staatsbesitz. An wen sollten die Nachrichtendienste zum Beispiel Informationen über Airbus weiterleiten? An Boeing? Es gibt auch weitere US-Flugzeugbauer, die würden dadurch benachteiligt. Viele amerikanische Mitbewerber von Boeing sind Zulieferer für Airbus. Ein Airbus hat mehr als 40 Prozent amerikanische Inhalte, die von US-Zulieferern hergestellt werden. Boeing hat über 40 Prozent europäische Inhalte. Daher würde es keinen Sinn für US-Nachrichtendienste machen, zugunsten von Boeing Wirtschaftsspionage gegen Airbus zu betreiben. Das machen sie schlichtweg nicht.

Die US-Nachrichtendienste sind auf nationale Sicherheit fokussiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht gute Gründe dafür gibt, dass private Firmen Gegenstand von Überwachung durch Nachrichtendienste sind. Sie müssen zum Beispiel sicherstellen, dass Firmen sich an Sanktionsbeschlüsse halten – z. B. in Bezug auf Russland wegen der Ukrainekrise. Wir möchten sicherstellen, dass kein Unternehmen den internationalen Sanktionen zuwiderhandelt und etwas an den Iran liefert, das zum Bau einer Nuklearwaffe benutzt werden könnte. Wir haben auch ein Interesse daran sicherzustellen, dass Unternehmen keine Schmiergelder zahlen. Aber das ist nicht Wirtschaftsspionage. Hier geht es um den Schutz unserer nationalen Sicherheit und der Sicherheit unserer Freunde und Verbündeten.

Sie waren selbst einmal Intelligence Officer im Außenministerium, also ein Agent?

Moeller: Nein, das Außenministerium hat keine Leute, die in dieser Funktion arbeiten. Ich war unabhängiger Analyst im Außenministerium. Diese Abteilung analysiert lediglich Informationen. Ich war damals für die Europäische Union zuständig, während der Zeit des Maastricht-Vertrags.

Was haben Sie ausgewertet?

Moeller: Ich habe die Europäische Union und ihren Integrationsprozess analysiert. Meine Hauptquellen waren die Financial Times, The Economist und Berichte unserer Vertretung in der EU.

Sie reisen am 19. Juli ab. Es ist wohl unwahrscheinlich, dass Sie noch mal in Deutschland stationiert werden?

Moeller: Ich habe von den vergangenen acht Jahren gut sechs in Deutschland verbracht. In Berlin von 2007 bis 2010, die letzten drei in München. Und auch im Weißen Haus war ich in den Jahren 2011/12 für Deutschland zuständig. Ich habe wirklich das Maximum rausgeholt. Aber wenn ich im Rahmen der Arbeit für die Transatlantische Handelspartnerschaft für Deutschland zuständig bin, kann ich zumindest öfter hierher reisen. Das hoffe ich.

Interview: Barbara Wimmer

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