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Hintergründe verständlich erklärt

Saudi-Arabien und Iran: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Demonstration gegen Saudi Arabien in Teheran.

Riad - Mit der jüngstem Eskalation zwischen Saudi-Arabien und dem Iran scheinen alle Friedensbemühungen für Syrien, den Irak und den Jemen wieder zunichte gemacht zu sein. Hier klären wir die wichtigsten Fragen und Hintergründe.

Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr Baker al-Nimr in Saudi-Arabien gibt es weltweit Proteste in der islamischen Welt. Im Irak wurde ein Muezzin getötet, es gab Bombenanschläge auf zwei sunnitische Moscheen. Weil Demonstranten die saudische Botschaft in Teheran gestürmt hatten, brachen Saudi-Arabien und der Golfstaat Bahrain nun ihre diplomatischen und Handelsbeziehungen zum Iran ab. Die iranischen Diplomaten hätten 48 Stunden Zeit, das Land zu verlassen. Mit dieser Eskalation scheinen alle Friedensbemühungen für Syrien, den Irak und den Jemen wieder zunichte gemacht zu sein. Hier klären wir die wichtigsten Fragen und Hintergründe.

Warum sind Sunniten und Schiiten so zerstritten?

Die Spaltung der Muslime in Schiiten und Sunniten begann im siebten Jahrhundert mit dem Streit um die Nachfolge des Propheten Mohammed. Die Schiiten sehen in Ali, den Schwiegersohn und Vetter Mohammeds, den einzig legitimen Nachfolger des Propheten. Heute stellen die Schiiten gut 15 Prozent der Muslime. Die Sunniten kennen, anders als die Schiiten, keine Hierarchie von Geistlichen und erkennen die Schiiten nicht als wahre Muslime an.

Und was sind Wahabiten? 

Die saudische Staatsreligion ist eine ausgesprochen strenge Ausprägung des sunnitischen Islam. Die Anhänger des sunnitischen Gelehrten Ibn Abd al- Wahab (1703 – 1792) propagierten einen von allen modernen Einflüssen „gereinigten“ Islam. Das saudische Königshaus setzt diesen „Steinzeit-Islam“ bis heute mittels einer Religionspolizei durch. Bei Alkohol- und Drogenkonsum oder Ehebruch drohen drakonische Strafen bis zur Enthauptung.  

Wie wirkt sich der Religionsstreit auf regionale Machtkämpfe aus? 

Dieser uralte Religionskonflikt wird von den Regionalmächten Iran und Saudi-Arabien für ihr Ringen um die politische Vormachtstellung missbraucht. „Es würde die Auseinandersetzung auch geben, wenn die Bevölkerung beider Länder christlich oder buddhistisch wäre“, so der Friedensforscher Jochen Hippler. Der Iran unterstützt die Schiiten im Irak und im Jemen, die Saudis unterstützten zumindest anfangs auch die sunnitischen Terrorgruppen Islamischer Staat (IS) und Al-Kaida. In Syrien steht der Iran auf Seiten von Präsident Assad, der wiederum der muslimischen Minderheit der Alawiten angehört. In Bahrain regiert ein sunnitisches Königshaus eine mehrheitlich schiitische Bevölkerung – weshalb die Angst vor iranischer Einmischung besonders groß ist.

Warum ließ Saudi-Arabien al-Nimr hinrichten?

Laut Hippler wollte das saudische Königshaus durch die Exekution den Schiiten in ihrem Staat klarmachen, dass Forderungen nach Autonomie oder Gleichheitsrechten auf keinen Fall toleriert würden.

Was sind die Auswirkungen des neuen saudisch-iranischen Konflikts auf die Region?

Ohne Riad und Teheran geht in Sachen Syrien-Friedensverhandlungen nichts – alle Hoffnungen der letzten Monate auf einen Kompromiss wenigstens unter Ausschluss des IS dürften damit zunichte sein. Auch der Stellvertreterkrieg im Jemen, wo die Saudis die Regierungstruppen und die Iraner die Huthi-Rebellen unterstützen, droht nun weiter zu eskalieren.

Nimr Baker al-Nimr: Der neue Märtyrer der Schiiten

Scheich Nimr Baker al-Nimr.

Mit Nimr Baker al-Nimr hat die saudische Regierung einen scharfen Kritiker hinrichten lassen, der aber stets den gewaltfreien Protest propagiert hatte: „Das Brüllen der Worte ist stärker als Schwerter“, sagte der 56-jährige Getötete vor seiner Verhaftung 2012 in einem BBC-Interview. Al-Nimr war der bekannteste schiitische Geistliche Saudi-Arabiens. 15 Prozent der ansonsten sunnitisch-wahabitischen Saudis hängen der schiitischen Glaubensrichtung des Islam an. Im Jahr 2009 zog al-Nimr den Zorn des Herrscherhauses auf sich, als er forderte, die ölreichen östlichen Provinzen Katif und Al-Ihsaa, in denen die meisten der rund zwei Millionen saudischen Schiiten leben, an das mehrheitlich schiitische arabische Nachbarland Bahrain anzuschließen.

Als im Frühjahr 2011 der Arabische Frühling begann, organisierte al-Nimr Proteste und rief in Predigten zum Widerstand gegen das Königshaus auf. Als al-Nimr 2012 den Tod von Innenminister Prinz Najef bin Abdulasis mit den Worten „Mögen die Würmer ihn fressen“ begrüßte, brachte das das Fass zum Überlaufen: Am 8. Juli 2012 wurde al-Nimr festgenommen. Wegen Aufwiegelung, illegalen Waffenbesitzes und „Ungehorsam gegenüber dem Herrscherhaus“ wurde al- Nimr im Oktober 2014 zum Tode verurteilt. Am Samstag wurde er zusammen mit 46 weiteren Männern hingerichtet. Seinem Sohn Ali (17), der in der Haft angeblich gefoltert wurde, droht nun ebenfalls die Hinrichtung.

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