Das fordern die Lehrerverbände

Schulen in höchster Not: Lehrer fordern Taskforce

+
Eine Übergangsklasse, in der Flüchtlingskinder Deutsch lernen.

München - Eine Schule in Niederbayern. Plötzlich steht da ein Mädchen im Direktorat, vielleicht acht Jahre alt, zweite Klasse. Das Kind kann kein Deutsch, ist verschüchtert und könnte aufgrund des Erlebten schwer traumatisiert sein. Ein Flüchtling. Was muss die Schule jetzt tun, was kommt auf sie zu?

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann erwartet Hilfe von der Politik.

Der nicht enden wollende Strom von Flüchtlingen nach Bayern stellt die Einrichtungen nie erahnte Probleme. Ständig werden Schülerzahlen nach oben k orrigiert, alleine in den Grundschulen werden es heuer 5000 Kinder mehr sein. Deswegen wundert es nicht, dass gestern, als sich die führenden Köpfe der bayerischen Schularten trafen, neben Sorge wegen der Entwicklung vor allem eines spürbar war: Wir brauchen Hilfe. Besser gestern als heute. „Es ist unmöglich, die Mehrbelastungen der Schulen infolge der Aufnahme von Flüchtlingskindern mit den vorhandenen Mitteln zu finanzieren, sagte die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann. „Mehr Flüchtlinge erfordern mehr Geld.“ Der bayerische Nachtragshaushalt für 2016 mit bis zu 1,5 Milliarden Euro müsse zum Großteil in den Bildungsbereich fließen, auch der Kultushaushalt müsse für mehr Einstellungen erhöht werden. Benötigt werden Psychologen, Dolmetscher und Lehrer für Deutsch als Zweitsprache. „Ausgebildetete Lehrer sind vorhanden“, sagte Fleischmann auch in Hinblick auf die mageren Einstellungsquoten bei den Realschullehrern: Von denen werden nur 75 heuer unterkommen. „Das sind nur drei Prozent von höchst qualifizierten Kollegen“, sagt dazu Jürgen Böhm, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes. Bayern könne es sich nicht leisten, Flüchtlinge nicht zu fördern. Böhm: „Wir stehen bereit, diese Aufgabe zu übernehmen.“ Wie die Zahlen nach oben schnellen, verdeutlicht auch Jürgen Wunderlich, der Landesvorsitzende des Verbandes der Lehrer an Beruflichen Schulen. So gab es 2010/2011 sechs Flüchtlingsklassen mit 100 Jugendlichen an den Berufsschulen. 2014/2015 sind daraus 260 Klassen mit 4500 Schülern geworden.

Die Verbände fordern wegen dieser Entwicklung eine Taskforce an Lehrern, eine Sonder-Mobilreserve, wie es Ursula Lay, Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände ausdrückt. Als Einstieg benötige man bis zu fünf Kräfte pro Schulbezirk, also etwa 350 Pädagogen. Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Max Schmidt: „Sie müssen jetzt vorbereitet werden, jetzt müssen Planstellen geschaffen werden.“ Die Lehrer warnen bereits vor sozialen Folgen. BLLV-Präsidentin Fleischmann: „Ich habe Angst davor, was da passiert.“

Das fordern die Lehrerverbände

  • Wir fordern, dass die Themen Flüchtlinge und Bildung nicht gegeneinander ausgespielt werden.
  • Wir fordern zusätzliche Mittel für Flüchtlinge in unseren Schulen.
  • Wir fordern einen angemessenen Anteil aus dem geplanten Nachtragshaushalt für den Bildungsbereich.
  • Wir fordern eine bedarfsorientierte und unbürokratische Verteilung der zusätzlichen Mittel! Wir favorisieren die Bildung einer Taskforce Flüchtlinge.
  • Wir bieten unsere Hilfe an. Für Fragen der Bildung und der Unterrichtung von Flüchtlingen sind wir kompetente Ansprechpartner.

mc

auch interessant

Meistgelesen

Altbundespräsident Roman Herzog gestorben
Altbundespräsident Roman Herzog gestorben
Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Trump liebt Deutschland - und warnt BMW
Von der Leyen organisiert Sex-Seminar bei der Bundeswehr
Von der Leyen organisiert Sex-Seminar bei der Bundeswehr
Charleston-Schütze Dylann Roof zum Tode verurteilt
Charleston-Schütze Dylann Roof zum Tode verurteilt

Kommentare