Grobes Foul des Ministerpräsidenten

Seehofer mobbt Parteifreunde

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Horst Seehofer hat sich einige Parteifreunde zur Brust genommen.

München - Es ist nicht alltäglich, wenn der Parteichef öffentlich über seine Untergebenen meckert. Horst Seehofer hat die CSU mit einem groben Foul an mehreren Parteifreunden schwer verstört.

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) muss Bösartiges über sich in der Zeitung lesen: „Von Ehrgeiz zerfressen“ sei er, leide an „charakterlichen Schwächen“ und leiste sich „zu viele Schmutzeleien“. Veröffentlicht wird das von Söders Heimatzeitung „Nürnberger Nachrichten“ (Mittwoch) auf der Seite eins. Die Zitate stammen von CSU-Chef Horst Seehofer. Der hatte am Montagabend über mehrere Parteifreunde öffentlich vom Leder gezogen wie noch nie.

Söder wird von der Lästerattacke am schlimmsten getroffen. Weitere prominente Opfer: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer („Zar Peter“) und der gestürzte CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg („Glühwürmchen“). Es gibt Zeugen, denn Seehofer äußerte sich auf der Journalisten-Weihnachtsfeier der CSU-Landesleitung - und gab vorher schon alle Zitate frei.

In jedem Unternehmen wären Äußerungen dieser Güteklasse ein Fall von Mobbing. Söder ist sichtlich tief verletzt, auch wenn er Seehofers Äußerungen diplomatisch kommentiert: „Ich war nicht dabei“, sagt er. „Da müssen sie ihn fragen. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit - und ansonsten ist bald Weihnachten.“

In der CSU-Landtagsfraktion und in der Staatsregierung machen die Seehofer-Zitate am Dienstag und Mittwoch die Runde. Manche reagieren empört. „Für mich sind das Sonnenkönigs-Allüren“, sagt der Nürnberger Abgeordnete Hermann Imhof über seinen Parteichef. „Wir müssen doch darauf achten, welches Bild wir in der Öffentlichkeit abgeben.“ Seehofer solle sich entschuldigen.

Doch es überwiegt nicht die Empörung, sondern Fassungslosigkeit. Viele CSU-Politiker rätseln über Seehofers Motiv. „Damit macht er sich doch die ganze Solidarität kaputt, die er braucht“, seufzt ein Abgeordneter. „Natürlich schadet uns das, das ist doch gar keine Frage“, meint ein zweiter Christsozialer. „Was hat er denn? Wir haben doch glänzende Voraussetzungen“, fragt sich ein dritter. In der Tat: Die CSU rangiert in der jüngsten internen Umfrage zwischen 48 und 49 Prozent.

Drei Erklärungsmodelle überwiegen: Seehofer stehe seit Wochen unter großem Druck, sagen mehrere CSU-Abgeordnete. „Unheimlich emotional“, sei der Vorsitzende derzeit, beobachtet ein Vorstandsmitglied. Erklärungsversuch Nummer zwei: Seehofer habe es nicht gern, wenn seine Kronprinzen zu mächtig werden - daher die Attacke auf Söder. „Wenn einer zu viele Muckis hat, lässt der Horst da die Luft raus“, kommentiert ein CSU-Abgeordneter. Seehofer sei unzufrieden mit Söders und Ramsauers Arbeit, meint ein Kollege. Mit Söder gab es unter anderem Konflikte bei der Aufstellung des bayerischen Doppelhaushalts und bei der Eurokrise, an Ramsauer mäkelt Seehofer ohnehin seit jeher herum.

Erklärungsversuch Nummer drei: Seehofers Persönlichkeit. Auch parteiinterne Gegner billigen ihm zu, dass der Parteichef über ein exzellentes politisches Gespür für die Stimmung in der Bevölkerung verfügt. Manche sagen aber auch, dass dem Parteichef eine andere Eigenschaft fehle: das Gespür fürs Zwischenmenschliche. Seehofer ist seit jeher ein einsamer Wolf, echte Freunde oder Vertraute in der Parteispitze hat er nach Einschätzung mehrerer Vorstandskollegen nicht. Seehofer nennt seinen säurehaltigen Spott „Humor“ - häufig ist er sehr erstaunt, dass Parteifreunde verletzt reagieren.

Offen ist nun, ob und wie Seehofer den Schaden wieder gutmachen will. In der Vergangenheit pflegte er solche Vorkommnisse für nicht geschehen oder bedeutungslos zu erklären. In der CSU wird nun auch diskutiert, ob Seehofers Äußerungen längerfristigen Schaden anrichten könnten. Derzeit hat der Parteivorsitzende trotz seiner Ausfälle eine sehr starke Position. „Es gibt nur einen Major Tom“, meint der CSU-Abgeordnete und bayerische Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer. „Das verpufft. Jetzt kommt Weihnachten.“

dpa

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