Wulff zur Kritik: 20:15 Uhr im TV - im Internet schon früher

Berlin - Während die Kritiker auch aus den eigenen Reihen immer offener einen Rücktritt fordern, denkt Bundespräsident Christian Wulff gar nicht ans Aufhören. Er will sich am Abend in einem Fernsehinterview äußern.

Ungeachtet der wachsenden Kritik will Bundespräsident Christian

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Hohn und Spott für Wulff

Wulff offenbar im Amt bleiben. Aus Unions-Kreisen war am Mittwoch zu hören, Wulff wolle die Affäre aussitzen und nicht zurücktreten. Die CSU stärkt dem Bundespräsidenten Christian Wulff trotz der neuen Vorwürfe im Zusammenhang mit der Kreditaffäre den Rücken. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte am Mittwoch im oberbayerischen Wildbad Kreuth, Wulff habe nach wie vor den “Rückhalt“ der schwarz-gelben Koalition. Daran habe sich nichts geändert. Dobrindt fügte hinzu, es sei richtig, dass der Bundespräsident nun in einem Interview Stellung nehmen wolle.

Wulff will sich noch am Mittwoch zu den gegen ihn gerichteten Vorwürfen äußern. ARD und ZDF strahlen das Interview mit Bundespräsident Christian Wulff am Mittwochabend um 20:15 Uhr zeitgleich aus. Es soll eine Viertelstunde dauern, teilte das ZDF mit. Geführt wird das Interview von den Leitern der Hauptstadtstudios von ARD und ZDF, Ulrich Deppendorf und Bettina Schausten. Laut Twitterkanal von heute.de werden einzelne Ausschnitte der Aufzeichnung bereits um 19 Uhr im Internet auf heute.de zu sehen sein, auch tagesschau.de überträgt das Teile des Gesprächs vorzeitig.

Ein Sprecher des ZDF betonte auf Nachfrage dieses Portals, dass die Fragen vorher nicht abgesprochen würden.

Massiv in der Kritik

Der Bundespräsident war am Morgen aus dem Weihnachtsurlaub in seinen Amtssitz in Berlin zurückgekehrt. Nach der Affäre um seinen Hauskredit ist er wegen des Versuchs, die Berichterstattung darüber in der “Bild“-Zeitung zu verhindern“, massiv in die Kritik geraten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet in der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff weitere Erklärungen des Staatsoberhaupts. Die Kanzlerin habe volles Vertrauen darin, dass der Bundespräsident alle anstehenden Fragen umfassend beantworten werde, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Mittwoch in Berlin. Er bekräftigte, dass Merkel die Arbeit des Präsidenten außerordentlich schätze. Daran habe sich nichts geändert.

CDU-Frau Lengsfeld fordert offen Wulffs Rücktritt

Auch aus den reihen der Union und der FDP mehren sich die kritischen Stimmen. Die CDU-Politikerin Vera Lengsfeld rief Wulff offen zum Rücktritt auf und brachte den damaligen Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck als möglichen Nachfolger ins Spiel.

Wulff steht seit Wochen wegen eines Privatkredits in der Kritik. Zum Wochenbeginn geriet er unter verstärkten Druck, weil er nach Angaben der “Bild“-Zeitung versucht hatte, einen kritischen Bericht über die Hausfinanzierung zu verhindern. Bereits im Sommer 2011 soll er sich bemüht haben, eine unliebsame Berichterstattung bei einem anderen Blatt der Springer-Presse persönlich aufzuhalten. Wulff schweigt bislang zu den neuen Vorwürfen.

Vom Schülersprecher zum Bundespräsidenten - Wulffs politisches Leben in Bildern

Christian Wulffs politisches Leben in Bildern

Die versuchte Einflussnahme auf die Presse sorgt nicht nur für Empörung in der Opposition, sondern auch für Irritationen in den Reihen von Union und FDP. Die Spitze der Liberalen spricht inzwischen offen von Verfehlungen des Staatsoberhaupts im Umgang mit Springer-Medien.

Der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte der “Stuttgarter Zeitung“: “Ich denke, dass man auch durch eine persönliche Erklärung deutlich machen könnte, dass das ein Fehler war, dass man emotional stark angefasst war.“ Er bedaure sehr, dass nun neue Vorwürfe im Raum stünden. Auf die Frage, ob Wulff noch tragbar sei, antwortete Döring: “Der Bundespräsident ist gewählt und er hat es in der Hand.“ Er sei aber zuversichtlich, dass Wulff “diese Irritationen ausräumen kann“ und dies “alsbald“ tue.

Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sagte, Wulff müsse sich die Frage stellen, ob er noch im Amt bleiben könne. “Wenn die Kraft seiner Worte keine Wirkung mehr entfaltet, kann er sein Staatsamt nicht mehr ausüben“, sagte Kubicki der “Passauer Neuen Presse“. Allein eine “wirklich nachvollziehbare öffentliche Erklärung“ für sein Vorgehen gegenüber der Presse könne die Situation vielleicht noch bereinigen. “Herr Wulff hat nicht mehr viel Zeit für eine Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen“, mahnte der FDP-Mann. Dafür blieben nur noch wenige Tage.

“Wulff, die Witzfigur“

Die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Lengsfeld ging einen Schritt weiter. “Es braucht keine neue Enthüllung, um sicher zu sein, dass Wulff gehen muss“, sagte die CDU-Politikerin der Onlineausgabe des “Handelsblatts“. “Unser Bundespräsident ist endgültig zur Witzfigur geworden.“ Jede Stunde, die er sich länger an das Amt klammere, schade der demokratischen Kultur. SPD und Grüne sollten sich aktiv für Wulffs Ablösung einsetzen. Einen Nachfolgekandidaten lieferte Lengsfeld mit Gauck gleich mit. “Joachim Gauck kann dem Amt seine Würde zurückgeben“, sagte sie.

SPD und Grüne hatten Gauck 2010 gegen Wulff als Kandidaten für das Präsidentenamt ins Rennen geschickt. Es ist unklar, ob Rot-Grün erneut einen eigenen Kandidaten aufstellen würde, falls Wulff vorzeitig ausstiege. In Kreisen der Grünen wird eine erneute Aufstellung von Gauck nicht ausgeschlossen. In der SPD hieß es, im Fall eines Wulff-Rücktritts werde man Gauck sofort fragen, ob er abermals zur Verfügung stehe, wie die “Süddeutsche Zeitung“ berichtete.

Die SPD hat nach anfänglicher Zurückhaltung auf einen konfrontativen Kurs gegen Wulff umgeschwenkt. Auch die Grünen halten sich mit Kritik inzwischen nicht mehr zurück. Vor offenen Rücktrittsforderungen scheuen sich jedoch beide. Grünen-Chefin Claudia Roth sagte der “Süddeutschen Zeitung“, Wulff müsse selbst wissen, ob er noch als Konsensfigur und Wertevermittler auftreten könne. Wenn Wulff die Affäre aussitzen wolle, werde er ein extrem schwacher Präsident sein. Auch werde dies nur möglich, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel die Hand über ihn halte. Damit liege das Problem auch eher bei der CDU-Chefin. Sie habe aus der Präsidentenwahl 2010 eine Posten- und Machtfrage gemacht, statt den Konsens zu suchen. Also müsse Merkel sich nun zu den Vorgängen um ihren Wunschkandidaten äußern.

dpa/dapd

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