Zweifelhafte Nazi-Äußerung

Euro-Krise: Schmidt attackiert Merkel scharf

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Altkanzler Helmut Schmidt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Politik in der Eurokrise erneut scharf angegriffen.

Berlin - Helmut Schmidt hat Angela Merkel für ihre Politik in der Eurokrise scharf angegriffen. Es sei „zum Teil ihre eigene Schuld“, dass es in einigen europäischen Ländern Bilder gebe, die Merkel „mit einer Hakenkreuzbinde zeigen“.

Das sagte Schmidt am Donnerstag in der ZDF-Talksendung „Maybrit Illner“. Die Kanzlerin habe eine „zu starke Zentralisierung auf ihre Person vorgenommen“. Einige Nachbarländer hätten „das Gefühl, dass Deutschland ein neues Zentrum sein sollte“, kritisierte der Sozialdemokrat.

Bundespräsident Joachim Gauck nahm in der Sendung die Kanzlerin in Schutz. „Wir stehen heute nicht vor dem Problem, dass eine geschichtsvergessene Regierungschefin sagt: am deutschen Wesen soll die Welt genesen“, sagte er. Merkel kämpfe auch „stellvertretend für andere benachbarte Nationen“ für einen stabilen Euro.

Krisenhelfer IWF und Weltbank: Was machen die eigentlich?

Der IWF wurde 1944 zusammen mit der Weltbank in Bretton Woods ( USA) gegründet. Ziel war es, nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Weltwirtschaftssystem mit stabilen Wechselkursen einzuführen. Die Zusammenarbeit in der Währungspolitik und im internationalen Zahlungsverkehr sollte gefördert werden. © dpa
Die Finanzhilfen des IWF sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. © dpa
Der Internationale Währungsfonds ( IWF) ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. © dpa
Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Finanzschwierigkeiten haben oder ihnen der Bankrott droht. Der IWF hilft den Mitgliedsländern dann mit Krediten. © dpa
Chef des IWF ist in der Regel ein Europäer. Aktuell wird er von der früheren französischen Finanzministerin Christine Lagarde gelenkt, die nach dem Rücktritt des Franzosen Dominique Strauss-Kahn an die IWF-Spitze rückte. © ap
Der spätere Bundespräsident Horst Köhler war von 2000 bis 2004 IWF-Chef. Zunehmend drängen aber auch Schwellenländer darauf, den Topposten zu stellen. © dpa
Die Quote bestimmt auch das Mitspracherecht. Der Einfluss aufstrebender Schwellenländer - etwa Chinas oder Indiens - beim IWF wurde zuletzt mit einer Stimmrechts- und Quotenreform erhöht. © dpa
Die Kapitaleinlagen (Quoten) der mittlerweile 187 Mitgliedsländer richten sich unter anderem nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft. © dpa
Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. © dpa
Die Weltbank steht nicht ganz so stark im Licht der Öffentlichkeit wie der IWF. Ursprünglich war ihr Ziel, nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile Währungen zu schaffen. © ap
Seit den 1960er Jahren liegt ihre Hauptaufgabe in der Entwicklungshilfe. Schwerpunkte sind die Förderung von Infrastruktur, Privatwirtschaft und Umweltprojekten sowie der Kampf gegen Armut und Krankheiten. © dpa
Im Gegenzug zur europäischen Besetzung der IWF-Spitze wird die Weltbank traditionell von einem Amerikaner geleitet, ab 1. Juli 2012 führt Jim Yong Kim die internationale Finanzeinrichtung. © dpa

Es sei falsch, wenn der Eindruck erzeugt werde, dass die Kanzlerin „gegen den Rest Europas steht“, sagte Gauck. Er sei überzeugt von Merkels „ hoher Rationalität und ihrem Handlungswillen“, sagte Gauck. In der Eurokrise sei es selbst für Wissenschaftler „außerordentlich schwer zu wissen, welcher Schritt der richtige ist“.

„Eine gewisse Risikobereitschaft auch im monetären Bereich gehört mit zu einer guten Politik“, fügte der Bundespräsident hinzu. Vor allem dürfe man aber in der Eurokrise nicht die Geduld verlieren, „nicht durchdrehen und nicht hysterisch werden“.

Gauck sagte, es könne schon sein, dass es in der EU einmal eine „Wohlstandsdelle“ gebe. Europa sei aber „auch im Falle ein gewissen Begrenzung der Freude am Leben ein lebenswerter Raum, wegen der Freiheit und wegen der Demokratie.“ Er traue hier der deutschen Bevölkerung eine ganz Menge zu. Auch beim Ausbruch der Finanzkrise 2008 seien die Deutschen ruhig geblieben. Rechtsextremisten hätten in der Bundesrepublik politisch keine Chance.

„Kein Penny“ für Griechenland überwiesen

Schmidt sagte: „Ich möchte wünschen, dass der Bundespräsident recht bekommt.“ Der Alt-Kanzler bemängelte aber: „Wir reden nur von Opfern, die in Zukunft möglicherweise auf uns zukommen.“ Tatsächlich sei bis heute „aus dem deutschen Bundeshaushalt kein Penny nach Griechenland überwiesen worden“. Zugleich lobte Schmidt die Europäische Zentralbank. Diese habe „ihre Aufgabe in fabelhafter Weise erfüllt“ und bislang keine Inflation zugelassen.

„Die Deutschen müssen den Eindruck vermeiden, als ob sie das Zentrum sein wollen“, mahnte der Alt-Kanzler. Zugleich seien sie stärker verantwortlich für Europa als anderen Völker, „weil wir sechs Millionen jüdische Mitbürger fabrikmäßig umgebracht haben.“

dapd

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