Wejs da Schieder im Bundesdog gejht

"Manchmol werd ma scho veroascht"

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Oliver Welke von der „Heute Show“ hat den nordbairischen Spruch von da Schieder Maria im Bundestag zoigt – und am End hot er gsogt: „Ich fasse jetzt kurz zusammen, was ich verstanden habe: Nichts!“

Minga - D Schieder Marianne, d Bundestagsabgeordnete fürn Woikreis Schwandorf in der Oberpfoiz, sogt im tz-Interview, wejs im Bundesdog gejht.

Gibts auf Nordbairisch a Wort, des a Münchner gwieß net versteht?

d Schieder Marianne, d Bundestagsabgeordnete fürn Woikreis Schwandorf in der Oberpfoiz: Kloine Gäns hoißn bei uns „Wusala“ – des kenna Sie niad, oda? Dej ham ma bei uns in der Küch ghalten, wej i kloi woar.

Sie warn ja vo 1994 bis 2004 im Boarischen Landtag, seit 2005 sitzen S im Bundestag. Hot ma wenigstens im Maximilianeum no Bairisch redn derfa?

Dieser Text stammt aus der tz-Ausgabe vom Freitag, 21.02.2014, die komplett auf Bairisch erscheint. Die Erklärung dazu lesen Sie hier, mehr Texte finden Sie auf dieser Übersichtsseite.

Schieder: Wej i im Landtag zur Vorsitzenden vom Bildungsausschuss gwählt wordn bin, hots ghoißen: Wej kon ma oine inn Bildungsausschuss lassen, dej niad amoal gscheit Deitsch ko? Da hots erbitterte Leser-brejf gebn. Des is ejtz aber besser woan, weils insgesamt an Entwicklung zu mehrer Dialekt gibt. Wej i 1968 in d Schul kumma bin, da woa der Dialekt total verpönt, da hats ghoißn, i bi a Bauernmoidl. Ejtz is da Dialekt bei uns dahoam in der Schul wieder ganz normal. Sogar in Manager-Schulungen ham s gmerkt, dass der Dialekt wos Liebenswerts is, wos Individuells, wo ma schneller zou die Menschn findt. Aber viel redn ja des Uschi-Glas- oder Franz-Beckenbauer-Baierisch – des is ja a koi echter Dialekt.

Und wia is s in Berlin?

Schieder: Ma wird scho imma wieder amol veroascht. Bei ana Rede zum Betreuungsgeld hob i amol an Spruch vo meiner Oma zitiert. Mia woan dahoam fünf Kinda und mei Oma war so a kloine, rundliche Frau. Immer, wenn ma wos schnöll-schnöll erledigt ham, aba niat richtig gscheit, hot d Oma gsagt: „Du bist wej da sel Schneinder, der gsagt hot: ‚Des gibt se scho beim Bügeln‘, wej er s Hosentürl am Oasch hinte g‘macht hot.“ „Am Oasch“ hab i mi aber niat sagn traua in dem Hohen Haus, da hob i bloß gsagt: hinten. Den Spruch hob i aber für de Preißn übersetzt: „Der Schneider hat gesagt, es wird sich schon geben beim Bügeln, als er den Hosenschlitz hinten und nicht vorne hineingenäht hatte.“ Des hoißt, dass a Oawat gmocht woan is, dej nix daugt – des kinna S drahn und wendn, wej S wollen, mim Bügeln gibt se dou nix mehr. Aber in der „Heute-Show“ hom s des dann ohne mei Übersetzung zoigt, nach dem Motto: So unverständlich redens im Bundestag.

Und wia finden de Kollegen im Bundestag des Bairische?

Schieder: Die ersten Monat in Berlin woan scho schwierig. Wej i mi in meim Ausschuss voagstellt hob, hob i gsagt: I kumm aus Bayern. Da homs alle glacht: „Meinst Du, das hört man nicht?“ Mir und de Baden-Württemberger hom halt den ausgeprägtesten Dialekt. So a Ruhrpott-NRWler, des is ja so a schriftdeitscha Slang. Wenn d Niedersachsen und d Nordrhein-Westfalen uns Bayern zouhearn, die Unterfranken, die Oberbayern, die Oberpfälzer, dann sogn die: Verstengts ees eng eigentli überhapts gegnseiti? Dabei gebn ma uns Mejh! Aber a d Bayern, de bloß Schriftdeitsch redn, kennt ma glei, zum Beispiel, weil ma nie s Imperfekt sondern allerweil Perfekt hernehma. Im Alltag passierts mar aa, dass i in Berlin in der Bäckerei Semmel statt Schrippen oder Brötchen sog. Und wenn i sog: Griaß God, sogn d Berliner: „Wenn ich ihn treffe, sag ichs ihm.“

Werd da Dialekt aussterbn?

Schieder: Bestimmte Wörter scho – i und meine Schwestern redn wirkli Dialekt, aber bestimmte Wörter vo meina Oma kenna mia nimma. So Dialekt-Unterschiede mejssat mar a an der Uni erforschen. Zum Beispiel sogn mia in da Oberpfalz: des is epps Schejns, in Oberbayern hoißts: epps Liabs. I finds guat, dass ma se wieder mehrer Mejh um den Dialekt macht, so wej in der tz midm Dialekt-Lexikon – oda ejtz dej Ausgab aaf Boarisch.

Aufgschriebn vom Rimpel Klaus

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