Freie Wähler noch unentschieden

Seehofer und Ude rufen zum Kämpfen auf

München - Drei Monate sind es noch bis zur Wahl. Horst Seehofer und Christian Ude machen ihren Parteien deshalb trotz der Sommerhitze kräftig Feuer. FW-Chef Aiwanger betont derweil: Wir sind noch völlig unentschieden.

Drei Monate vor der Landtagswahl haben Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und sein SPD-Kontrahent Christian Ude ihre jeweiligen Anhänger zum Kämpfen aufgerufen.

Seehofer verlangte seiner Partei am Montag „große Disziplin, höchsten Einsatz und inhaltliche Trittsicherheit“ für die verbleibenden Wochen bis zur Wahl. Diese drei Dinge müssten im Wahlkampf von jedem „Champions-League-tauglich eingebracht werden“, sagte er nach einer CSU-Vorstandssitzung in München. Nach der jüngsten 46-Prozent-Umfrage der „Süddeutschen Zeitung“ mahnte Seehofer: „Auch gute Umfragen bleiben Momentaufnahmen - sie sind kein Anlass zur Selbstzufriedenheit.“ Die CSU könne sich noch steigern. „Wir können und müssen da noch besser werden, als dies die Umfragen dieser Tage ausdrücken.“ Die CSU müsse sich der Bevölkerung zudem als Dienstleister präsentieren, nicht als Ausüber einer Herrschaft.

Ude forderte von seiner Partei einen noch engagierteren Kampf für einen Regierungswechsel. Im Wahlkampf gebe es gegen Ende immer die Situation, „dass man im Tempo zulegen muss“, sagte er in München. Die SPD müsse aus Zustimmung in Sachfragen Stimmen machen. Es gebe in Bayern den traditionellen Widerspruch, dass man in der Sache anderer Meinung sei, am Ende aber doch CSU wähle, erklärte der SPD-Politiker.

Die Freien Wähler sind nach den Worten ihres Landesvorsitzenden Hubert Aiwanger noch völlig unentschieden, was eine mögliche Koalition mit der CSU oder mit Rot-Grün nach der Landtagswahl angeht. Er glaube nicht, dass die Mehrheit der eigenen Anhänger in Richtung CSU tendiere - er sei vielmehr überzeugt, dass das Ganze eine „Fünfzig-Fünfzig-Situation“ ist, sagte Aiwanger. Es sei nicht zielführend, „wenn uns in Umfragen die Kerzen am Wegrand aufgestellt werden, die uns zum Altar führen sollen“. Am Ende seien die Inhalte entscheidend, betonte er.

Nach der neuesten Bayern-Umfrage der „Süddeutschen Zeitung“ wünschen 70 Prozent der FW-Anhänger eine Koalition mit der CSU. In der Sonntagsfrage liegt die CSU mit 46 Prozent vorne. SPD, Grüne und Freie Wähler kommen zusammen auf 43 Prozent. Die FDP wäre nach dieser Umfrage knapp nicht mehr im nächsten Landtag vertreten.

Ude sagte, er habe noch nie behauptet, dass die Freien Wähler eine Vorentscheidung in die eine oder in die andere Richtung - CSU oder Rot-Grün - getroffen hätten. Er wolle die FW aber davon überzeugen, dass es nicht überzeugend sei, „der FDP ins Grab zu folgen“, sagte der Münchner Oberbürgermeister. An dieser Überzeugung halte er fest.

Grünen-Spitzenkandidatin Margarete Bause betonte: „Wir wollen den Politikwechsel in Bayern.“ Ziel müsse es deshalb sein, dass SPD, Grüne und Freie Wähler rechnerisch in die Situation kommen, die CSU nach Jahrzehnten an der Macht ablösen zu können. „Wenn ich mir überlege, was das in Bayern für eine Sensation wäre“, und auch darüber hinaus, sagte sie mit Blick auf den direkt neben ihr sitzenden Aiwanger. Dieser entgegnete prompt: „Ich bin nicht sensationslüstern.“ Er sei an guter Politik interessiert.

Ude, Bause und Aiwanger hatten ein Jahr nach dem Nein der Münchner Bürger zur dritten Startbahn zu einer Pressekonferenz geladen.

dpa

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