Expertin im tz-Interview

"Schmid-Affäre kann die CSU drei Prozent kosten"

+
Georg Schmid

München - Im tz-Interview spricht Prof. Ursula Münch, Leiterin der Politischen Akademie in Tutzing, über die Vetternwirtschafts-Affäre und die Folgen für die CSU.

Wie sehr schadet die Vetternwirtschafts-Affäre dem Image der CSU?

Prof. Ursula Münch, Leiterin der Politischen Akademie in Tutzing: Sie schadet der CSU sicher ganz besonders, aber letztlich leidet das Image aller Politiker und aller Parteien unter diesen Berichten über Abgeordnete, die ihre Ehefrauen oder Kinder versorgen. Im Hinterkopf der Wähler bleibt hängen: Politiker wirtschaften in die eigene Tasche. Es ist immer schwer zu sagen, wie lange das Gedächtnis der Wähler hält – aber es ist durchaus vorstellbar, dass diese Geschichte der CSU zwei bis drei Prozent der Stimmen kostet.

Rein formaljuristisch war ja alles korrekt…

Münch: Naja, Übergangsregelungen werden nicht dafür geschaffen, einen Übergang über Jahrzehnte zu ziehen. Georg Schmid beispielsweise will ja bis jetzt nicht einsehen, dass er etwas falsch gemacht hat.

War Schmids Rücktritt unausweichlich?

Münch: Wenn wir nicht in fünf Monaten Landtagswahlen hätten und wenn er sich anders verhalten hätte, wäre ihm ein Rücktritt meines Erachtens erspart geblieben. Doch die Kombination aus problematischem Verhalten, fehlender Einsicht und miserablem Krisenmanagement war einfach zuviel. Es gibt viele jüngere Abgeordnete, die so etwas wie Schmid nicht machen können und nicht machen wollen. Die müssen sich jetzt an der Basis für dessen Verhalten beschimpfen lassen. Deshalb sind die Abgeordneten richtig sauer auf Schmid.

Christa Stewens wurde heute fast einstimmig zur neuen CSU-Fraktions­chefin gewählt. Aber sie wird nur bis zur Landtagswahl im Amt bleiben…

Münch: Ehrlich gesagt halte ich das für eine Zumutung für Frau Stewens. Erst wollte man sie nicht mehr haben, obwohl sie eine vorzügliche Sozialministerin war. Die damalige Begründung Seehofers, sie sei zu alt, war völlig absurd. Und jetzt soll sie die Kuh vom Eis holen. Das ist übrigens typisch für die Politik, aber auch in anderen Bereichen: Wenn es darum geht, verfahrene Situationen zu retten, dann entsinnt man sich der Frauen. Christa Stewens war deshalb hin-und hergerissen zwischen der Freude über diese Position, mit der sie nun ganz anders ihre Karriere beenden kann, und dieser Zumutung.

Wie beurteilen Sie die Entscheidung strategisch?

Münch: Es war sicher ein sinnvoller Schachzug, da Seehofer nun nicht das Kabinett umbilden musste. Aber es geschah mehr aus der Not heraus als aus Strategie: Es blieben nicht mehr allzuviele Leute übrig, die diesen schwierigen Posten übernehmen konnten.

Ein Grund für die „Zwischenlösung“ Stewens ist ja, dass Ilse Aigner noch in Berlin sitzt. Ist das Problem des Machtkampfs zwischen Söder und Aigner nur verschoben worden statt gelöst?

Münch: Nach der Landtagswahl hat man eine ganz andere Entscheidungsbasis für den Machtkampf. Denn dann weiß man, wie gut oder schlecht Ilse Aigner in Oberbayern abgeschnitten hat.

Söder hat ja beim Maibock-Anstich auch seine Parteifreunde nicht geschont. Ist er einigen CSU-Größen zu sehr auf die Füße getreten , hat er sich neue Feinde gemacht?

Münch: Söder liebt die Bühne – und wann bekommt ein Finanz­minister schon solch eine Übertragungsreichweite wie beim Maibock-Anstich! Zudem liegt Söder das Frotzeln, und in der kabarettistischen Situation darf er dann noch ordentlich überziehen. Denn wenn sich einer über seine Worte aufregt, kann Söder sich zurecht hinter der Rolle verstecken und sagen: Hast Du keinen Humor? Verstehst Du nicht, was Kabarett ist?

Interview: Klaus Rimpel

Die Promis beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus

Die Promis beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus

Auch interessant

Meistgelesen

Darum musste das Ordnungsamt bei Laschets Wahlparty einschreiten
Darum musste das Ordnungsamt bei Laschets Wahlparty einschreiten
Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: CDU will weiter mit SPD regieren
Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern: CDU will weiter mit SPD regieren
In Frankreich bahnt sich eine Art "Groko" an
In Frankreich bahnt sich eine Art "Groko" an
Wahl 2017 in den Niederlanden im Ticker: Ministerpräsident Rutte hängt Wilders ab
Wahl 2017 in den Niederlanden im Ticker: Ministerpräsident Rutte hängt Wilders ab

Kommentare