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Ex-US-Botschafter: Putins „Regime bricht zusammen, die Elite gerät in Panik“

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Von: Richard Strobl

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Ein zerstörtes Porträt von Russlands Machthaber Wladimir Putin liegt in Cherson auf dem Boden, nachdem die Stadt von der Ukraine zurückerobert wurde.
Ein zerstörtes Porträt von Russlands Machthaber Wladimir Putin liegt in Cherson auf dem Boden, nachdem die Stadt von der Ukraine zurückerobert wurde. © IMAGO/Nina Liashonok/Ukrinform

Ist Wladimir Putins Macht durch die Rückschläge im Ukraine-Krieg bedroht? Ja, meint ein Ex-US-Botschafter nach Ansicht von Szenen in Russlands Staats-TV.

Moskau – Russland ist in seinem Offensivkrieg in der Ukraine in die Defensive geraten. Auch nach dem Rückzug vom westlichen Ufer des Flusses Dnipro bereitet sich Russlands Militär nun offenbar sogar auf weitere mögliche Durchbrüche der ukrainischen Armee vor. So berichtet das Verteidigungsministerium in London, dass Verteidigungsstellungen teils 60 Kilometer hinter der aktuellen Frontlinie ausgebaut werden. Die Rückschläge bringen zunehmend auch Wladimir Putin in Bedrängnis – zumal sie oftmals der Kriegspropaganda widersprechen. Es stellt sich die Frage: Wie sicher sitzt der Kreml-Chef noch im Sattel?

Besonders nach der Teilmobilisierung kippte teils die Stimmung im Land. Ein Gradmesser dafür ist die öffentliche Berichterstattung in Russland. Nach Monaten, in denen der brutale Krieg blumig gepriesen wurde, mehren sich nun auch kritische Beiträge, die zumindest teilweise mit der Propaganda brechen.

Russlands „Elite in Panik“? Ex-US-Botschafter sieht „gutes Zeichen“

Auf einen solchen weist nun auch der frühere US-Botschafter in Russland (2012 bis 2014), Michael McFaul hin. „Dass dies im nationalen Fernsehen gesagt werden kann, ist ein gutes Zeichen“, schrieb er auf Twitter zu einem Video-Ausschnitt aus dem russischen Staatsfernsehen. Dieser verbreitete sich in den sozialen Medien in der vergangenen Woche rasant und wurde mittlerweile bereits mehr als eine Million Mal angeklickt (Stand: Freitag, 18.11.2022).

In der TV-Sendung spricht ein Experte über eine mögliche Verstaatlichung von Vermögenswerten westlicher Unternehmen. Damit hatte der Kreml seit Kriegsbeginn immer wieder gedroht. Eine Vielzahl von Unternehmen hat Russland bereits verlassen und damit zum Ausdruck gebracht, dass man gegen den Angriffskrieg sei. Falls Russland seine Ressourcen nun weiter verstaatlichen sollte, würde weiterer enormer wirtschaftlicher Schaden entstehen, so der Experte. Russland würde dann viele Ressourcen komplett verlieren, die es brauche. In dem Clip redet sich der Experte zunehmend in Rage.

Als Beispiel nennt er Russlands Hochgeschwindigkeitszüge Sapsan. Sie würden „morgen stoppen“ zitiert die Newsweek aus dem Clip. Hintergrund: Die Züge würden von Siemens mit Hauptsitz in München hergestellt. Russlands Bürgerinnen und Bürger hätten bei einer Verstaatlichung keine Autos mehr zum Fahren und keine Telefone mehr zum Telefonieren, heißt es weiter. „Was werden wir machen?“, fragt der Experte und meint dann: „Alles, was wir haben, ist westlich.“

Putins „Regime bricht zusammen“: Russische TV-Show lässt Ex-US-Botschafter hoffen

Dass diese Aussagen im russischen Staatsfernsehen ausgestrahlt werden, ist für den ehemaligen US-Botschafter Michael McFaul mit Blick auf den Ukraine-Krieg nun ein „gutes Zeichen“. Er schlussfolgert direkt: „Das Regime bricht zusammen. Die Elite gerät in Panik.“ Dabei nimmt er Bezug auf den Video-Post von Anton Gerashchenko, den ehemaligen stellvertretenden Innenminister der Ukraine und aktuellen Berater des Ministeriums.

Ob dies wirklich der Fall ist, muss sich wohl erst zeigen. Sicher ist aber: Der Ton in den russischen Medien hat sich in den letzten Wochen und Monaten gewandelt.

Und auch von anderer Seite drohen Wladimir Putin möglicherweise Probleme: Die mächtigen Silowiki und besonders Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin, verfolgen zunehmend eigene Agendas im Ukraine-Krieg. Zudem schrecken sie auch nicht mehr vor Kritik am System Putins zurück. Sanktionieren kann der Kreml-Chef die Silowiki allerdings kaum, ist er doch an der Front auf deren militärische Einheiten angewiesen. (rjs)

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