Gas fördert die Freundschaft: Seehofer bei Putin

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Der russische Premierminister Wladimir Putin (2.v.r.) begrüßt am Mittwoch in der Residenz Nowo-Ogarjowo bei Moskau (Russland) den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU, r.), BMW-Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt (l.), und den Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG, Peter Löscher, zu Gesprächen.

Nowo Ogarjowo  - Ministerpräsident Horst Seehofer wird warm ums Herz bei seinem Gespräch mit Moskaus Regierungschef Wladimir Putin. Putin will nicht nur Liebesgrüße aus Moskau nach Bayern senden - sondern Gas.

Wladimir Putin ist etwa zwei Köpfe kleiner als Ministerpräsident Horst Seehofer - und ungleich mächtiger. Der CSU-Chef kann sich mehr als geschmeichelt fühlen, dass er bei seinem ersten Russland-Besuch eine ganze Riege von Moskauer Spitzenpolitikern trifft - bis hin zu Präsident Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin.

Die Russen mögen ganz offensichtlich Bayern, doch hat die Moskauer Charmeoffensive noch einen wenig romantischen Grund: Die deutsche Atomwende kommt Medwedew, Putin & Co. offensichtlich gelegen: Deutschland will die Atomkraftwerke abschalten. Die Russen wollen mehr als 20 neue Meiler bauen, um noch mehr Öl und Gas exportieren zu können. Seehofer will eine Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und Russland vorantreiben - ein schönes Wort für neue Gasimporte.

Staatsbesuch in Russland: Seehofer trifft Putin

Staatsbesuch in Russland: Seehofer trifft Putin

“Wie geht's?“, begrüßt Putin Seehofer und seine vier weiteren bayerischen Gäste auf Deutsch. Schauplatz ist Putins Residenz Nowo Ogarjowo, fünfundzwanzig Kilometer westlich von Moskau. Die hermetisch abgeschottete Villa aus der Zarenzeit liegt in einem noch halb verschneiten Wäldchen inmitten von Kiefern und Birken. In dem Raum ein großer ovaler Tisch aus Kirschholz und zehn Stühle. Nur Seehofers und Putins Stühle haben Armlehnen - Siemens-Chef Peter Löscher, Energieminister Sergej Schmatko und die übrigen Teilnehmer müssen sich mit bescheideneren Stühlen ohne Armlehne begnügen.

Putin nennt die deutsch-russischen Beziehungen erfolgreich und lobt bayerische Fahrzeuge: “Es ist ein Privileg, gute Autos fahren zu dürfen.“ Anschließend erinnert sich einer der mächtigsten Männer der Welt in wärmsten Worten auch an Seehofers Vorvorgänger Edmund Stoiber (CSU): “Ich fühle mich immer noch in seiner Schuld für seinen hervorragenden Empfang“, sagt er. “Ich denke immer, wie könnte ich das menschlich zurückgeben?“ Putin war 2006 bei Stoiber zu Gast. Seehofer übermittelt Grüße von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und lädt ihn erneut nach Bayern ein.

Doch Putin empfängt Seehofer nicht, um Nettigkeiten auszutauschen. Das zeigt schon die Liste der übrigen Teilnehmer: Auf russischer Seite der Energieminister, der Industrieminister und der Vizechef des staatlichen Atomkonzerns Rosatom. Auf bayerischer Seite Siemens-Chef Löscher, Wirtschaftsminister Martin Zeil und BMW-Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt. Die russische Regierung hat offensichtlich Interesse an einem BMW-Werk in Russland.

Doch wichtiger noch als BMW ist die Energie. Kurzfristig lassen sich abgeschaltete Atomkraftwerke nach Überzeugung von Union und FDP nicht durch erneuerbare, sondern nur durch fossile Energien ersetzen. FDP-Wirtschaftsminister Zeil bastelt schon an einem Konzept, das den Bau mehrerer neuer Gaskraftwerke in Bayern vorsieht.

“Es wird notwendig sein, dass wir gemeinsam mit Russland bei Energiegewinnung, Energieversorgung und Transport ein ganzes Stück weit enger zusammenrücken“, sagte Seehofer am Mittwoch nach einem Treffen mit Russlands Regierungschef Wladimir Putin in dessen Residenz Nowo Ogarjowo. Wenn die Grundlastversorgung gewährleistet sein solle, “dann geht das nicht ohne Gas“. Bei Umweltschützern herrscht jetzt schon Sorge, dass mehr Gaskraftwerke die deutsche CO2-Bilanz belasten. Seehofer betont, dass die Klimafreundlichkeit nicht aufgegeben werden soll. Und die Atomkraft spielt auch in umgekehrter Hinsicht eine Rolle: Damit Russland seine Öl- und Gasexporte steigern kann, will die Regierung mehr als zwanzig neue Atomkraftwerke bauen - mit Hilfe deutscher Technologie. Die Lage ist recht eigenartig: Deutschland braucht voraussichtlich von Russland mehr Gas. Damit sie mehr Gas liefern können, wollen die Russen deutsche Atomtechnik, um neue Kernkraftwerke bauen zu können. Denn bisher verbrennen die Russen viel Gas noch selbst, das sie gewinnbringend exportieren könnten.

Besondere Aufmerksamkeit genießt in Moskau deshalb das größte bayerische Unternehmen: Siemens. Der Konzern ist mit Unterbrechungen seit über 150 Jahren in Russland aktiv. Doch nun steigt Siemens selbst aus dem Atomgeschäft aus. Die russische Regierung ist anscheinend besorgt, dass die Münchner sich auch noch aus einem geplanten Gemeinschaftsunternehmen mit der russischen Rosatom zurückziehen könnten. Doch dieser Teil der Gespräche ist so geheim, dass Seehofer sich dazu nicht äußert. Putin jedenfalls plant jetzt schon neue Gaslieferungen. “Er hat sich tiefe Gedanken gemacht, wie die Energiepartnerschaft gelingen könnte“, sagt Seehofer.

Von Carsten Hoefer

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