Seehofer behauptet: CSU war "Gauck-Erfinder"

+
Horst Seehofer begrüßt Joachim Gauck in München: Der CSU-Chef sieht Edmund Stoiber als „Erfinder“ des künftigen Bundespräsidenten

München - Dass sich die Dinge ändern, sei in der Politik ganz normal, so Horst Seehofer bei seinem Empfang für Joachim Gauck am Montag in der Hanns-Seidel-Stiftung. Er sieht die CSU sogar als "Erfinder".

Plötzlich lieben ihn alle: Als Joachim Gauck am 23. Juni 2010 schon einmal als Präsidenten-Kandidat in den Bayerischen Landtag kam, war das durchaus noch anders. Damals hatte die CSU genau zu dem Zeitpunkt, da sich der damalige rot-grüne Kandidat Gauck den bayerischen Wahlmännern vorstellte, eine „unaufschiebbare“ Fraktionssitzung.

Aber CSU-Chef Horst Seehofer findet es ganz normal, dass seine Partei damals Christian Wulff unterstützte und nun dessen damaligen Gegner Gauck: Dass sich die Dinge ändern, sei doch in der Politik ganz normal, so Seehofer bei seinem Empfang für Gauck am Montag in der Hanns-Seidel-Stiftung.

Seehofer ging sogar noch weiter: In Wahrheit habe nämlich die CSU schon immer Gauck im höchsten Amt des Staates gewollt! Schließlich sei ja Edmund Stoiber der wahre Erfinder des Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck gewesen! Denn Stoiber habe Gauck schon 1999 als möglichen Bundespräsidenten ins Spiel gebracht, als Merkel sich dann mit dem Kandidaten Horst Köhler durchsetzte.

Allgemein gilt Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin als derjenige, der 2010 – nach dem Rücktritt Köhlers – als erster die Idee zur Nominierung von Gauck hatte.

Der Präsidenten-Kandidat jedenfalls zeigte sich erfreut über die Zustimmung der CSU: „Das war nicht immer so, und deshalb freut man sich besonders darüber.“ Die Opposition konnte sich den Spott über die CSU-Kehrtwende nicht verkneifen: „Es ist ein bisschen peinlich für die CSU, sich jetzt als Ober-Gauckianer darzustellen“, so Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Es sei „lustig, wie sie sich jetzt rückwärts überschlagen“.

Gauck stellt sich im Münchner Landtag vor

Gauck stellt sich im Münchner Landtag vor

Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause sagte schlicht: „Wir hätten uns einen Haufen Zeit und Ärger erspart, wenn wir es damals schon so gemacht hätten.“

Gaucks Vorstellungsrede im Landtag am Montag überzeugte sie jedenfalls alle. Der 72-Jährige resümierte am Ende dieses „wunderschönen Nachmittags“, dass es ihm in München gelungen sei, das eine oder andere Missverständnis auszuräumen – so etwa seine umstrittene Äußerung, Thilo Sarrazins Thesen zur Migrantenproblematik seien „mutig“ gewesen. Zwar habe er das nicht glücklich formuliert, gemeint habe er aber, dass es manchmal eines gewissen Muts bedürfe, etwas gegen den Mainstream, also die öffentlich vorherrschende Meinung, zu sagen. Er werde jedenfalls die von seinem Vorgänger Wulff eingeschlagene Richtung in Sachen Integration nicht ändern. Gauck sagte vor den Wahlmännern und -frauen, er sei zwar durchaus für mehr Bürgerpartizipation, sehe aber auch die Grenzen der direkten Demokratie bei einem 80-Millionen-Volk.

Vor der Presse äußerte sich Gauck auch zur Kritik des CSU-Abgeordneten Norbert Geis an seiner „wilden Ehe“ mit Daniela Schadt: „Ich verstehe meine Lebenssituation nicht als Rollenmodell für irgendjemand anderes. Wenn alle Beteiligten damit leben können, sollten Teile der bayerischen Öffentlichkeit auch damit leben können.“ Als kleine Spitze an seine CSU-Kritiker ergänzte Gauck, er habe „deutliche Zeichen einer bayerischen Liberalität gespürt, manchmal an Orten, wo ich sie gar nicht vermutet hätte“.

SPD-Wahlmann Hans-Jochen Vogel fand Gaucks Vorstellung „sehr beein­dru­ckend“. Und FW-Chef Aiwanger mahnte, dass die Medien nicht gleich wieder beginnen sollten, „Jagd“ auf Gauck zu machen und Fehler zu suchen: „Beginnen Sie nicht gleich damit, ihm das Leben schwer zu machen.“

Klaus Rimpel

Auch interessant

Meistgelesen

SPD triumphiert in Niedersachsen - Rot-Grün abgewählt
SPD triumphiert in Niedersachsen - Rot-Grün abgewählt
Nach ÖVP-Sieg in Österreich: Kurz hält sich Bündnisfrage offen
Nach ÖVP-Sieg in Österreich: Kurz hält sich Bündnisfrage offen
Was die Wahlen in Niedersachsen und Österreich für „Jamaika“ bedeuten
Was die Wahlen in Niedersachsen und Österreich für „Jamaika“ bedeuten
Vorbild für Europas Konservative? Kurz wird zum „Anti-Merkel-Modell“
Vorbild für Europas Konservative? Kurz wird zum „Anti-Merkel-Modell“

Kommentare